Orangenöl: Nutzen, Nebenwirkungen und Anwendungstipps

Y Yannik 9. Februar 2026 14 Min. Lesezeit
Orangenöl

Wer eine Orange schält, kennt den intensiven Duft, der sofort den Raum erfüllt. Verantwortlich dafür sind winzige Öldrüsen in der Schale, die beim Aufbrechen ihr Sekret freisetzen – ein Gemisch aus mehreren hundert chemischen Verbindungen. Orangenöl gehört zu den meistproduzierten ätherischen Ölen weltweit und wird in Reinigungsmitteln, Kosmetik, Lebensmitteln und der Aromatherapie eingesetzt. Doch was steckt wirklich in diesem Öl, welche Eigenschaften sind durch Studien belegt – und wo beginnt die Übertreibung?

Gewinnung und Herstellung

Orangenöl wird aus der Schale der Süßorange (Citrus sinensis) gewonnen. Anders als die meisten ätherischen Öle entsteht es als Nebenprodukt der Saftindustrie [1]. Bei der industriellen Saftproduktion werden die Schalen mechanisch bearbeitet: Rotierende Walzen mit feinen Nadeln durchstechen die Öldrüsen in der äußeren Schalenschicht (dem sogenannten Flavedo), woraufhin das Öl austritt. Wasser spült es anschließend in Auffangbehälter, bevor es durch mehrstufige Zentrifugation von der wässrigen Phase getrennt wird [1,2].

Dieses Verfahren wird als Kaltpressung (cold pressing) bezeichnet, weil dabei keine Hitze eingesetzt wird. Es gilt als schonend, weil die empfindlichen flüchtigen Verbindungen weitgehend erhalten bleiben [2]. Eine Alternative ist die Wasserdampfdestillation (hydrodistillation), bei der die Schalen kochendem Wasser ausgesetzt werden. Dabei ist die Ölausbeute zwar höher, jedoch gehen hitzeempfindliche Aromastoffe teilweise verloren oder werden verändert [2]. Kaltgepresstes Orangenöl hat daher in der Regel ein volleres, authentischeres Aroma als destilliertes Öl.

Wichtig: Kaltgepresste Zitrusöle können mehr Pestizidrückstände enthalten als dampfdestillierte, da hohe Temperaturen bei der Destillation hitzeempfindliche Pestizide abbauen können [3]. Wer Wert auf Reinheit legt, sollte daher auf die Herkunft und Qualitätszertifikate achten.

Chemische Zusammensetzung

Orangenöl ist ein komplexes Gemisch. Mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) wurden mehrere hundert Einzelverbindungen identifiziert [1]. Der mit Abstand größte Bestandteil ist das Monoterpen D-Limonen, das je nach Sorte, Herkunft und Extraktionsmethode etwa 74 bis 97 Prozent des Öls ausmacht [4,5]. Neben D-Limonen finden sich in geringeren Mengen weitere Terpene wie Myrcen (etwa 1 bis 3 Prozent), α-Pinen (0,5 bis 2,4 Prozent) und Sabinen (unter 1 Prozent) [6,7].

Zu den sauerstoffhaltigen Verbindungen zählen der Alkohol Linalool (etwa 0,9 bis 2,5 Prozent) und Aldehyde wie Octanal (etwa 1 bis 2 Prozent) und Decanal [4,5,7]. Diese Nebenbestandteile machen zwar nur wenige Prozent des Gesamtöls aus, tragen aber erheblich zum typischen Orangenaroma bei. Der für die gelbliche bis orange Farbe verantwortliche Stoff ist das Flavon Sinensetin [1].

BestandteilAnteil (typischer Bereich)
D-Limonen74–97 Prozent
Myrcen1–3 Prozent
Linalool0,9–2,5 Prozent
α-Pinen0,5–2,4 Prozent
Octanal1–2 Prozent

Wichtig: Diese Werte schwanken je nach Orangensorte, Reifegrad, Anbaugebiet und Jahreszeit erheblich [5,8]. Untersuchungen an tunesischen Orangensorten zeigten, dass der Limonengehalt im Verlauf der Reifung zwischen 82 und 86 Prozent variierte [8]. Selbst zwischen verschiedenen Kultivaren derselben Region können die Unterschiede deutlich sein [4].

D-Limonen – der Hauptbestandteil

Da Orangenöl zu über 90 Prozent aus D-Limonen besteht, wird es in der Industrie häufig als preisgünstiger Ersatz für reines D-Limonen verwendet [1]. D-Limonen ist ein zyklisches Monoterpen mit einem angenehmen zitrusartigen Geruch. Es kommt in den Schalen aller Zitrusfrüchte vor und wurde bislang in über 300 ätherischen Ölen nachgewiesen [9]. Brasilien ist der weltweit größte Produzent von Orangenöl und D-Limonen, gefolgt von den USA [10].

Ein verbreiteter Irrtum betrifft den Geruch: In vielen Chemie-Lehrbüchern steht, dass D-Limonen (die R-Form) nach Orange riecht und L-Limonen (die S-Form) nach Zitrone. Eine Studie der Universität Bergen hat diesen Mythos widerlegt. In Geruchstests ordneten nur wenige Testpersonen D-Limonen dem Orangenduft und L-Limonen dem Zitronenduft zu [11]. Tatsächlich drehen beide Formen von Limonen in Zitrusölen die Polarisationsebene von Licht nach rechts – Zitronenöl enthält ebenfalls überwiegend D-Limonen [11].

Keimhemmende Eigenschaften

Orangenöl zeigt in Laborversuchen (in vitro) keimhemmende Wirkung gegen verschiedene Bakterien und Pilze. Studien belegen eine Hemmwirkung gegen Krankheitserreger wie Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Listeria monocytogenes und Salmonellen [4,12,13]. Bei einer Untersuchung verschiedener Zitrus-Öle von Orangenterpenen lag die minimale Hemmkonzentration gegen elf Salmonellen-Stämme bei 0,125 bis 1 Prozent [13].

Dabei zeigt sich ein Muster: Aufkonzentrierte Orangenöle (sogenannte Folded Oils) wirken stärker keimhemmend als das Ausgangsöl oder reines D-Limonen [12]. Forscher erklären das mit einem Zusammenspiel der Nebenbestandteile wie Linalool, Decanal und α-Terpineol, die bei der Aufkonzentrierung angereichert werden [12]. Reines D-Limonen allein ist also weniger wirksam als das vollständige Öl – ein Hinweis auf sogenannte Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Inhaltsstoffen.

Auch wenn diese Ergebnisse aus dem Labor ermutigend klingen, gibt es Einschränkungen. Die Hemmkonzentrationen sind oft relativ hoch, und Orangenöl schnitt in Vergleichsstudien schwächer ab als andere ätherische Öle – etwa Oregano- oder Thymianöl [14]. Zudem können Bakterien wie S. aureus bei wiederholter Behandlung mit niedrigen Konzentrationen Resistenzen gegen Orangenöl entwickeln, wie eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte [15]. Für die Lebensmittelindustrie bleibt Orangenöl daher eher ein ergänzendes Mittel als ein Ersatz für etablierte Konservierungsmethoden.

Orangenöl in der Aromatherapie

In der Aromatherapie gehört Orangenöl zu den am häufigsten eingesetzten Ölen. Mehrere klinische Studien haben untersucht, ob das Einatmen von Orangenduft Angst und Stress lindern kann. Die Ergebnisse sind gemischt, deuten aber in eine Richtung.

In einer brasilianischen Studie wurden Versuchspersonen einer angstauslösenden Situation ausgesetzt. Diejenigen, die zuvor Orangenöl eingeatmet hatten, zeigten keine deutliche Veränderung ihrer Angst- und Spannungswerte – im Gegensatz zu den Kontrollgruppen, deren Werte anstiegen. Die Autoren sprachen von einer akuten angstlösenden Wirkung, betonten aber, dass weitere Studien nötig seien [16].

Eine randomisierte klinische Studie mit 100 Frauen während der Geburt kam zu ähnlichen Ergebnissen: Die Orangenöl-Gruppe zeigte nach der Intervention eine stärkere Reduktion der Angstwerte als die Kontrollgruppe, die destilliertes Wasser inhalierte. Bei den körperlichen Parametern (Blutdruck, Puls, Atemfrequenz) fanden sich jedoch keine deutlichen Unterschiede [17]. Eine doppelblinde Studie mit 270 Pharmaziestudenten ergab, dass Orange-Aromatherapie die Prüfungsangst deutlich senkte, während Lavendelöl keinen messbaren Effekt hatte [18].

Diese Studien haben jedoch methodische Grenzen, die eine vorsichtige Bewertung erfordern. Verblindung ist bei Aromatherapie-Studien grundsätzlich schwierig, da sich Düfte nicht verbergen lassen. Die Teilnehmerzahlen waren oft gering, und Placebo-Effekte lassen sich kaum vollständig ausschließen. Ein systematischer Review aus dem Jahr 2023 stellte fest, dass Lavendel-, Rosen- und Orangenöl die am häufigsten untersuchten Öle bei Angstbeschwerden sind, betonte jedoch die hohe methodische Heterogenität der vorhandenen Studien [19]. Die Forschung ist also nicht eindeutig genug, um klare therapeutische Aussagen zu treffen.

Anwendung auf der Haut und in der Kosmetik

Orangenöl wird in Kosmetikprodukten häufig als Duftstoff und Hautpflegebestandteil verwendet. D-Limonen – der Hauptbestandteil – ist in der EU als deklarationspflichtiges Allergen in Kosmetika gelistet. Der Grund: D-Limonen selbst ist in frischem, nicht oxidiertem Zustand nur ein schwacher Sensibilisierer. Durch Kontakt mit Luft bildet es jedoch Oxidationsprodukte – vor allem Limonenhydroperoxide – die deutlich stärkere Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen können [20,21].

In einer Studie reagierten 2,6 Prozent der getesteten Personen positiv auf oxidiertes Limonen [21]. Bei einer retrospektiven Untersuchung (2001 bis 2010) an professionellen Lebensmittelverarbeitern in Dänemark zeigten 8,5 Prozent positive Reaktionen auf Orangenschale [22]. Das klingt zunächst viel, betrifft jedoch eine Berufsgruppe mit besonders häufigem Hautkontakt.

Ein umfassender Sicherheitsbericht des Cosmetic Ingredient Review (CIR) Panels kam zu dem Schluss, dass Zitrusschalenöle in Kosmetika sicher sind, sofern sie so formuliert werden, dass sie keine Hautreizung verursachen [22]. Das RIFM (Research Institute for Fragrance Materials) stufte reines, nicht oxidiertes D-Limonen – ob als D-, L- oder DL-Form – als unbedenklich hinsichtlich Hautsensibilisierung ein [23]. Die Empfehlung lautet daher: Orangenöl dunkel, kühl und luftdicht lagern, um Oxidation zu verhindern.

Phototoxizität

Ein weiterer relevanter Aspekt bei der Hautanwendung ist die Phototoxizität – also die erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung nach dem Auftragen bestimmter Substanzen. Süßorangenöl (Citrus sinensis) zeigte in In-vitro-Tests phototoxisches Verhalten [22]. Klinische Daten beim Menschen zeigten phototoxische Reaktionen bei einer Konzentration von 1 Prozent [22]. Allerdings ist Süßorangenöl in dieser Hinsicht weit weniger problematisch als Bergamotteöl oder Limettenöl, die deutlich höhere Mengen an Furocumarinen (wie Bergapten) enthalten – den eigentlichen Verursachern starker Phototoxizität [22].

Für die Praxis bedeutet das: Wer Orangenöl auf die Haut aufträgt, sollte es stets verdünnen und in den Stunden danach direkte Sonneneinstrahlung meiden. In kommerziellen Kosmetikprodukten ist die Konzentration in der Regel so gering, dass kein nennenswertes Risiko besteht – vorausgesetzt, die Hersteller halten sich an die Empfehlungen der IFRA (International Fragrance Association) [22].

Sicherheit und Verträglichkeit

D-Limonen wurde in Tierversuchen als Substanz mit geringer akuter Giftigkeit eingestuft. Die orale LD50 (die Dosis, bei der 50 Prozent der Versuchstiere sterben) liegt bei Mäusen bei 6.000 mg/kg Körpergewicht [20]. Bei Kaninchen lag die dermale LD50 für Süßorangenöl bei über 5.000 mg/kg [22]. Der NOAEL (die höchste Dosis ohne beobachtbare schädliche Wirkung) für D-Limonen wurde bei oraler Gabe mit 250 mg/kg/Tag bestimmt [20].

Ein oft genannter Punkt ist die krebsauslösende Wirkung von D-Limonen bei männlichen Ratten. Diese wurde tatsächlich beobachtet – jedoch über einen Mechanismus, der für den Menschen nicht relevant ist. Die Wirkung beruht auf dem Protein α2u-Globulin, das ausschließlich in männlichen Ratten vorkommt und im menschlichen Körper nicht gebildet wird [20,24]. Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat D-Limonen daher als nicht klassifizierbar hinsichtlich Krebsgefahr für den Menschen eingestuft [20].

Die Leber wurde in Tierversuchen als Zielorgan nach oraler Langzeitgabe identifiziert. Bei männlichen Mäusen traten Lebereffekte ab 500 mg/kg auf, bei weiblichen Ratten war die Überlebensrate ab 600 mg/kg verringert [20]. Die FAO/WHO setzte eine akzeptable tägliche Aufnahme (ADI) von 0 bis 1,5 mg/kg Körpergewicht für D-Limonen fest [24].

Abgesehen von den beschriebenen Hautreaktionen durch oxidierte Abbauprodukte sind beim Menschen keine schwerwiegenden schädlichen Wirkungen von D-Limonen dokumentiert [20]. D-Limonen wird nach der Aufnahme rasch verstoffwechselt und innerhalb von 2 bis 3 Tagen zu 75 bis 95 Prozent über den Urin ausgeschieden [20].

Einsatz als Reinigungsmittel und Lösungsmittel

Wegen seines hohen Limonengehalts wird Orangenöl seit Jahrzehnten als natürliches Lösungsmittel in Reinigungsprodukten eingesetzt. D-Limonen kann Fette, Öle, Wachse und Harze lösen und wird daher als Entfetter in Haushalt und Industrie verwendet [1,9]. Im Vergleich zu synthetischen Lösungsmitteln auf Erdölbasis hat D-Limonen den Vorteil, biologisch abbaubar zu sein und einen angenehmen Geruch zu verbreiten.

In den USA ist D-Limonen als Wirkstoff in Schädlingsbekämpfungsmitteln bei der EPA (Environmental Protection Agency) registriert – unter anderem zur Bekämpfung von Trockenholztermiten und anderen Holzschädlingen [1,24]. Es wird als Alternative zur herkömmlichen Begasung eingesetzt, da es eine geringere Giftigkeit für Säugetiere aufweist und lokal injiziert werden kann [1]. Allerdings ist seine insektizide Wirkung begrenzt: Gegen Küchenschaben, Stubenfliegen und Reisrüsselkäfer zeigte D-Limonen nur eingeschränkte Wirksamkeit [9].

Bei der Verwendung als Reinigungsmittel oder Lösungsmittel gilt: D-Limonen ist brennbar und kann bei häufigem, unverdünntem Hautkontakt die Hautfette lösen und so zu Reizungen führen [1]. In der industriellen Anwendung – etwa bei der Lackentfernung oder Entfettung – sollten Schutzhandschuhe getragen werden.

Einsatz in der Lebensmittelindustrie

D-Limonen ist als Generally Recognized as Safe (GRAS) eingestuft und im Code of Federal Regulations der USA als unbedenklicher Aromastoff anerkannt [24,25]. Es findet sich in zahlreichen Lebensmitteln wie Backwaren, Eiscreme, Kaugummi, alkoholfreien Getränken und Pudding [25]. Orangenöl wird in der Lebensmittelproduktion vor allem als natürliches Aroma eingesetzt.

Forschungsarbeiten untersuchen, ob Orangenöl als natürliches Konservierungsmittel dienen könnte. Die keimhemmende Wirkung gegen lebensmittelrelevante Erreger wie Salmonellen und Listeria wurde in mehreren Studien bestätigt [12,13]. Aufkonzentrierte Fraktionen des Öls zeigten dabei bessere Ergebnisse als das Ausgangsöl [12]. Dennoch sind die erforderlichen Konzentrationen oft so hoch, dass der intensive Geschmack und Geruch die Lebensmittelqualität beeinträchtigen würden. Der praktische Nutzen als alleiniges Konservierungsmittel ist daher begrenzt – als ergänzender Bestandteil in Kombination mit anderen Verfahren könnte er jedoch sinnvoll sein.

Orangenöl in der Forschung – ein kritischer Blick

In den letzten Jahren wurde D-Limonen in zahlreichen Bereichen erforscht: von entzündungshemmenden über schmerzlindernde bis hin zu krebshemmenden Eigenschaften. Laborstudien zeigten, dass Limonen die Vermehrung verschiedener Krebszelllinien hemmen kann – darunter Leber-, Brust-, Darm- und Lungenkrebszellen [25]. Auch neuroprotektive und stoffwechselregulierende Wirkungen wurden in Tiermodellen beobachtet [25].

Diese Ergebnisse stammen jedoch fast ausschließlich aus In-vitro-Versuchen (Zellkulturen) und Tierversuchen. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist damit nicht gesichert. Viele Substanzen zeigen im Labor vielversprechende Effekte, die sich in klinischen Studien am Menschen nicht bestätigen lassen. Für D-Limonen liegen nur sehr wenige kontrollierte Studien am Menschen vor – und die vorhandenen beschränken sich auf den Bereich der Aromatherapie bei Angstbeschwerden [16,17,18].

Einige Publikationen haben D-Limonen als möglichen Kandidaten für die Forschung an antiviralen Wirkstoffen vorgeschlagen, etwa gegen SARS-CoV-2 [26]. Die In-chemico-Analysen zeigten günstige pharmakologische Eigenschaften und geringe Zytotoxizität [26]. Von einer tatsächlichen antiviralen Wirkung beim Menschen sind solche Ergebnisse jedoch weit entfernt. Es handelt sich um sehr frühe Forschungsstadien, deren klinische Relevanz völlig unklar ist.

Qualitätsmerkmale beim Kauf

Wer Orangenöl kauft, sollte auf einige Punkte achten. Die Qualität des Öls hängt von der Orangensorte, der Herkunft, dem Erntezeitpunkt und der Extraktionsmethode ab. Kaltgepresstes Öl aus Citrus sinensis gilt als Standard für hochwertige Qualität. Ein GC-MS-Analysezertifikat gibt Auskunft über die exakte Zusammensetzung und kann helfen, Verfälschungen zu erkennen [2].

Orangenöl oxidiert relativ schnell an der Luft, weshalb es eine kürzere Haltbarkeit hat als viele andere ätherische Öle. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbraucht werden. Eine kühle, dunkle und luftdichte Lagerung verlangsamt die Oxidation und verhindert die Bildung hautreizender Oxidationsprodukte [20,21]. Älteres, bereits oxidiertes Öl eignet sich nicht mehr zur Anwendung auf der Haut, kann aber noch als Reinigungsmittel verwendet werden.

Die Herkunft spielt ebenfalls eine Rolle. Brasilien ist der größte Produzent, gefolgt von den USA (vor allem Florida und Kalifornien), Südafrika und Spanien [10]. In den letzten Jahren hat die Krankheit Citrus Greening die Produktion in mehreren Anbauregionen beeinträchtigt, was zu Preisschwankungen geführt hat [10].

Zusammengefasste Bewertung

Orangenöl ist ein gut erforschtes, vielseitig einsetzbares ätherisches Öl mit einem klaren chemischen Profil. Sein Hauptbestandteil D-Limonen gilt bei bestimmungsgemäßer Verwendung als sicher für den Menschen. Die keimhemmenden Eigenschaften im Labor sind belegt, reichen aber für eine zuverlässige Konservierung allein nicht aus. Die angstlösende Wirkung bei Inhalation wird durch mehrere klinische Studien gestützt, wobei die methodische Qualität dieser Studien Verbesserungsbedarf hat. Bei der Hautanwendung ist vor allem die Oxidation des Öls ein reales Risiko für Reizungen und Sensibilisierung – eine korrekte Lagerung ist daher wichtig.

Viele der in Werbeaussagen angeführten Wirkungen – etwa gegen Krebs, Entzündungen oder Viren – basieren auf Labor- und Tierversuchen ohne klinische Bestätigung beim Menschen. Orangenöl ist ein nützliches Naturprodukt, jedoch kein Heilmittel. Wer es verwendet, profitiert vor allem von seinen Eigenschaften als Duftstoff, natürliches Lösungsmittel und aromatherapeutisches Hilfsmittel – und sollte überzogene Heilversprechen kritisch hinterfragen.

📚 Quellen (26 Quellen)

Quellen

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