Wer grüne Oliven aus dem Supermarkt kauft, greift mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Manzanilla Olive. Diese kleine, runde Frucht mit dem charakteristischen salzigen Geschmack hat es von den Olivenhainen Andalusiens in die Küchen der ganzen Welt geschafft. Doch was steckt wirklich in dieser beliebten Tafelolive? Zwischen Marketingversprechen und tatsächlicher Nährstoffzusammensetzung liegen oft Welten. Dieser Artikel beleuchtet die Fakten hinter der populärsten Olivensorte der Welt.
Ursprung und Geschichte der Manzanilla Olive
Die Manzanilla Olive stammt ursprünglich aus der Region um Sevilla im Süden Spaniens. Ihr Name leitet sich vom spanischen Wort "manzana" ab, was "Apfel" bedeutet. Die Bezeichnung "kleine Äpfel" bezieht sich auf die rundliche Form der Früchte, die tatsächlich an Miniaturäpfel erinnert [1]. Die Kultivierung dieser Olivensorte lässt sich bis zu den Phöniziern zurückverfolgen, die um 1050 v. Chr. den Olivenanbau in Andalusien einführten. Unter römischer Herrschaft ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde der Anbau systematisch ausgeweitet [2].
Heute konzentriert sich der Anbau auf die spanischen Provinzen Sevilla mit etwa 60.000 Hektar, Badajoz mit rund 30.000 Hektar und Huelva mit etwa 4.000 Hektar [3]. Spanien produziert etwa 20 Prozent der weltweiten Tafeloliven, wobei die Manzanilla-Sorte einen wesentlichen Anteil ausmacht [4]. Außerhalb Spaniens wird die Sorte in Portugal, den USA, Israel, Argentinien und Australien angebaut. In Kalifornien ist die Manzanilla seit den 1960er Jahren verbreitet und wird dort häufig für die Herstellung schwarzer Oliven nach dem "California-Style" verwendet [1].
Botanische Eigenschaften und Anbau
Der Manzanilla-Olivenbaum gehört zur Art Olea europaea und zeichnet sich durch einige bemerkenswerte Eigenschaften aus. Die Bäume sind robust und können Temperaturen bis etwa -11°C überstehen. In Spanien sind sie selbstbestäubend, benötigen also keine zusätzlichen Bestäuberbäume. In anderen Anbaugebieten mit geringerer Olivenbaum-Dichte ist jedoch eine Fremdbestäubung für gute Erträge erforderlich [1]. Die Sorte gilt als frühblühend und ertragreich, zeigt jedoch eine unregelmäßige Fruchtbildung von Jahr zu Jahr.
Hinsichtlich der Krankheitsresistenz zeigt die Manzanilla gewisse Schwächen. Sie ist empfindlich gegenüber Winterkälte, Staunässe und Eisenchlorose auf kalkhaltigen Böden. Zudem weist sie eine hohe Anfälligkeit für Verticillium-Welke auf [5]. Diese Eigenschaften machen den Anbau anspruchsvoller als bei manch anderen Sorten wie der Hojiblanca, weshalb die Anbaufläche in Spanien tendenziell zurückgeht [5].
Ernte und Verwendungszweck
Die Manzanilla ist eine sogenannte Doppelnutzungssorte. Sie eignet sich sowohl für die Produktion von Tafeloliven als auch für die Olivenölgewinnung. Die Früchte werden als mittelgroß bis groß eingestuft und haben ein Gewicht von etwa 3 bis 5 Gramm. Das Fruchtfleisch ist fest und löst sich leicht vom kleinen Kern, was die Verarbeitung zu entsteinten oder gefüllten Oliven erleichtert [6]. Die Ernte für Tafeloliven erfolgt im Herbst, wenn die Früchte noch grün sind. Die Handpflücke ist dabei üblich, da maschinelle Ernte die empfindlichen Früchte beschädigen kann.
Verarbeitung und Entbitterung
Frische Oliven sind ungenießbar bitter. Der Grund dafür ist Oleuropein, ein phenolischer Bitterstoff, der in unbehandelten Früchten bis zu 5.000 mg pro Kilogramm Feuchtgewicht erreichen kann [7]. Dieser Stoff schützt die Früchte am Baum vor Fressfeinden, muss aber vor dem Verzehr entfernt werden. Für Manzanilla Oliven hat sich in Spanien das sogenannte Sevillaner Verfahren durchgesetzt.
Bei der spanischen Methode werden die grünen Oliven zunächst in eine Natronlauge (1,3 bis 2,6 Prozent) getaucht. Die Lauge dringt in das Fruchtfleisch ein und hydrolysiert das Oleuropein zu nicht-bitteren Verbindungen wie Hydroxytyrosol und Oleoside-11-Methylester [7]. Dieser Prozess dauert je nach Temperatur und Reifegrad einige Stunden bis zu einem Tag. Anschließend werden die Oliven gründlich gewaschen und in eine Salzlake (6 bis 8 Prozent Natriumchlorid) eingelegt, wo eine milde Milchsäuregärung über drei bis vier Monate stattfindet [8].
Unterschiede zu anderen Verarbeitungsmethoden
Das kalifornische Verfahren unterscheidet sich erheblich. Dabei werden die Oliven durch Belüftung oxidiert, was zu den bekannten schwarzen Oliven führt. Diese Oxidation reduziert den Gehalt an phenolischen Verbindungen deutlich stärker als das spanische Verfahren [7]. Eine Studie verglich die beiden Methoden: Nach der Verarbeitung enthielten spanisch verarbeitete Oliven noch etwa 448 mg Phenole pro Kilogramm, während kalifornisch verarbeitete Oliven nahezu keine phenolischen Verbindungen mehr aufwiesen [9]. Das griechische Verfahren mit natürlicher Fermentation in Salzlake bewahrt hingegen den höchsten Anteil an phenolischen Verbindungen [7].
Nährstoffzusammensetzung
Die Nährstoffzusammensetzung von Manzanilla Oliven hängt stark von der Verarbeitungsmethode und der verwendeten Lake ab. Die folgenden Werte beziehen sich auf spanisch verarbeitete grüne Oliven in Salzlake.
| Nährstoff | Gehalt pro 100 g | Anteil am Tagesbedarf |
|---|---|---|
| Kalorien | ca. 145 kcal | 7% |
| Fett (gesamt) | 15-16 g | 22% |
| davon einfach ungesättigte Fettsäuren | 11-12 g | - |
| Kohlenhydrate | 1-2 g | weniger als 1% |
| Ballaststoffe | 2-3 g | 8-10% |
| Protein | weniger als 1 g | weniger als 2% |
| Natrium | 1.500-2.000 mg | 65-85% |
| Vitamin E | 3-4 mg | 20-25% |
| Eisen | 0,5-1 mg | 5-10% |
Die Daten zeigen: Manzanilla Oliven sind ein fettreiches Lebensmittel mit niedrigem Kohlenhydratgehalt. Der hohe Fettanteil von etwa 15 Prozent besteht überwiegend aus einfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem Ölsäure [10]. Das Fettsäureprofil ähnelt damit dem von Olivenöl. Problematisch ist der hohe Natriumgehalt, der durch die Salzlake bedingt ist.
Mineralstoffe und deren Bioverfügbarkeit
Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte erstmals die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen in spanisch verarbeiteten Manzanilla Oliven [11]. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Natrium wird zu 93 bis 98 Prozent aufgenommen, Kalium zu 94 bis 100 Prozent und Magnesium zu 78 bis 91 Prozent. Calcium hingegen zeigt mit nur 19 bis 27 Prozent eine deutlich geringere Bioverfügbarkeit. Das bedeutet: Selbst wenn Oliven mit Calcium angereichert werden, kann der Körper nur einen Bruchteil davon tatsächlich nutzen [11]. Diese Diskrepanz zwischen Nährwertangabe und tatsächlicher Aufnahme ist für Verbraucher kaum erkennbar.
Phenolische Verbindungen und antioxidatives Potenzial
Tafeloliven enthalten verschiedene phenolische Verbindungen, die als Antioxidantien wirken können. Hydroxytyrosol gilt als die wichtigste phenolische Substanz in verarbeiteten Oliven [10]. Es entsteht während der Fermentation aus dem Abbau von Oleuropein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Olivenöl einen zugelassenen Health Claim formuliert: "Olivenöl-Polyphenole tragen zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress bei" [12]. Dieser Claim gilt jedoch nur für Olivenöl mit mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivaten pro 20 g Öl – nicht für Tafeloliven.
Die Übertragung dieser Aussage auf Manzanilla Oliven ist daher nicht zulässig. Es gibt keine von der EFSA genehmigten Gesundheitsaussagen speziell für Tafeloliven [12]. Das liegt auch daran, dass die Phenolgehalte in Tafeloliven je nach Verarbeitungsmethode stark schwanken. Kalifornisch verarbeitete schwarze Oliven enthalten beispielsweise kaum noch Hydroxytyrosol, während griechisch fermentierte Oliven höhere Gehalte aufweisen [7]. Eine pauschale Gesundheitsaussage für alle Tafeloliven wäre daher wissenschaftlich nicht haltbar.
Das Salz-Problem bei Tafeloliven
Tafeloliven enthalten typischerweise etwa 4 Gramm Salz pro 100 Gramm Produkt [13]. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine tägliche Salzaufnahme von weniger als 5 Gramm, was etwa 2 Gramm Natrium entspricht [14]. Eine Portion von 10 bis 12 Oliven (etwa 30 Gramm) liefert demnach bereits mehr als 1 Gramm Salz. Bei regelmäßigem Verzehr kann das zur Überschreitung der empfohlenen Tagesmenge beitragen.
Ein zu hoher Natriumkonsum wird mit erhöhtem Blutdruck und einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht [14]. In Spanien arbeiten Forscher daher an Verfahren zur Salzreduktion in Tafeloliven. Das Projekt am Andalusischen Institut für Agrar- und Fischereiforschung (IFAPA) untersucht die teilweise Substitution von Natriumchlorid durch Kaliumchlorid, Calciumchlorid oder Magnesiumchlorid [13]. Calciumchlorid bringt jedoch einen bitteren Geschmack mit sich, was die Akzeptanz bei Verbrauchern einschränkt.
Abwägung: Salz versus andere Inhaltsstoffe
Interessanterweise zeigte eine Tierstudie aus dem Jahr 2022, dass der tägliche Verzehr von Tafeloliven (entsprechend etwa 30 Oliven beim Menschen) bei hypertensiven Ratten den Blutdruck senkte – trotz des Salzgehalts [15]. Die Autoren führen dies auf die pentazyklischen Triterpene (Maslin- und Oleanolsäure) und Polyphenole zurück, die in Tafeloliven in höheren Konzentrationen vorkommen als in Olivenöl. Diese Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren: Tierversuche lassen sich nicht direkt auf Menschen übertragen, und die Studie wurde mit einer spezifischen Olivensorte (Arbequina) durchgeführt [15].
Fettsäureprofil und Herzgesundheit
Der Fettgehalt von Manzanilla Oliven besteht zu etwa 70 bis 75 Prozent aus einfach ungesättigten Fettsäuren, hauptsächlich Ölsäure [10]. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 mit 32 Kohortenstudien und über 840.000 Teilnehmern untersuchte den Zusammenhang zwischen einfach ungesättigten Fettsäuren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen [16]. Das Ergebnis: Ein hoher Olivenölkonsum war mit einer Risikoreduktion von 11 Prozent für die Gesamtsterblichkeit, 12 Prozent für kardiovaskuläre Sterblichkeit und 17 Prozent für Schlaganfall assoziiert [16].
Wichtig: Diese Daten beziehen sich primär auf Olivenöl, nicht auf Tafeloliven. Die Meta-Analyse stellte zudem fest, dass einfach ungesättigte Fettsäuren aus gemischten tierischen und pflanzlichen Quellen keinen schützenden Effekt zeigten – nur Olivenöl war mit reduzierten Risiken verbunden [16]. Das deutet darauf hin, dass neben den Fettsäuren auch andere Komponenten des Olivenöls eine Rolle spielen könnten. Ob diese Erkenntnisse auf Tafeloliven übertragbar sind, ist wissenschaftlich nicht geklärt.
Verwendung in der Küche
Manzanilla Oliven sind vielseitig einsetzbar. Die typische Verwendung umfasst:
- Gefüllt mit Piment als klassische Cocktail-Olive, besonders im Dirty Martini
- Als Tapas-Beilage mit Manchego-Käse und Serrano-Schinken
- In Salaten, auf Pizza oder in mediterranen Eintöpfen
- Entsteint und gehackt in Saucen oder als Brotaufstrich
Die Füllung mit Pimentpaste wurde in Spanien Anfang des 20. Jahrhunderts populär. Im Jahr 1962 revolutionierten automatische Füllmaschinen aus Sevilla die kommerzielle Produktion [2]. Heute werden Manzanilla Oliven auch mit Knoblauch, Mandeln oder Paprika gefüllt angeboten. Der leicht bittere, salzige Geschmack mit nussigen Noten macht sie zu einem beliebten Snack und Kochzutat.
Qualität und Kaufempfehlungen
Beim Kauf von Manzanilla Oliven gibt es einige Punkte zu beachten. Die Bezeichnung "Manzanilla de Sevilla" ist seit 2019 als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) in der Europäischen Union registriert [17]. Oliven mit diesem Siegel stammen aus traditionellem Anbau in der Region Sevilla und unterliegen strengeren Qualitätskontrollen. Produkte ohne diese Kennzeichnung können aus anderen Anbaugebieten stammen.
Die Zutatenliste gibt Aufschluss über die Verarbeitung. Grüne Oliven in Salzlake sollten idealerweise nur Oliven, Wasser und Salz enthalten. Zusätze wie Eisengluconat (E579) dienen der Farbstabilisierung bei schwarzen Oliven nach kalifornischem Verfahren. Sorbinsäure oder Kaliumsorbat (E200/E202) sind als Konservierungsmittel zugelassen. Wer den Salzgehalt reduzieren möchte, kann die Oliven vor dem Verzehr kurz unter fließendem Wasser abspülen – das entfernt einen Teil des oberflächlichen Salzes.
Lagerung und Haltbarkeit
Ungeöffnete Glasgefäße mit Manzanilla Oliven halten sich bei Zimmertemperatur mehrere Jahre. Nach dem Öffnen sollten die Oliven im Kühlschrank aufbewahrt und innerhalb von zwei bis drei Wochen verbraucht werden. Wichtig dabei: Die Oliven müssen stets von Lake bedeckt sein, da sie sonst austrocknen und verderben können. Eine trübe Lake ist kein Zeichen für Verderb – sie entsteht durch natürliche Fermentationsprozesse. Weiche, matschige Konsistenz oder ein unangenehmer Geruch hingegen deuten auf Verderb hin und die Oliven sollten nicht mehr verzehrt werden.
Manzanilla Olivenöl – Ein Vergleich
Nicht alle Manzanilla Oliven landen im Glas. Früchte, die nicht die Qualitätsanforderungen für Tafeloliven erfüllen – etwa zu klein oder optisch beeinträchtigt – werden zu Olivenöl verarbeitet. Manzanilla Olivenöl wird als mittelfruchtig beschrieben, mit Aromen von Tomate, Mandel und leichten Feigennoten. Im Geschmack ist es mild bitter und würzig [5]. Die Sorte Manzanilla de Sevilla zeigte in einer Studie aus dem Jahr 2020 mit 407,6 mg pro Kilogramm einen besonders hohen Gehalt an Hydroxytyrosol und verwandten Polyphenolen – genug, um den EFSA-Health-Claim zu erfüllen [19].
Der Unterschied zwischen Tafeloliven und Olivenöl aus derselben Sorte ist beträchtlich. Während Olivenöl die fettlöslichen Bestandteile der Olive konzentriert, gehen bei der Tafelolivenproduktion wasserlösliche Verbindungen in die Lake über. Die Fermentation verändert zudem das Phenolprofil grundlegend. Ein direkter Vergleich der Gesundheitseigenschaften ist daher nicht möglich – es handelt sich um zwei unterschiedliche Produkte mit unterschiedlicher Zusammensetzung.
Die Rolle der Darmflora bei der Verdauung
Ein interessanter Aspekt betrifft die Verstoffwechselung phenolischer Verbindungen aus Oliven. Die Darmbakterien spielen eine wichtige Rolle beim Abbau von Oleuropein und dessen Umwandlung in Hydroxytyrosol [20]. Studien zeigen, dass Menschen mit einer vielfältigen Darmflora diese Substanzen effizienter verstoffwechseln. Antibiotika-Behandlungen können vorübergehend die Fähigkeit zum Abbau dieser Verbindungen beeinträchtigen [20]. Auch das Alter spielt eine Rolle: Bei Kleinkindern und älteren Menschen verläuft der Stoffwechsel langsamer.
Die Bioverfügbarkeit phenolischer Verbindungen aus Oliven variiert erheblich je nach chemischer Struktur und Nahrungsmatrix. Hydroxytyrosol wird relativ gut aufgenommen, wobei die genauen Werte je nach Studie zwischen 20 und 50 Prozent schwanken [20]. Wichtig: Es findet keine Anreicherung im Körper statt, da die Substanzen vollständig eliminiert werden. Diese Daten stammen jedoch aus Untersuchungen mit isolierten Verbindungen oder Olivenöl und nicht mit ganzen Tafeloliven, weshalb die Übertragbarkeit begrenzt ist.
Marktbedeutung und wirtschaftliche Aspekte
Spanien dominiert den weltweiten Tafelolivenmarkt. In der Erntesaison 2020/21 produzierte das Land 20,5 Prozent der globalen Produktion [4]. Ägypten folgt mit 18,8 Prozent und die Türkei mit etwa 13 Prozent. Der globale Tafelolivenverbrauch wird für 2024/25 auf etwa 3 Millionen Tonnen geschätzt [21]. Der Trend zeigt nach oben: Seit 1990 hat sich der Verbrauch in einigen Ländern vervielfacht. In Ägypten stieg er von 11.000 Tonnen auf 520.000 Tonnen, in Algerien von 14.000 auf 285.000 Tonnen [21].
Für die Region Sevilla ist die Tafelolivenproduktion wirtschaftlich bedeutsam. Die traditionellen Olivenhaine bieten Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten, die ansonsten von Abwanderung betroffen wären. Die Manzanilla de Sevilla trägt zur biologischen Vielfalt bei – in der Region werden über 20 verschiedene Olivensorten angebaut [17]. Die geschützte geografische Angabe soll Tradition und Qualität bewahren und den Produzenten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Massenware sichern.
Preisentwicklung und Verfügbarkeit
Die Preise für Tafeloliven schwanken je nach Ernteergebnis, Witterungsbedingungen und Marktlage. Die Dürreperioden in Spanien in den Jahren 2022 und 2023 führten zu reduzierten Ernten und steigenden Preisen. Gefüllte und verarbeitete Manzanilla Oliven kosten im Einzelhandel typischerweise zwischen 2 und 6 Euro pro 100 Gramm, abhängig von Marke, Qualität und Füllung. Lose Oliven vom Markt oder Feinkosthändler sind oft günstiger, bieten aber keine standardisierte Qualitätssicherung. Bio-zertifizierte Manzanilla Oliven liegen preislich etwa 30 bis 50 Prozent über konventionellen Produkten.
Kritische Bewertung
Die Werbung für Manzanilla Oliven betont häufig die gesundheitlichen Vorteile der mediterranen Ernährung. Diese Übertragung ist jedoch nicht vollständig nachvollziehbar. Die mediterrane Diät zeichnet sich durch ein Zusammenspiel vieler Faktoren aus: hoher Gemüse- und Obstkonsum, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Fisch und – wichtig – Olivenöl als Hauptfettquelle [18]. Einzelne Lebensmittel wie Tafeloliven isoliert zu betrachten, greift zu kurz.
Die antioxidativen Eigenschaften von Phenolen in Oliven sind in Laborstudien dokumentiert [10]. Ob der regelmäßige Verzehr von Tafeloliven beim Menschen messbare gesundheitliche Effekte hat, ist hingegen unzureichend erforscht. Die verfügbaren Daten stammen überwiegend aus Olivenöl-Studien, Tierversuchen oder In-vitro-Experimenten. Kontrollierte Humanstudien speziell zu Tafeloliven gibt es kaum [10]. Die Behauptung, Manzanilla Oliven seien besonders gesund, ist daher etwas überzogen.
Realistischer Nutzen
Positiv ist, dass Manzanilla Oliven ein kalorienarmer Snack mit günstigem Fettsäureprofil sind. Sie liefern Ballaststoffe und Vitamin E. In Maßen genossen (etwa 5 bis 10 Oliven täglich) können sie Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Der hohe Salzgehalt erfordert jedoch Aufmerksamkeit, besonders bei Menschen mit Bluthochdruck. Wer täglich größere Mengen verzehrt, sollte den Salzkonsum aus anderen Quellen entsprechend reduzieren.
Fazit
Die Manzanilla Olive ist die weltweit meistverkaufte Tafelolivensorte und ein fester Bestandteil der mediterranen Küche. Sie liefert einfach ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und phenolische Verbindungen. Die Verarbeitungsmethode beeinflusst den Gehalt an bioaktiven Substanzen erheblich – spanisch verarbeitete grüne Oliven schneiden hier besser ab als kalifornisch geschwärzte Varianten. Der hohe Salzgehalt bleibt das Hauptproblem bei regelmäßigem Konsum. Übertriebene Gesundheitsversprechen für Tafeloliven sind wissenschaftlich nicht belegt. Als gelegentlicher Snack oder Kochzutat sind Manzanilla Oliven jedoch eine sinnvolle Ergänzung des Speiseplans.
📚 Quellen (21 Quellen)
Quellen
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- Grokipedia. Manzanilla olive – History and cultivation. 2025.
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