Wer an Tomaten denkt, dem kommt vielleicht zuerst ihr intensives Rot in den Sinn. Diese Farbe verdanken sie einem Stoff, über den seit Jahren diskutiert wird: Lycopin. Nahrungsergänzungsmittel mit Lycopin versprechen Schutz vor Krebs, gesunde Haut und ein starkes Herz. Doch was davon stimmt tatsächlich? Und lohnt sich die Einnahme von Kapseln, wenn man einfach Tomatensoße essen könnte? Dieser Artikel trennt Fakten von Werbeversprechen und erklärt, was die Wissenschaft bis heute herausgefunden hat.
Was ist Lycopin überhaupt?
Lycopin gehört zur Gruppe der Carotinoide – das sind natürliche Farbstoffe, die Pflanzen ihre gelben, orangen und roten Töne verleihen [1]. Chemisch betrachtet handelt es sich um ein Molekül mit elf Doppelbindungen in einer Reihe. Diese besondere Struktur macht Lycopin zu einem sehr wirkungsvollen Fänger sogenannter freier Radikale [2]. Freie Radikale sind aggressive Moleküle, die im Körper Zellen schädigen können.
Anders als Beta-Carotin kann der Körper Lycopin nicht in Vitamin A umwandeln. Es wird daher als Non-Provitamin-A-Carotinoid bezeichnet [3]. Der menschliche Körper kann Lycopin nicht selbst herstellen. Wichtig zu wissen: Es gibt keinen offiziell festgelegten Tagesbedarf für Lycopin, da es nicht als essenzieller Nährstoff gilt [4].
Die chemische Struktur und ihre Bedeutung
Die Molekülstruktur von Lycopin ist für seine Eigenschaften entscheidend. Die vielen aneinandergereihten Doppelbindungen sind der Grund für die intensive rote Farbe. Gleichzeitig machen sie das Molekül empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln kann sich die räumliche Anordnung des Moleküls verändern – aus der sogenannten trans-Form wird die cis-Form. Das ist wichtig, weil der Körper cis-Lycopin besser aufnehmen kann als trans-Lycopin [5]. In rohen Tomaten liegt Lycopin hauptsächlich in kristalliner trans-Form vor. Erst durch Erhitzen wandelt sich ein Teil in die besser verfügbare cis-Form um.
Wo kommt Lycopin vor?
Tomaten und Tomatenprodukte liefern etwa 80 bis 85 Prozent des Lycopins in der westlichen Ernährung [6]. Der Gehalt hängt dabei stark von der Verarbeitung ab. Frische Tomaten enthalten etwa 3 bis 5 mg Lycopin pro 100 Gramm. Konzentriertes Tomatenmark kommt auf deutlich höhere Werte. Aber auch andere Früchte und Gemüse liefern diesen Pflanzenstoff.
| Lebensmittel | Lycopingehalt (mg/100 g) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Tomatenmark (30%) | ca. 55–62 | Höchster Gehalt durch Konzentration |
| Getrocknete Tomaten | ca. 45–50 | Je nach Trocknungsgrad |
| Dosentomaten | ca. 10 | Reif geerntet |
| Ketchup | ca. 10–12 | Enthält auch Zucker |
| Tomatensaft | ca. 7–9 | Erhitzt, daher gut verfügbar |
| Frische reife Tomaten | ca. 3–5 | Stark sortenabhängig |
| Wassermelone | ca. 4–5 | Ähnlich wie frische Tomaten |
| Rosa Grapefruit | ca. 1–3 | Je nach Sorte |
| Guave | ca. 5 | Hoher Gehalt für eine Frucht |
| Papaya | ca. 1–2 | Geringe Mengen |
Die Werte in der Tabelle sind Richtwerte, die je nach Sorte, Reifegrad, Anbaugebiet und Lagerung schwanken können [7,8]. Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass die durchschnittliche tägliche Aufnahme von Lycopin zwischen 2 und 10 mg liegt. In den USA werden etwa 10 mg pro Tag aufgenommen, in europäischen Ländern etwas weniger [9].
Wie nimmt der Körper Lycopin auf?
Die Aufnahme von Lycopin im Darm ist komplizierter als bei vielen anderen Nährstoffen. Da es sich um einen fettlöslichen Stoff handelt, muss er zunächst aus der Nahrungsmatrix gelöst und in winzige Fetttröpfchen eingebaut werden. Im Dünndarm werden diese Tröpfchen dann von speziellen Transportmolekülen, sogenannten Mizellen, aufgenommen [10].
Faktoren, die die Aufnahme beeinflussen
Mehrere Faktoren beeinflussen, wie viel Lycopin tatsächlich ins Blut gelangt. Studien haben gezeigt, dass die Aufnahme aus verarbeiteten Tomatenprodukten deutlich besser ist als aus rohen Tomaten [11]. In einer Untersuchung mit 22 Teilnehmerinnen stiegen die Blutwerte nach dem Verzehr von Tomatensaft oder Tomatenkapseln messbar an, während rohe Tomaten kaum eine Wirkung zeigten [12]. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Erhitzen zerstört die Zellwände und setzt das Lycopin frei
- Wärme wandelt trans-Lycopin in besser verfügbares cis-Lycopin um
- Die gleichzeitige Aufnahme von Fett verbessert die Aufnahme erheblich
- In rohen Tomaten liegt Lycopin in kristalliner Form vor, die schwer löslich ist
Eine Studie verglich die Aufnahme von Lycopin aus orangefarbenen und roten Tomaten. Das Ergebnis war überraschend: Aus orangefarbenen Tomaten, die von Natur aus mehr cis-Lycopin enthalten, wurde der Stoff 8,5-mal besser aufgenommen als aus roten Tomaten [13]. Allerdings sind solche Sorten im Handel kaum verfügbar.
Die Forschung zeigt auch, dass etwa 10 bis 15 Gramm Fett bei einer Mahlzeit ausreichen, um die Lycopinaufnahme deutlich zu verbessern [14]. Tomatensoße mit Olivenöl ist daher ein gutes Beispiel für eine sinnvolle Kombination. Die individuelle Aufnahme kann zudem durch genetische Unterschiede beeinflusst werden. Manche Menschen haben Genvarianten, die den Transport von Carotinoiden im Körper verändern [15].
Wie wirkt Lycopin im Körper?
Die gesundheitlichen Wirkungen von Lycopin werden vor allem auf seine Fähigkeit zurückgeführt, freie Radikale zu neutralisieren. Unter Laborbedingungen ist Lycopin einer der wirkungsvollsten bekannten Radikalfänger unter den Carotinoiden [16]. Ob diese Wirkung im menschlichen Körper genauso stark ist, wird jedoch diskutiert.
Der antioxidative Mechanismus
Im Labor zeigt Lycopin eine beeindruckende Fähigkeit, sogenannten Singulett-Sauerstoff zu neutralisieren – eine besonders reaktive Form von Sauerstoff, die Zellen schädigen kann [17]. Die Rate, mit der Lycopin diesen Sauerstoff unschädlich macht, ist etwa doppelt so hoch wie bei Beta-Carotin. Allerdings sind Laborbedingungen nicht mit der Situation im menschlichen Körper vergleichbar. Die tatsächlichen Konzentrationen im Gewebe sind viel niedriger, und andere Schutzmechanismen spielen ebenfalls eine Rolle.
Neben der direkten Neutralisierung freier Radikale scheint Lycopin auch andere Wirkungen zu haben. In Zellkulturen und Tierversuchen wurden entzündungshemmende Effekte beobachtet [18]. Zudem gibt es Hinweise, dass Lycopin bestimmte Signalwege in Zellen beeinflussen kann, die mit Zellwachstum und Zelltod zusammenhängen. Wie stark diese Effekte beim Menschen sind, ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt.
Lycopin und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Oxidativer Stress und Entzündungen gelten als wichtige Faktoren bei der Entstehung von Gefäßverkalkung. Daher ist das Interesse an antioxidativen Stoffen wie Lycopin groß [19]. Doch was sagt die Forschung wirklich?
Was Beobachtungsstudien zeigen
Mehrere Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Tomatenprodukten und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden [20]. In einer großen finnischen Studie hatten Männer mit den höchsten Lycopinwerten im Blut ein deutlich niedrigeres Risiko für Herzinfarkte [21]. Allerdings können solche Studien nicht beweisen, dass Lycopin die Ursache für den Schutz ist. Menschen, die viele Tomatenprodukte essen, haben möglicherweise auch insgesamt einen gesünderen Lebensstil.
Ergebnisse aus kontrollierten Studien
Eine Meta-Analyse von Interventionsstudien, die insgesamt 43 Untersuchungen einschloss, kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Es gab keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Gruppen, die Lycopin erhielten, und den Kontrollgruppen hinsichtlich Blutdruck oder Blutfettwerten [22]. Die Studien unterschieden sich jedoch stark in der Dosierung, Dauer und Art der Lycopingabe.
Eine ältere Meta-Analyse aus dem Jahr 2011 fand dagegen bei Dosierungen von mindestens 25 mg täglich einen moderaten Effekt auf das LDL-Cholesterin – eine Senkung um etwa 10 mg/dl [23]. Das entspricht ungefähr dem Effekt niedriger Statindosen bei Patienten mit leicht erhöhten Cholesterinwerten. Allerdings basierten diese Ergebnisse auf einer begrenzten Anzahl von Studien.
In einer Studie mit 142 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen führte die tägliche Einnahme von 7 mg hoch bioverfügbarem Lycopin über 30 Tage zu einer Verbesserung der Gefäßfunktion [24]. Bei gesunden Teilnehmern einer anderen Studie zeigte sich hingegen kein Effekt – möglicherweise, weil deren antioxidativer Schutz bereits ausreichend war [25].
Insgesamt ist die Studienlage widersprüchlich. Die Unterschiede könnten an verschiedenen Faktoren liegen: unterschiedliche Dosierungen, unterschiedliche Bioverfügbarkeit der verwendeten Präparate und unterschiedliche Teilnehmergruppen.
Lycopin und Prostatakrebs
Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Männern. Seit den 1990er Jahren wird untersucht, ob Lycopin einen schützenden Effekt haben könnte. Die Beweislage ist jedoch nicht so eindeutig, wie manche Werbung suggeriert.
Epidemiologische Daten
Eine systematische Übersichtsarbeit von 66 Bevölkerungsstudien kam zu dem Ergebnis, dass Männer mit dem höchsten Lycopinverzehr ein um etwa 11 Prozent niedrigeres Risiko für Prostatakrebs hatten als Männer mit dem niedrigsten Verzehr [26]. Pro zusätzlichem Milligramm Lycopin täglich sank das Risiko um etwa 1 Prozent. Hohe Blutwerte von Lycopin waren mit einem um 17 Prozent niedrigeren Risiko verbunden.
Allerdings zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Lycopin und fortgeschrittenem Prostatakrebs. Eine neuere Studie aus der Health Professionals Follow-Up Study fand einen Zusammenhang zwischen höherem Lycopinverzehr und einem geringeren Risiko für tödlich verlaufenden Prostatakrebs [27]. Die Tumore von Männern mit höherem Lycopinverzehr zeigten weniger Blutgefäßneubildung.
Kontrollierte Studien – gemischte Ergebnisse
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit, die speziell randomisierte kontrollierte Studien untersuchte, kam zu einem nüchternen Urteil: Es gibt nicht genügend Belege, um den Einsatz von Lycopin zur Vorbeugung von Prostatakrebs zu empfehlen oder abzulehnen [28]. Die wenigen vorhandenen Studien hatten methodische Schwächen und kleine Teilnehmerzahlen.
In Laborstudien mit Krebszellen wurden verschiedene Wirkungen von Lycopin beobachtet. Es hemmte das Wachstum von Prostatakrebszellen, förderte den programmierten Zelltod und beeinflusste Signalwege, die mit der Krebsentstehung zusammenhängen [29]. Ob diese Effekte auch im menschlichen Körper bei normalen Lycopinkonzentrationen auftreten, ist unklar.
Eine Studie untersuchte sogar die Kombination von hohen Lycopindosen mit Grüntee-Catechinen und Selen. Das Ergebnis war überraschend: Die Gruppe mit den Nahrungsergänzungsmitteln hatte eine höhere Prostatakrebs-Häufigkeit als die Kontrollgruppe [30]. Die Gründe dafür sind nicht vollständig verstanden, aber die Studie mahnt zur Vorsicht bei der unkritischen Einnahme von Supplementen.
Lycopin und Hautschutz
UV-Strahlung der Sonne führt zu oxidativem Stress in der Haut. Daher wird seit Jahren untersucht, ob der Verzehr von Lycopin einen gewissen Schutz bieten könnte. Hier sind die Ergebnisse vergleichsweise konsistent.
Schutz vor Sonnenbrand
In einer häufig zitierten Studie erhielten 9 Teilnehmer über 10 Wochen täglich 40 Gramm Tomatenmark mit etwas Olivenöl, was etwa 16 mg Lycopin entspricht. Die Kontrollgruppe erhielt nur Olivenöl. Nach 10 Wochen war die Hautrötung nach UV-Bestrahlung in der Tomatengruppe um 40 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe [31]. Nach 4 Wochen war noch kein Unterschied messbar gewesen – der Schutz baut sich also langsam auf.
Eine Meta-Analyse von 21 Studien bestätigte, dass die Einnahme von Tomaten oder Lycopin zu einer messbaren Verringerung der Hautrötung nach UV-Bestrahlung führt [32]. Zudem verbesserten sich einige Marker für Hautalterung. Allerdings ist der Effekt nicht vergleichbar mit dem Schutz durch Sonnencreme. Lycopin sollte daher als Ergänzung, nicht als Ersatz für äußeren Sonnenschutz betrachtet werden.
Schutz auf molekularer Ebene
Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 65 Teilnehmern untersuchte die Wirkung eines lycopinreichen Tomatenextrakts auf zelluläre Marker für Hautschäden [33]. Die Teilnehmer nahmen 12 Wochen lang entweder den Tomatenextrakt, ein Luteinpräparat oder ein Placebo ein. Nach UV-Bestrahlung wurden Hautproben entnommen und auf Stressgene untersucht. Das Tomatenextrakt verhinderte vollständig die übliche Aktivierung von Genen, die mit Hautalterung und Entzündung zusammenhängen.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Lycopin aus der Nahrung gilt als sicher. In Tierversuchen wurden selbst bei extrem hohen Dosierungen von bis zu 3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich keine schädlichen Wirkungen beobachtet [34]. Das entspräche beim Menschen einer Menge, die unmöglich über die Nahrung aufgenommen werden könnte. Das Institut für Medizin in den USA hat keinen oberen Grenzwert für Lycopin festgelegt, da keine nachteiligen Effekte bekannt sind [35].
Lycopenodermie – harmlose Hautverfärbung
Bei sehr hohem und langfristigem Konsum von lycopinreichen Lebensmitteln kann sich die Haut gelblich-orange verfärben. Dieser Zustand wird Lycopenodermie genannt und ist harmlos. Es wurde ein Fall einer 61-jährigen Frau beschrieben, die über mehrere Jahre täglich etwa 2 Liter Tomatensaft getrunken hatte [36]. Nach Reduzierung des Konsums verschwand die Verfärbung wieder vollständig.
Besondere Hinweise
Lycopin könnte die Blutgerinnung leicht beeinflussen. Menschen, die Blutverdünner einnehmen, sollten daher vor der Einnahme von Lycopin-Präparaten mit ihrem Arzt sprechen [37]. Zur Sicherheit von Lycopin-Supplementen in der Schwangerschaft gibt es nur begrenzte Daten. Eine Studie mit einem bestimmten Lycopin-Präparat zeigte möglicherweise erhöhte Raten von Frühgeburten [38]. Schwangere sollten daher auf Lycopin-Nahrungsergänzungsmittel verzichten und den Stoff besser über die Nahrung aufnehmen.
Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel?
Die Frage, ob Lycopin aus Nahrungsergänzungsmitteln genauso wirkt wie aus Lebensmitteln, ist nicht abschließend geklärt. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Tomatenprodukte wirksamer sein könnten als isoliertes Lycopin [39]. Das liegt möglicherweise an anderen Inhaltsstoffen der Tomate, die zusammen mit Lycopin aufgenommen werden – darunter weitere Carotinoide wie Phytoen und Phytofluen sowie Vitamin C und verschiedene Pflanzenstoffe.
Ein weiteres Problem bei Supplementen ist die Qualitätskontrolle. Eine Analyse von sechs handelsüblichen Lycopin-Präparaten ergab, dass der tatsächliche Gehalt um bis zu 43 Prozent vom angegebenen Wert abwich [40]. Wer sich für Supplemente entscheidet, sollte daher auf Produkte mit unabhängiger Qualitätsprüfung achten.
Empfehlungen
Für die meisten Menschen ist es sinnvoller, regelmäßig Tomatenprodukte zu verzehren, als Kapseln einzunehmen. Eine Portion Tomatensoße (etwa 100 Gramm) liefert bereits 10 bis 20 mg Lycopin. Die Kombination mit etwas Fett – etwa Olivenöl – verbessert die Aufnahme. Auch Wassermelone, rosa Grapefruit und Guave sind gute Quellen.
Wer täglich ein bis zwei Portionen Tomatenprodukte isst, erreicht problemlos Mengen von 10 bis 20 mg Lycopin täglich. Das entspricht den Mengen, die in den meisten positiven Studien verwendet wurden. Höhere Dosierungen aus Supplementen haben bisher keinen zusätzlichen Nutzen gezeigt.
Fazit – eine kritische Einordnung
Lycopin ist ein Pflanzenstoff mit interessanten Eigenschaften. Die antioxidative Wirkung im Labor ist gut belegt. Ob diese Wirkung im menschlichen Körper zu messbaren Gesundheitsvorteilen führt, ist jedoch weniger eindeutig. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen hohem Lycopinverzehr und geringerem Risiko für verschiedene Krankheiten. Kontrollierte Interventionsstudien liefern dagegen gemischte Ergebnisse.
Am besten belegt ist der moderate Schutz vor UV-bedingten Hautschäden bei langfristiger Einnahme. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Prostatakrebs ist die Datenlage widersprüchlich. Positive Effekte zeigen sich am ehesten bei Menschen, die bereits ein erhöhtes Risiko haben – nicht bei Gesunden mit ausgewogener Ernährung.
Die Werbung für Lycopin-Präparate übertreibt häufig den Nutzen. Wer sich ausgewogen ernährt und regelmäßig Tomatenprodukte verzehrt, nimmt wahrscheinlich ausreichend Lycopin auf. Für spezielle Nahrungsergänzungsmittel gibt es in der Regel keine wissenschaftliche Notwendigkeit. Wer dennoch Supplemente nehmen möchte, sollte auf Qualität achten und keine übertriebenen Erwartungen haben.
📚 Quellen (40 Quellen)
Quellen
- Arballo J, Amengual Terrasa J, Erdman JW. Lycopene: A Critical Review of Digestion, Absorption, Metabolism, and Excretion. Antioxidants. 2021;10(3):342.
- Di Mascio P, Kaiser S, Sies H. Lycopene as the most efficient biological carotenoid singlet oxygen quencher. Archives of Biochemistry and Biophysics. 1989;274(2):532-538.
- Krinsky NI, Johnson EJ. Carotenoid actions and their relation to health and disease. Molecular Aspects of Medicine. 2005;26(6):459-516.
- Institute of Medicine. Dietary Reference Intakes for Vitamin C, Vitamin E, Selenium, and Carotenoids. National Academy Press, Washington DC. 2000.
- Cooperstone JL, Ralston RA, Riedl KM et al. Enhanced bioavailability of lycopene when consumed as cis-isomers from tangerine compared to red tomato juice. Molecular Nutrition & Food Research. 2015;59(4):658-669.
- Story EN, Kopec RE, Schwartz SJ, Harris GK. An update on the health effects of tomato lycopene. Annual Review of Food Science and Technology. 2010;1:189-210.
- Wawrzyniak A et al. Lycopene content of selected foods available on the Polish market. Polish Journal of Food and Nutrition Sciences. 2005;55(2):195-200.
- Shi J, Le Maguer M. Lycopene in tomatoes: chemical and physical properties affected by food processing. Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2000;40(1):1-42.
- Kim JY et al. Estimation of daily intake of lycopene from tomatoes, watermelons, and their processed products in Korea. Applied Biological Chemistry. 2020;63:58.
- Lemmens L, Colle I, Van Buggenhout S et al. Carotenoid bioaccessibility in fruit- and vegetable-based food products as affected by product (micro)structural characteristics. Trends in Food Science & Technology. 2014;38(2):125-135.
- Gärtner C, Stahl W, Sies H. Lycopene is more bioavailable from tomato paste than from fresh tomatoes. American Journal of Clinical Nutrition. 1997;66(1):116-122.
- Böhm V, Bitsch R. Intestinal absorption of lycopene from different matrices and interactions to other carotenoids. European Journal of Clinical Nutrition. 1999;53(2):97-103.
- Cooperstone JL et al. Enhanced bioavailability of lycopene when consumed as cis-isomers from tangerine tomatoes. Molecular Nutrition & Food Research. 2015;59(4):658-669.
- Paetau I, Khachik F, Brown ED et al. Chronic ingestion of lycopene-rich tomato juice significantly increases plasma lycopene concentrations. American Journal of Clinical Nutrition. 1998;68(6):1187-1195.
- Hendrickson SJ, Hazra A, Chen C et al. β-Carotene 15,15'-monooxygenase 1 single nucleotide polymorphisms in relation to plasma carotenoid and retinol concentrations. Journal of Nutrition. 2012;142(11):1970-1976.
- Stahl W, Sies H. Lycopene: a biologically important carotenoid for humans? Archives of Biochemistry and Biophysics. 1996;336(1):1-9.
- Di Mascio P, Kaiser S, Sies H. Lycopene as the most efficient biological carotenoid singlet oxygen quencher. Archives of Biochemistry and Biophysics. 1989;274(2):532-538.
- Giovannucci E. Tomatoes, tomato-based products, lycopene, and cancer: review of the epidemiologic literature. Journal of the National Cancer Institute. 1999;91(4):317-331.
- Przybylska S. Lycopene – a bioactive carotenoid offering multiple health benefits: a review. International Journal of Food Science and Technology. 2020;55(1):11-32.
- Cheng HM, Koutsidis G, Lodge JK et al. Tomato and lycopene supplementation and cardiovascular risk factors: A systematic review and meta-analysis. Atherosclerosis. 2017;257:100-108.
- Karppi J, Laukkanen JA, Sivenius J et al. Serum lycopene decreases the risk of stroke in men: a population-based follow-up study. Neurology. 2012;79(15):1540-1547.
- Tierney AC et al. Effect of Dietary and Supplemental Lycopene on Cardiovascular Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis. Current Developments in Nutrition. 2020;4(suppl_2):1478.
- Ried K, Fakler P. Protective effect of lycopene on serum cholesterol and blood pressure: meta-analyses of intervention trials. Maturitas. 2011;68(4):299-310.
- Petyaev IM et al. Effect of lycopene supplementation on cardiovascular parameters and markers of inflammation and oxidation in patients with coronary vascular disease. Food Science & Nutrition. 2018;6(6):1770-1777.
- Gajendragadkar PR et al. Effects of oral lycopene supplementation on vascular function in patients with cardiovascular disease and healthy volunteers: a randomised controlled trial. PLoS One. 2014;9(6):e99070.
- Rowles JL, Ranard KM, Smith JW et al. Increased dietary and circulating lycopene are associated with reduced prostate cancer risk: a systematic review and meta-analysis. Prostate Cancer and Prostatic Diseases. 2017;20(4):361-377.
- Zu K, Mucci L, Rosner BA et al. Dietary lycopene, angiogenesis, and prostate cancer: a prospective study in the prostate-specific antigen era. Journal of the National Cancer Institute. 2014;106(2):djt430.
- Ilic D, Forbes KM, Hassed C. Lycopene for the prevention of prostate cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2011;(11):CD008007.
- Holzapfel NP, Holzapfel BM, Champ S et al. The Potential Role of Lycopene for the Prevention and Therapy of Prostate Cancer. International Journal of Molecular Sciences. 2013;14(7):14620-14646.
- Gontero P et al. A randomized double-blind placebo controlled phase I-II study on clinical and molecular effects of dietary supplements in men with precancerous prostatic lesions. Chemoprevention or "chemopromotion"? Prostate. 2015;75(11):1177-1186.
- Stahl W, Heinrich U, Wiseman S et al. Dietary tomato paste protects against ultraviolet light-induced erythema in humans. Journal of Nutrition. 2001;131(5):1449-1451.
- Zhang L, Zheng J, Zhang L et al. The effect of tomato and lycopene on clinical characteristics and molecular markers of UV-induced skin deterioration. Food & Function. 2023;14(5):2488-2501.
- Grether-Beck S, Marini A, Jaenicke T et al. Molecular evidence that oral supplementation with lycopene or lutein protects human skin against ultraviolet radiation. British Journal of Dermatology. 2017;176(5):1231-1240.
- McClain RM, Bausch J. Summary of safety studies conducted with synthetic lycopene. Regulatory Toxicology and Pharmacology. 2003;37(2):274-285.
- Trumbo PR. Are there adverse effects of lycopene exposure? Journal of Nutrition. 2005;135(8):2060S-2061S.
- Trumbo PR. Are there adverse effects of lycopene exposure? Journal of Nutrition. 2005;135(8):2060S-2061S.
- WebMD. Lycopene - Uses, Side Effects, and More. WebMD Medical Reference. 2023.
- Sharma JB et al. Effect of lycopene on pre-eclampsia and intra-uterine growth retardation in primigravidas. International Journal of Gynecology & Obstetrics. 2003;81(3):257-262.
- Burton-Freeman B, Sesso HD. Whole food versus supplement: comparing the clinical evidence of tomato intake and lycopene supplementation on cardiovascular risk factors. Advances in Nutrition. 2014;5(5):457-485.
- Cancer Research UK. Lycopene supplement quality analysis. Cancer Research UK Report. 2013.