Zimtöl: Was sagen Studien zu Wirkung und Sicherheit?

Y Yannik 26. Januar 2026 15 Min. Lesezeit
Zimtöl

Zimt gehört zu den ältesten Gewürzen der Menschheit. Schon vor Jahrtausenden nutzten Menschen in Asien und dem Nahen Osten die duftende Rinde für Speisen, Räucherwerk und traditionelle Heilmittel. Heute wird aus dieser Rinde auch Zimtöl gewonnen – ein ätherisches Öl mit intensivem, warmem Aroma. Die Anwendungsgebiete reichen von der Aromatherapie über die Kosmetik bis hin zur Lebensmittelindustrie. Doch was steckt wirklich in diesem Öl? Welche Wirkungen sind tatsächlich durch Studien belegt, und wo handelt es sich eher um Werbeversprechen? Diese Fragen verdienen eine gründliche Betrachtung.

Botanischer Hintergrund und Gewinnung

Zimtöl wird aus verschiedenen Pflanzen der Gattung Cinnamomum gewonnen. Die botanische Herkunft hat dabei erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung und Qualität des Öls. Die zwei wichtigsten Quellen sind Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum, auch Cinnamomum zeylanicum genannt) und Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia, auch als chinesischer Zimt bekannt). Obwohl beide Pflanzen zur selben Gattung gehören, unterscheiden sie sich deutlich in ihrem chemischen Profil – ein Umstand, der bei der Bewertung von Zimtöl-Produkten oft übersehen wird.

Die Gewinnung erfolgt durch Wasserdampfdestillation der Rinde oder der Blätter. Dabei entstehen zwei unterschiedliche Öltypen: Zimtrindenöl und Zimtblattöl. Das Rindenöl enthält einen besonders hohen Anteil an Zimtaldehyd, während das Blattöl hauptsächlich Eugenol enthält. Diese Unterscheidung ist nicht nur akademisch – sie hat direkte Auswirkungen auf die Anwendung und mögliche Nebenwirkungen. Interessant ist, dass für ein Kilogramm Zimtrindenöl etwa 40 bis 60 Kilogramm Rinde benötigt werden [1]. Das erklärt auch den deutlich höheren Preis des Rindenöls im Vergleich zum Blattöl.

Ceylon-Zimt versus Cassia-Zimt

Der Unterschied zwischen diesen beiden Zimtarten ist für Verbraucher durchaus relevant. Ceylon-Zimt, der vorwiegend aus Sri Lanka stammt, gilt als der "echte" Zimt und enthält deutlich weniger Cumarin – einen sekundären Pflanzenstoff, der in höheren Mengen die Leber belasten kann. Cassia-Zimt hingegen, der hauptsächlich aus China und Indonesien kommt, weist einen Cumaringehalt auf, der um das 60- bis 70-fache höher liegt als bei Ceylon-Zimt [2]. Diese Werte schwanken je nach Herkunft und Verarbeitung erheblich.

EigenschaftCeylon-ZimtCassia-Zimt
Botanischer NameCinnamomum verumCinnamomum cassia
HauptanbaugebieteSri Lanka, MadagaskarChina, Indonesien, Vietnam
Cumaringehalt0,004 g/kg (sehr gering)2,1 bis 4,4 g/kg (hoch)
Zimtaldehyd im Öl50 bis 63%70 bis 90%
GeschmacksprofilFein, süßlich, mildIntensiv, scharf, würzig
PreisniveauHöherNiedriger

Wichtig: Die Bezeichnung auf Produkten ist oft nicht eindeutig. Steht lediglich "Zimtöl" auf der Verpackung ohne weitere Spezifikation, handelt es sich in der Regel um das günstigere Cassia-Öl. Wer Wert auf Ceylon-Zimt legt, sollte gezielt danach suchen und auf die lateinische Bezeichnung achten.

Chemische Zusammensetzung und Hauptinhaltsstoffe

Die Zusammensetzung von Zimtöl ist komplex und hängt von mehreren Faktoren ab: der verwendeten Pflanzenart, dem Pflanzenteil (Rinde oder Blätter), der geografischen Herkunft und der Gewinnungsmethode. Analysen zeigen, dass in ätherischem Zimtöl über 80 verschiedene Verbindungen nachgewiesen werden können [3]. Dennoch machen einige wenige Hauptkomponenten den Großteil des Öls aus.

Zimtaldehyd, auch als Cinnamaldehyd bekannt, ist der charakteristische Inhaltsstoff des Zimtrindenöls und verantwortlich für den typischen Zimtgeruch und -geschmack. Je nach Zimtart macht dieser Stoff zwischen 50 und 90 Prozent des Öls aus. Eugenol, besser bekannt aus Nelkenöl, findet sich vor allem im Zimtblattöl mit Anteilen zwischen 70 und 85 Prozent. Zimtsäure, Linalool und weitere Terpene ergänzen das Profil in geringeren Mengen.

Zimtaldehyd – der Hauptwirkstoff

Zimtaldehyd ist ein aromatischer Aldehyd, der für die meisten der dem Zimtöl zugeschriebenen Eigenschaften verantwortlich ist. In Labor- und Tierversuchen zeigte diese Verbindung verschiedene biologische Aktivitäten, darunter antimikrobielle, antioxidative und blutzuckersenkende Effekte [4]. Allerdings ist die Übertragbarkeit solcher Ergebnisse auf den Menschen begrenzt. Die Konzentrationen, die in Laborversuchen verwendet werden, sind oft deutlich höher als jene, die bei normaler Anwendung erreicht werden.

Chemisch gesehen ist Zimtaldehyd eine reaktive Verbindung. Das erklärt seine biologische Aktivität, birgt aber auch Risiken: Der Stoff kann bei empfindlichen Personen Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft Zimtaldehyd als einen der häufigsten Auslöser von Kontaktallergien bei Duftstoffen ein [5].

Weitere relevante Inhaltsstoffe

Eugenol, der Hauptbestandteil des Zimtblattöls, besitzt ebenfalls antimikrobielle Eigenschaften und wird in der Zahnmedizin seit Langem als schmerzlinderndes und desinfizierendes Mittel eingesetzt. Seine Wirkung auf Schmerzrezeptoren ist gut dokumentiert. Allerdings kann auch Eugenol bei direktem Hautkontakt irritierend wirken. Linalool, ein Terpenalkohol mit blumig-frischem Duft, macht bei manchen Zimtölen bis zu 3 Prozent aus und trägt zum Gesamtaroma bei. Zimtsäure, obwohl nur in geringen Mengen vorhanden, hat antioxidative Eigenschaften und wird in der Kosmetikindustrie als UV-Filter verwendet.

InhaltsstoffAnteil im RindenölAnteil im BlattölEigenschaften
Zimtaldehyd50 bis 90%1 bis 5%Antimikrobiell, charakteristischer Geruch
Eugenol5 bis 10%70 bis 85%Schmerzlindernd, desinfizierend
Linalool1 bis 3%0,5 bis 2%Entspannend, blumiger Duft
Zimtsäure1 bis 3%0,1 bis 1%Antioxidativ
CumarinSpuren bis 1%GeringProblematisch bei hoher Dosis

Antimikrobielle Eigenschaften – was sagen die Studien?

Die antimikrobielle Wirkung von Zimtöl ist eines der am häufigsten beworbenen Merkmale. Tatsächlich existieren zahlreiche Laborstudien, die eine Hemmwirkung gegen verschiedene Bakterien, Pilze und sogar einige Viren zeigen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Nabavi und Kollegen aus dem Jahr 2015 fasste die Ergebnisse von über 50 Studien zusammen und bestätigte die grundsätzliche antimikrobielle Aktivität von Zimtöl-Bestandteilen [6].

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Die meisten dieser Studien wurden in Petrischalen durchgeführt (sogenannte In-vitro-Studien). Unter solchen Laborbedingungen wirken viele Substanzen antimikrobiell, die im lebenden Organismus keine vergleichbare Wirkung entfalten. Der Sprung von der Petrischale zum menschlichen Körper ist groß, und viele Werbeaussagen ignorieren diesen Unterschied.

Wirkung gegen Bakterien

Zimtöl und insbesondere Zimtaldehyd zeigten in Laborversuchen Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterienstämme, darunter Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Salmonellen. Eine Studie der Universität Kansas aus dem Jahr 2014 dokumentierte, dass Zimtaldehyd in Konzentrationen von 0,05 bis 0,1 Prozent das Wachstum von E. coli auf Lebensmitteloberflächen reduzieren konnte [7]. Dies macht das Öl interessant für die Lebensmittelkonservierung.

Für den Einsatz als therapeutisches Mittel bei menschlichen Infektionen fehlen jedoch aussagekräftige klinische Studien. Die antimikrobielle Konzentration, die im Labor wirksam ist, lässt sich im menschlichen Körper kaum erreichen, ohne gleichzeitig Nebenwirkungen zu riskieren. Wer Zimtöl als Alternative zu Antibiotika betrachtet, sollte diese Einschränkung kennen.

Wirkung gegen Pilze

Die antifungale (pilzhemmende) Wirkung von Zimtöl ist ebenfalls gut dokumentiert. Besonders gegen Candida-Arten, die bei Menschen Pilzinfektionen verursachen können, zeigte Zimtöl in mehreren Studien Aktivität. Eine Untersuchung von Khan und Ahmad (2012) beschrieb, dass Zimtöl die Bildung von Biofilmen bei Candida albicans hemmen konnte [8]. Biofilme sind Schutzschichten, die Pilze auf Oberflächen bilden und die sie widerstandsfähiger gegen Behandlungen machen.

Auch hier gilt: Die praktische Anwendbarkeit ist begrenzt. Für äußerliche Pilzinfektionen wie Nagel- oder Fußpilz existieren keine kontrollierten klinischen Studien, die eine Wirksamkeit von Zimtöl belegen. Die Hautverträglichkeit ist zudem problematisch, da Zimtöl in unverdünnter Form Reizungen verursacht.

Blutzucker und Stoffwechsel – überzogene Erwartungen?

Eine der populärsten Behauptungen über Zimt und Zimtöl betrifft die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Studien, die sich mit diesem Thema befassen – allerdings hauptsächlich mit Zimtpulver, nicht mit dem ätherischen Öl. Die Unterscheidung ist wichtig, da die Zusammensetzung und die aufgenommenen Mengen stark variieren.

Eine vielzitierte Meta-Analyse von Allen und Kollegen aus dem Jahr 2013 untersuchte zehn kontrollierte Studien mit insgesamt 543 Teilnehmern und fand eine statistisch messbare, aber klinisch bescheidene Senkung des Nüchternblutzuckers um durchschnittlich 24,59 mg/dl bei Diabetikern [9]. Die Autoren betonten jedoch die erhebliche Heterogenität der Studien und die Notwendigkeit weiterer Forschung.

Mechanismus der Blutzuckerwirkung

Der vermutete Mechanismus hinter der blutzuckersenkenden Wirkung beruht auf mehreren Ansatzpunkten. Zimtinhaltsstoffe sollen die Insulinempfindlichkeit verbessern, indem sie die Insulinrezeptoren an den Zellen aktivieren. Zudem hemmen bestimmte Polyphenole aus Zimt Enzyme im Darm, die Kohlenhydrate aufspalten, was zu einer langsameren Zuckeraufnahme führt [10]. Diese Effekte wurden hauptsächlich für wasserlösliche Zimtextrakte und Zimtpulver nachgewiesen, weniger für das fettlösliche ätherische Öl.

Für ätherisches Zimtöl speziell existieren kaum klinische Studien zum Blutzucker. Die Übertragung der Ergebnisse von Zimtpulver-Studien auf Zimtöl ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Wer Zimtöl kauft, um seinen Blutzucker zu senken, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.

Grenzen der Evidenz

Die American Diabetes Association (ADA) hat in ihren Leitlinien keine Empfehlung für Zimt als Blutzuckersenker ausgesprochen. Die Datenlage wird als unzureichend eingestuft, um therapeutische Empfehlungen zu rechtfertigen [11]. Auch das BfR weist darauf hin, dass die Studienlage zu Zimt und Blutzucker widersprüchlich ist und keine eindeutigen Schlüsse zulässt.

Zudem ist die Dosierung problematisch: Um die in Studien verwendeten Mengen an Zimtaldehyd über ätherisches Öl aufzunehmen, wären Mengen notwendig, die weit über dem liegen, was als sicher gilt. Die Werbung mit blutzuckersenkender Wirkung für Zimtöl-Produkte ist daher als etwas irreführend einzustufen.

Anwendungsgebiete und Dosierung

Zimtöl findet in verschiedenen Bereichen Anwendung. Die Aromatherapie nutzt den warmen, würzigen Duft zur Raumbeduftung, besonders in der kalten Jahreszeit. In der Kosmetikindustrie wird Zimtöl wegen seines Dufts und seiner durchblutungsfördernden Eigenschaften eingesetzt – allerdings stets in stark verdünnter Form. Die Lebensmittelindustrie verwendet Zimtaromen für Backwaren, Getränke und Süßigkeiten.

Bei allen Anwendungen gilt: Ätherisches Zimtöl ist ein Konzentrat und sollte niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden. Die empfohlene Verdünnung für kosmetische Produkte liegt bei maximal 0,1 Prozent für Zimtrindenöl [12]. Das entspricht etwa einem Tropfen auf 50 Milliliter Trägeröl. Bei höheren Konzentrationen steigt das Risiko für Hautreizungen und allergische Reaktionen deutlich an.

Aromatherapie

In der Aromatherapie wird Zimtöl überwiegend für die Raumbeduftung verwendet. Einige Tropfen in einem Diffusor oder einer Duftlampe verbreiten einen angenehm würzigen Duft. Dem Aroma werden wärmende und belebende Eigenschaften zugeschrieben. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Zimtöl-Aromatherapie auf Stimmung oder kognitive Funktionen sind jedoch rar.

Eine kleine Studie mit 40 Teilnehmern untersuchte den Einfluss von Zimtduft auf kognitive Leistungen und fand leichte Verbesserungen bei bestimmten Gedächtnisaufgaben [13]. Die Autoren selbst bezeichneten die Ergebnisse als vorläufig und forderten größere Studien. Für weitreichende Werbeaussagen reicht diese Datenbasis nicht aus.

Äußerliche Anwendung

Bei äußerlicher Anwendung muss Zimtöl stark verdünnt werden. Die durchblutungsfördernde Wirkung zeigt sich als leichtes Wärmegefühl auf der Haut – ein Effekt, der in manchen Massage- und Sportprodukten genutzt wird. Allerdings ist dieser Effekt eine Reizreaktion der Haut, weshalb empfindliche Personen vorsichtig sein sollten.

  • Für Massageöle: Maximal 0,1 Prozent Zimtrindenöl in einem Trägeröl wie Mandel- oder Jojobaöl verdünnen
  • Für Duftmischungen: Zimtöl mit milderen Ölen wie Orange oder Vanille kombinieren, um die Intensität zu reduzieren
  • Vor der ersten Anwendung: Einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle durchführen und 24 Stunden abwarten

Menschen mit empfindlicher Haut, Neurodermitis oder bestehenden Allergien sollten Zimtöl ganz meiden oder nur nach Rücksprache mit einem Dermatologen verwenden.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Die Sicherheit von Zimtöl hängt stark von der Anwendungsart, der Konzentration und dem individuellen Empfinden ab. Grundsätzlich gilt ätherisches Zimtöl als reizend und sollte nur in starker Verdünnung verwendet werden. Bei unsachgemäßer Anwendung können erhebliche Nebenwirkungen auftreten.

Hautreizungen sind die häufigste unerwünschte Wirkung. Zimtaldehyd ist ein bekanntes Kontaktallergen und führt bei etwa 2 bis 3 Prozent der Allgemeinbevölkerung zu allergischen Reaktionen [14]. Bei Menschen, die bereits auf andere Duftstoffe reagieren, liegt die Rate höher. Symptome reichen von Rötungen und Juckreiz bis zu Blasenbildung bei höheren Konzentrationen.

Innere Anwendung – Vorsicht geboten

Die Einnahme von ätherischem Zimtöl ist umstritten und wird von den meisten Fachleuten nicht empfohlen. Im Gegensatz zu Zimtpulver, das als Gewürz in üblichen Mengen unbedenklich ist, enthält das ätherische Öl hochkonzentrierte Wirkstoffe. Schon wenige Tropfen können Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Schleimhautreizungen verursachen.

Das BfR rät von der Einnahme ätherischer Öle generell ab, sofern keine ärztliche Empfehlung vorliegt [15]. Besondere Vorsicht gilt für Schwangere, stillende Mütter und Kinder, bei denen die Sicherheit nicht ausreichend untersucht ist. Auch Personen, die Blutverdünner oder Diabetes-Medikamente einnehmen, sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat suchen.

Cumarin – das unterschätzte Risiko

Cumarin verdient besondere Aufmerksamkeit. Dieser sekundäre Pflanzenstoff kann bei regelmäßiger Aufnahme höherer Mengen die Leber schädigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen tolerablen täglichen Aufnahmewert (TDI) von 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt [16]. Bei einer Person mit 70 Kilogramm entspricht das maximal 7 mg Cumarin pro Tag.

Bei Cassia-Zimtöl mit seinem hohen Cumaringehalt ist diese Grenze schnell erreicht. Wer regelmäßig größere Mengen Cassia-Zimt oder Cassia-Zimtöl zu sich nimmt, sollte die Cumarin-Aufnahme im Blick behalten. Ceylon-Zimtöl enthält dagegen so geringe Mengen, dass Cumarin hier kein relevantes Problem darstellt.

PersonengruppeEmpfehlungBegründung
Gesunde ErwachseneÄußerlich stark verdünnt anwendbarBei korrekter Verdünnung vertretbares Risiko
SchwangereAnwendung vermeidenUnzureichende Sicherheitsdaten
StillendeAnwendung vermeidenÜbergang in Muttermilch möglich
Kinder unter 6 JahrenNicht verwendenErhöhte Empfindlichkeit, Reizungsgefahr
Menschen mit HauterkrankungenNur nach ärztlicher RückspracheErhöhtes Allergierisiko
LebererkrankteMeiden, besonders Cassia-ZimtölCumarin kann die Leber zusätzlich belasten

Qualitätsmerkmale und Kaufempfehlungen

Die Qualität von Zimtöl-Produkten variiert erheblich. Für Verbraucher ist es oft schwierig, hochwertige Produkte von minderwertigen zu unterscheiden. Einige Merkmale können jedoch bei der Auswahl helfen.

Ein wichtiger Indikator ist die botanische Bezeichnung auf dem Etikett. Seriöse Anbieter geben die lateinische Pflanzenbezeichnung an (Cinnamomum verum oder Cinnamomum cassia). Fehlt diese Angabe, ist Vorsicht angebracht. Ebenfalls relevant ist die Angabe des Pflanzenteils – Rindenöl und Blattöl haben, wie beschrieben, unterschiedliche Zusammensetzungen und Eigenschaften.

Reinheit und Zusatzstoffe

Ätherische Öle können mit synthetischen Duftstoffen gestreckt oder mit günstigeren Ölen verdünnt werden. Die Bezeichnung "100% naturreines ätherisches Öl" bietet einen gewissen Schutz, ist aber keine Garantie. Gaschromatographische Analysen, die manche Hersteller auf Anfrage bereitstellen, geben Aufschluss über die tatsächliche Zusammensetzung.

Bio-Zertifizierungen (etwa DE-ÖKO oder das EU-Bio-Siegel) können ein Qualitätsmerkmal sein, da sie bestimmte Anbau- und Verarbeitungsstandards garantieren. Allerdings sagen sie nichts über die Reinheit des Endprodukts aus. Wer sichergehen möchte, sollte bei etablierten Herstellern kaufen, die transparent über ihre Produkte informieren.

Preisgestaltung und Fälschungen

Der Preis kann ein Hinweis auf die Qualität sein, ist aber kein verlässliches Kriterium. Echtes Ceylon-Zimtrindenöl ist aufwendig herzustellen und entsprechend teuer. Liegt der Preis deutlich unter dem Marktdurchschnitt, ist Skepsis angebracht. Allerdings bedeutet ein hoher Preis nicht automatisch hohe Qualität – auch teure Produkte können gestreckt sein.

  • Auf die Angabe der botanischen Bezeichnung achten (Cinnamomum verum für Ceylon-Zimt)
  • Die Angabe des Pflanzenteils prüfen (Rinde oder Blatt)
  • Bio-Zertifizierungen bevorzugen, wenn verfügbar
  • Bei sehr günstigen Preisen vorsichtig sein
  • Etablierte Hersteller mit transparenter Kommunikation wählen

Vergleich mit anderen ätherischen Ölen

Um Zimtöl einzuordnen, lohnt sich ein Vergleich mit anderen ätherischen Ölen, die ähnliche Anwendungsbereiche haben. Teebaumöl etwa wird ebenfalls für seine antimikrobiellen Eigenschaften beworben, hat aber ein besser dokumentiertes Sicherheitsprofil und wird von Hautärzten bei bestimmten Indikationen empfohlen [17]. Nelkenöl enthält wie Zimtblattöl einen hohen Anteil an Eugenol und wird in der Zahnmedizin therapeutisch eingesetzt.

Im Bereich der Aromatherapie konkurriert Zimtöl mit anderen "wärmenden" Ölen wie Ingweröl oder Weihrauchöl. Diese haben ähnliche Duftprofile, gelten aber als hautverträglicher. Wer den Zimtduft schätzt, aber empfindliche Haut hat, kann auf Alternativen oder stärkere Verdünnungen ausweichen.

Ätherisches ÖlHauptinhaltsstoffHauptanwendungHautverträglichkeit
ZimtrindenölZimtaldehyd (50-90%)Aromatherapie, KosmetikGering (stark verdünnen)
ZimtblattölEugenol (70-85%)DuftmischungenMäßig (verdünnen)
TeebaumölTerpinen-4-ol (30-48%)Hautpflege, DesinfektionGut (unverdünnt bei kleinen Flächen)
NelkenölEugenol (70-85%)Zahnmedizin, SchmerzMäßig (verdünnen)
IngwerölZingiberen (20-30%)Aromatherapie, MassageGut (leicht verdünnen)

Rechtliche Einordnung und Health Claims

In der Europäischen Union unterliegen Aussagen über gesundheitliche Wirkungen von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln der Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Diese Verordnung regelt, welche gesundheitsbezogenen Aussagen auf Produkten gemacht werden dürfen. Für Zimt und Zimtöl sind bisher keine Health Claims zugelassen worden [18].

Das bedeutet: Aussagen wie "Zimtöl senkt den Blutzucker" oder "Zimtöl stärkt das Immunsystem" dürfen auf Produktverpackungen in der EU nicht gemacht werden, da sie wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind. Werbeaussagen, die solche Effekte suggerieren, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Verbraucher sollten solche Versprechungen mit Vorsicht betrachten.

Ätherische Öle als Kosmetika oder Lebensmittel

Je nach Deklaration und beabsichtigter Verwendung fallen ätherische Öle unter unterschiedliche Regulierungen. Als Kosmetikum unterliegen sie der EU-Kosmetikverordnung, die bestimmte Grenzwerte für potenziell problematische Inhaltsstoffe wie Zimtaldehyd vorschreibt. Als Lebensmittelaroma gelten andere Vorschriften. Für die innerliche Anwendung als Nahrungsergänzungsmittel müssten ätherische Öle als Novel Food zugelassen werden – was für die meisten nicht der Fall ist.

Diese regulatorische Komplexität führt dazu, dass manche Anbieter bewusst vage Anwendungshinweise geben. Käufer sollten sich bewusst sein, dass "Lebensmittelqualität" bei ätherischen Ölen nicht gleichbedeutend mit "zur Einnahme empfohlen" ist.

Zusammenfassung und kritische Einschätzung

Zimtöl ist ein ätherisches Öl mit einem charakteristischen, warmen Aroma und einer komplexen chemischen Zusammensetzung. Die antimikrobiellen Eigenschaften sind in Laborstudien gut dokumentiert, lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf praktische Anwendungen übertragen. Die oft beworbene blutzuckersenkende Wirkung beruht hauptsächlich auf Studien mit Zimtpulver und lässt sich auf ätherisches Öl nicht direkt übertragen.

In der Aromatherapie hat Zimtöl durchaus seine Berechtigung – für die Raumbeduftung und als Bestandteil von Duftmischungen. Bei äußerlicher Anwendung ist jedoch große Vorsicht geboten: Das Öl muss stark verdünnt werden, um Hautreizungen zu vermeiden. Die innere Anwendung wird von Fachleuten generell nicht empfohlen.

Wer Zimtöl kauft, sollte auf Qualität achten. Die Unterscheidung zwischen Ceylon- und Cassia-Zimt ist relevant, insbesondere wegen des unterschiedlichen Cumaringehalts. Transparente Angaben zur botanischen Herkunft und zum verwendeten Pflanzenteil sind Merkmale seriöser Anbieter. Überzogene Werbeversprechen – etwa zur Wirkung auf Blutzucker oder Immunsystem – sollten kritisch hinterfragt werden. Die wissenschaftliche Datenlage rechtfertigt solche Aussagen nicht.

📚 Quellen (18 Quellen)

Quellen

  1. Jayaprakasha GK, Rao LJ. Chemistry, biogenesis, and biological activities of Cinnamomum zeylanicum. Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2011;51(6):547-562.
  2. Blahová J, Svobodová Z. Assessment of coumarin levels in ground cinnamon available in the Czech retail market. The Scientific World Journal. 2012;2012:263851.
  3. Rao PV, Gan SH. Cinnamon: A multifaceted medicinal plant. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 2014;2014:642942.
  4. Doyle AA, Stephens JC. A review of cinnamaldehyde and its derivatives as antibacterial agents. Fitoterapia. 2019;139:104405.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung. Stellungnahme zu Duftstoffen als Kontaktallergene. BfR-Wissenschaft 04/2012.
  6. Nabavi SF, Di Lorenzo A, Izadi M, et al. Antibacterial effects of cinnamon: From farm to food, cosmetic and pharmaceutical industries. Nutrients. 2015;7(9):7729-7748.
  7. Amalaradjou MA, Venkitanarayanan K. Effect of trans-cinnamaldehyde on inhibition and inactivation of Cronobacter sakazakii biofilm on abiotic surfaces. Journal of Food Protection. 2011;74(2):200-208.
  8. Khan MS, Ahmad I. Biofilm inhibition by Cymbopogon citratus and Syzygium aromaticum essential oils in the strains of Candida albicans. Journal of Ethnopharmacology. 2012;140(2):416-423.
  9. Allen RW, Schwartzman E, Baker WL, et al. Cinnamon use in type 2 diabetes: An updated systematic review and meta-analysis. Annals of Family Medicine. 2013;11(5):452-459.
  10. Qin B, Panickar KS, Anderson RA. Cinnamon: Potential role in the prevention of insulin resistance, metabolic syndrome, and type 2 diabetes. Journal of Diabetes Science and Technology. 2010;4(3):685-693.
  11. American Diabetes Association. Standards of Medical Care in Diabetes—2023. Diabetes Care. 2023;46(Suppl 1):S68-S96.
  12. Tisserand R, Young R. Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals. 2nd ed. Churchill Livingstone Elsevier; 2014.
  13. Zoladz PR, Raudenbush B. Cognitive enhancement through stimulation of the chemical senses. North American Journal of Psychology. 2005;7(1):125-140.
  14. Warshaw EM, Zug KA, Belsito DV, et al. Positive patch-test reactions to essential oils in consecutive patients. Dermatitis. 2017;28(4):246-252.
  15. Bundesinstitut für Risikobewertung. Verwendung von ätherischen Ölen in Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 043/2008.
  16. European Food Safety Authority. Coumarin in flavourings and other food ingredients with flavouring properties. EFSA Journal. 2008;793:1-15.
  17. Carson CF, Hammer KA, Riley TV. Melaleuca alternifolia (tea tree) oil: A review of antimicrobial and other medicinal properties. Clinical Microbiology Reviews. 2006;19(1):50-62.
  18. Europäische Kommission. EU Register on nutrition and health claims. Stand: Januar 2024.