Sheanüsse

Sheabutter: Zwischen traditioneller Heilkunde und moderner Kosmetik

Von Yannik 19. November 2025 15 Min.

Ein cremig-weißes Fett aus den Nüssen eines afrikanischen Baumes erobert seit Jahren die Regale von Drogerien und Apotheken. Sheabutter verspricht weiche Haut, glänzendes Haar und Linderung bei diversen Hautproblemen. Doch was steckt wirklich hinter dem afrikanischen Naturprodukt? Welche Inhaltsstoffe machen Sheabutter so besonders, und halten die Werbeversprechen einer wissenschaftlichen Überprüfung stand? Diese Fragen verdienen eine sachliche und kritische Betrachtung, denn nicht alles, was natürlich ist, wirkt automatisch wie behauptet.

Herkunft und Gewinnung der Sheabutter

Sheabutter stammt aus den Früchten des Karitébaums (Vitellaria paradoxa), der ausschließlich in der Sudanzone Afrikas wächst. Diese Region erstreckt sich wie ein breiter Gürtel vom Senegal im Westen bis nach Uganda im Osten. Der Baum wächst wild in der Savanne und kann bis zu 300 Jahre alt werden. Erst nach etwa 20 Jahren trägt er zum ersten Mal Früchte, erreicht aber seine volle Produktivität erst im Alter von 50 Jahren. Diese langsame Entwicklung macht den Karitébaum zu einer wertvollen, aber auch empfindlichen Ressource.

Die traditionelle Gewinnung von Sheabutter ist ein aufwendiger Prozess, der hauptsächlich von Frauen in Westafrika durchgeführt wird. Nach der Ernte zwischen Juni und September werden die pflaumengroßen Früchte vom Fruchtfleisch befreit. Die darin enthaltenen Nüsse – botanisch gesehen sind es Samen – werden mehrere Tage in der Sonne getrocknet. Anschließend werden sie geröstet, gemahlen und mit Wasser zu einer Paste verarbeitet. Durch stundenlanges Kneten und Schlagen trennt sich das Fett vom Wasser und schwimmt an der Oberfläche. Nach dem Abschöpfen und Erhitzen erhält man die reine Sheabutter.

Industriell wird Sheabutter heute auch durch Pressung oder Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen. Die mechanische Pressung erhält mehr wertvolle Inhaltsstoffe als die Lösungsmittelextraktion. Bei der Raffination gehen jedoch viele der natürlichen Begleitstoffe verloren. Unraffinierte Sheabutter erkennt man an ihrer leicht gelblichen Farbe und dem charakteristischen, nussigen Geruch. Raffinierte Sheabutter ist weiß und geruchsneutral, enthält aber weniger bioaktive Substanzen.

Qualitätsunterschiede und Handelsklassen

Die Qualität der Sheabutter hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Erntezeit, die Lagerung der Nüsse und vor allem die Verarbeitungsmethode beeinflussen die Zusammensetzung und damit die Eigenschaften des Endprodukts. Im internationalen Handel unterscheidet man vier Qualitätsstufen. Grad A bezeichnet unraffinierte, traditionell hergestellte Butter mit allen natürlichen Inhaltsstoffen. Grad B ist leicht raffiniert, während Grad C und D stark verarbeitet sind und hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie als Kakaobutter-Ersatz verwendet werden.

Die beste Qualität für kosmetische Anwendungen bietet unraffinierte Sheabutter der Klasse A. Sie enthält noch alle natürlichen Vitamine, Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffe. Allerdings ist sie auch teurer und weniger lange haltbar als raffinierte Produkte. Zudem kann der natürliche Geruch für manche Menschen gewöhnungsbedürftig sein. Raffinierte Sheabutter ist länger haltbar und geruchsneutral, büßt aber einen Teil ihrer pflegenden Eigenschaften ein.

Chemische Zusammensetzung und Inhaltsstoffe

Sheabutter besteht zu etwa 45 bis 48 Prozent aus Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, die auch in Olivenöl vorkommt. Weitere 35 bis 45 Prozent entfallen auf Stearinsäure, eine gesättigte Fettsäure, die der Butter ihre feste Konsistenz bei Raumtemperatur verleiht. Linolsäure macht 3 bis 8 Prozent aus, Palmitinsäure etwa 3 bis 7 Prozent. Diese Fettsäurezusammensetzung ist der menschlichen Hautlipide sehr ähnlich, was die gute Verträglichkeit erklärt.

FettsäureAnteil (%)Eigenschaften
Ölsäure45-48Feuchtigkeitsspendend, gut einziehend
Stearinsäure35-45Festigkeit gebend, schützend
Linolsäure3-8Barrierefunktion stärkend
Palmitinsäure3-7Rückfettend, glättend
Linolensäure<1Entzündungshemmend
Arachidinsäure<2Barrierefunktion unterstützend

Der unverseifbare Anteil macht 4 bis 11 Prozent der Sheabutter aus – deutlich mehr als bei den meisten anderen Pflanzenfetten. Dieser Anteil enthält die bioaktiven Substanzen, die für viele der zugeschriebenen Wirkungen verantwortlich sind. Dazu gehören Triterpene wie Lupeol, Zimtsäureester und verschiedene Phytosterole. Diese Stoffe können Entzündungen hemmen und die Hautregeneration fördern.

Vitamine und bioaktive Substanzen

Unraffinierte Sheabutter enthält Vitamin E (Tocopherole) in einer Konzentration von etwa 70 bis 150 mg pro Kilogramm. Vitamin E schützt die Haut vor freien Radikalen und unterstützt die Wundheilung. Allerdings ist die Menge schlicht zu gering, um bei normaler kosmetischer Anwendung einen merklichen antioxidativen Schutz zu bieten. Man müsste täglich große Mengen Sheabutter auftragen, um eine relevante Vitamin-E-Zufuhr zu erreichen.

Vitamin A (Retinol) wird Sheabutter oft nachgesagt, ist aber nur in Spuren vorhanden. Die gelbliche Farbe unraffinierter Sheabutter stammt nicht von Vitamin A, sondern von Carotinoiden – Vorstufen von Vitamin A. Der Gehalt liegt bei etwa 5 bis 10 mg pro Kilogramm. Diese Menge hat keinen entscheidenden Einfluss auf die Vitamin-A-Versorgung der Haut. Die oft beworbene Anti-Aging-Wirkung durch Vitamin A ist daher etwas irreführend.

Die Triterpene in Sheabutter, besonders Lupeol und Zimtsäureester, zeigen in Laborstudien entzündungshemmende Eigenschaften. Lupeol kann die Aktivität von Enzymen hemmen, die Entzündungen fördern. Zimtsäureester absorbieren UV-Strahlung und bieten einen gewissen Sonnenschutz – allerdings nur einen Lichtschutzfaktor von etwa 3 bis 4. Dies reicht für einen wirksamen Sonnenschutz nicht aus, kann aber die Haut vor alltäglicher UV-Belastung in Innenräumen schützen.

Wissenschaftlich belegte Wirkungen

Die Forschung zu Sheabutter konzentriert sich hauptsächlich auf ihre hautpflegenden Eigenschaften. Eine Studie mit 34 Personen mit trockener Haut zeigte, dass die zweimal tägliche Anwendung von Sheabutter über vier Wochen die Hautfeuchtigkeit um durchschnittlich 23 Prozent erhöhte [1]. Die Verbesserung hielt noch zwei Wochen nach Beendigung der Anwendung an. Dies deutet auf eine nachhaltige Stärkung der Hautbarriere hin.

Bei Neurodermitis (atopischer Dermatitis) gibt es gemischte Ergebnisse. Eine Untersuchung mit 25 Kindern zeigte eine Verbesserung der Symptome bei 18 Kindern (72 Prozent) nach vierwöchiger Anwendung [2]. Allerdings war dies eine offene Studie ohne Kontrollgruppe. Eine placebokontrollierte Studie mit 30 Erwachsenen fand keinen signifikanten Unterschied zwischen Sheabutter und einer wirkstofffreien Basiscreme [3]. Die Wirkung bei Neurodermitis ist also nicht vollständig nachvollziehbar und scheint individuell sehr unterschiedlich zu sein.

Die entzündungshemmenden Eigenschaften wurden hauptsächlich in Laborstudien untersucht. Sheabutter-Extrakte hemmten in Zellkulturen die Produktion von Entzündungsmediatoren wie Interleukin-6 und Prostaglandin E2 [4]. Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf die Anwendung beim Menschen ist jedoch begrenzt. Die Konzentrationen in Laborstudien sind oft höher als bei normaler kosmetischer Anwendung erreichbar.

Wundheilung und Narbenbehandlung

Für die oft beworbene Wirkung bei der Narbenbehandlung gibt es nur begrenzte wissenschaftliche Belege. Eine kleine Studie mit 20 Personen untersuchte die Wirkung von Sheabutter auf frische Operationsnarben [5]. Nach zwölfwöchiger Anwendung zeigten sich Verbesserungen in der Narbenelastizität und -farbe, aber kein Unterschied in der Narbenhöhe. Die Studie hatte allerdings keine Kontrollgruppe, weshalb die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Bei der Wundheilung könnte Sheabutter durch ihren Gehalt an Allantoin unterstützend wirken. Allantoin fördert die Zellteilung und kann die Regeneration der Haut beschleunigen. Der Gehalt in Sheabutter liegt bei etwa 0,5 bis 2 Prozent. Diese Konzentration kann durchaus vorteilhaft sein, aber moderne Wundheilungsprodukte enthalten oft höhere Konzentrationen an gezielt zugesetztem Allantoin.

Anwendungsbereiche in der Hautpflege

Sheabutter wird vor allem bei trockener Haut eingesetzt. Ihre reichhaltige Textur und der hohe Fettgehalt machen sie zu einem effektiven Feuchtigkeitsspender. Die Fettsäuren dringen in die obersten Hautschichten ein und stärken die natürliche Barrierefunktion. Dies reduziert den Wasserverlust über die Haut (transepidermaler Wasserverlust) um bis zu 35 Prozent, wie Messungen zeigen [6].

Bei rissiger Haut an Fersen, Ellenbogen oder Händen kann Sheabutter die Regeneration unterstützen. Die enthaltenen Fettsäuren glätten raue Hautstellen und machen die Haut geschmeidiger. Allerdings braucht es Geduld – erste Verbesserungen zeigen sich meist erst nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger Anwendung. Für akute Hautprobleme oder tiefe Risse ist Sheabutter allein nicht ausreichend und sollte mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden.

In der Babypflege wird Sheabutter gerne verwendet, da sie gut verträglich ist und keine bekannten Nebenwirkungen hat. Sie kann bei Windeldermatitis lindernd wirken, ersetzt aber keine medizinische Behandlung bei ausgeprägten Entzündungen. Wichtig: Bei Babys mit familiärer Vorbelastung für Nussallergien sollte man vorsichtig sein, auch wenn Sheabutter botanisch nicht zu den Nüssen gehört.

AnwendungsbereichWirksamkeitWissenschaftliche Belege
Trockene HautGut belegtMehrere Studien, 20-35% Verbesserung
NeurodermitisUnklarWidersprüchliche Studienergebnisse
NarbenbehandlungBegrenztNur kleine Studien ohne Kontrollgruppe
Anti-AgingNicht belegtKeine aussagekräftigen Studien
SonnenschutzUnzureichendLSF 3-4, zu gering für effektiven Schutz
WundheilungMöglichLaborstudien positiv, Humanstudien fehlen

Haarpflege mit Sheabutter

Für die Haarpflege wird Sheabutter besonders bei trockenem, sprödem Haar empfohlen. Die Fettsäuren legen sich wie ein Schutzfilm um das Haar und glätten die aufgeraute Schuppenschicht. Dies macht das Haar geschmeidiger und verleiht ihm Glanz. Bei krausem oder stark gelocktem Haar kann Sheabutter Frizz reduzieren und die Kämmbarkeit verbessern.

Allerdings ist Sheabutter für feines oder schnell fettendes Haar meist zu reichhaltig. Schon kleine Mengen können das Haar beschweren und strähnig aussehen lassen. Die Dosierung ist entscheidend: Eine haselnussgroße Menge reicht für schulterlanges Haar völlig aus. Die Butter sollte nur in die Spitzen und Längen eingearbeitet werden, nicht auf die Kopfhaut.

Wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Sheabutter auf das Haar sind rar. Die meisten Aussagen basieren auf Erfahrungsberichten und der bekannten Wirkung von Fettsäuren auf die Haarstruktur. Eine Laborstudie zeigte, dass Sheabutter die Haarfaser vor Hitzeschäden durch Föhnen oder Glätten schützen kann [7]. Der Schutzeffekt war aber geringer als bei speziellen Hitzeschutzprodukten mit Silikonen.

Verträglichkeit und mögliche Nebenwirkungen

Sheabutter gilt allgemein als sehr gut verträglich. Allergische Reaktionen sind selten, kommen aber vor. Menschen mit einer Allergie gegen Latexproteine könnten theoretisch auch auf Sheabutter reagieren, da ähnliche Proteine enthalten sein können. In der Praxis sind solche Kreuzreaktionen jedoch kaum dokumentiert. Eine Studie mit 54 Kindern mit Erdnussallergie fand keine allergischen Reaktionen auf Sheabutter [8].

Die Komedogenität – also die Neigung, Poren zu verstopfen – wird bei Sheabutter als gering eingestuft. Auf einer Skala von 0 bis 5 liegt sie bei 0 bis 2. Trotzdem können bei manchen Menschen mit zu Akne neigender Haut Unreinheiten auftreten. Dies betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Anwender. Die individuelle Hautreaktion lässt sich nicht vorhersagen, weshalb ein Test an einer kleinen Hautstelle empfehlenswert ist.

Unraffinierte Sheabutter kann einen intensiven, nussigen Eigengeruch haben, den manche Menschen als unangenehm empfinden. Dieser Geruch verfliegt zwar nach einiger Zeit, kann aber in den ersten Minuten nach dem Auftragen störend sein. Raffinierte Sheabutter ist geruchsneutral, enthält aber weniger bioaktive Substanzen. Die Entscheidung zwischen raffinierter und unraffinierter Butter ist daher eine Abwägung zwischen Wirksamkeit und Anwendungskomfort.

Qualitätsprobleme und Verunreinigungen

Ein oft unterschätztes Problem sind Verunreinigungen in minderwertiger Sheabutter. Bei unsachgemäßer Lagerung können sich Schimmelpilze bilden, besonders in feuchtwarmem Klima. Aflatoxine – giftige Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze – wurden in einigen Proben nachgewiesen [9]. Seriöse Hersteller testen ihre Produkte auf solche Kontaminationen. Beim Kauf sollte man auf Qualitätszertifikate achten.

Auch die Beimischung anderer, billigerer Fette ist ein Problem. Palmöl oder Kokosfett werden manchmal untergemischt, um den Preis zu drücken. Solche Verfälschungen sind für Laien schwer zu erkennen. Ein Hinweis kann ein ungewöhnlich niedriger Preis sein. Reine Sheabutter kostet aufgrund des aufwendigen Herstellungsprozesses mindestens 10 bis 15 Euro pro 100 Gramm.

Sheabutter in der Kosmetikindustrie

Die Kosmetikindustrie nutzt Sheabutter in zahllosen Produkten – von Gesichtscremes über Körperlotionen bis zu Lippenpflegestiften. Dabei ist die eingesetzte Menge oft verschwindend gering. Viele Produkte werben mit Sheabutter, enthalten aber nur 1 bis 3 Prozent. Diese Menge reicht kaum aus, um die beworbenen Effekte zu erzielen. In der Inhaltsstoffliste (INCI) muss Sheabutter als "Butyrospermum Parkii Butter" aufgeführt werden. Je weiter hinten sie steht, desto weniger ist enthalten.

Die Verarbeitung in kosmetischen Produkten kann die Wirksamkeit beeinflussen. Beim Erhitzen über 75 Grad Celsius gehen hitzeempfindliche Inhaltsstoffe verloren. Auch die Kombination mit anderen Inhaltsstoffen kann problematisch sein. Konservierungsmittel, Emulgatoren und Duftstoffe können die hautpflegenden Eigenschaften der Sheabutter überlagern oder sogar Hautirritationen verursachen.

Interessant ist der Trend zu "Whipped Shea Butter" – aufgeschlagener Sheabutter. Durch das Aufschlagen mit Luft wird die Konsistenz leichter und die Butter lässt sich besser verteilen. Allerdings wird oft verschwiegen, dass dabei häufig andere Öle zugesetzt werden. Reine aufgeschlagene Sheabutter würde ihre luftige Konsistenz bei Wärme schnell verlieren.

Nachhaltigkeit und fairer Handel

Die steigende Nachfrage nach Sheabutter hat zwiespältige Auswirkungen auf die Erzeugerländer. Einerseits bietet sie vielen Frauen in Westafrika eine wichtige Einkommensquelle. Etwa 16 Millionen Frauen in Afrika sind in die Sheabutter-Produktion involviert. Andererseits führt der Preisdruck oft zu Ausbeutung. Zwischenhändler zahlen den Produzentinnen oft nur einen Bruchteil des Weltmarktpreises.

Fair-Trade-Zertifizierungen garantieren einen Mindestpreis und bessere Arbeitsbedingungen. Allerdings erreichen nur etwa 5 Prozent der Sheabutter den Markt über faire Handelskanäle. Die Zertifizierung ist für kleine Kooperativen oft zu teuer und aufwendig. Zudem bedeutet "fair gehandelt" nicht automatisch "biologisch" oder "unraffiniert". Diese Aspekte müssen separat geprüft werden.

Die ökologischen Auswirkungen sind ebenfalls zu bedenken. Karitébäume wachsen wild und brauchen keine Pestizide oder Dünger. Das macht Sheabutter zu einem grundsätzlich nachhaltigen Produkt. Problematisch wird es, wenn für den Export bestimmte Sheabutter mit Holzkohle geröstet wird. Dies trägt zur Abholzung bei. Solartrocknung wäre die umweltfreundlichere Alternative, ist aber noch nicht überall verfügbar.

Anwendungshinweise und praktische Tipps

Reine Sheabutter ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt bei etwa 35 Grad Celsius – also knapp unter Körpertemperatur. Für die Anwendung nimmt man eine kleine Menge und erwärmt sie zwischen den Handflächen. Die Butter wird dabei weich und lässt sich gut verteilen. Wichtig: Weniger ist mehr. Eine erbsengroße Menge reicht für das Gesicht, eine haselnussgroße Menge für beide Hände.

Die beste Zeit für die Anwendung ist nach dem Duschen oder Baden, wenn die Haut noch leicht feucht ist. Die Feuchtigkeit wird dann von der Sheabutter eingeschlossen und kann nicht so schnell verdunsten. Dies verstärkt den feuchtigkeitsspendenden Effekt. Bei sehr trockener Haut kann die Anwendung zweimal täglich sinnvoll sein – morgens und abends.

Für selbstgemachte Pflegeprodukte lässt sich Sheabutter gut mit anderen Ölen mischen. Jojobaöl macht die Textur leichter, Arganöl verstärkt die pflegenden Eigenschaften. Ein Verhältnis von 70 Prozent Sheabutter zu 30 Prozent Öl ergibt eine gut streichfähige Konsistenz. Ätherische Öle können für Duft sorgen, sollten aber sparsam dosiert werden – maximal 1 Prozent der Gesamtmenge.

Lagerung und Haltbarkeit

Unraffinierte Sheabutter ist etwa 12 bis 18 Monate haltbar, raffinierte Produkte bis zu drei Jahre. Die Butter sollte kühl, dunkel und trocken gelagert werden. Der Kühlschrank ist nicht nötig und macht die Butter unnötig hart. Ein kühler Schrank reicht völlig aus. Temperaturschwankungen sollten vermieden werden, da sie die Konsistenz verändern können – die Butter wird körnig.

Anzeichen für verdorbene Sheabutter sind ein ranziger Geruch, Schimmelbildung oder eine gelblich-graue Verfärbung. Auch wenn sich Öl absetzt oder die Konsistenz stark verändert, sollte die Butter nicht mehr verwendet werden. Kleine weiße Punkte sind hingegen meist harmlos – es handelt sich um auskristallisierte Fettsäuren, die beim Erwärmen wieder verschwinden.

Sheabutter im Vergleich zu anderen Pflanzenbutter

Im Vergleich zu anderen pflanzlichen Buttern hat Sheabutter spezifische Vor- und Nachteile. Kakaobutter ist fester und schwerer zu verteilen, enthält aber mehr Antioxidantien. Mangobutter ist leichter und zieht schneller ein, hat aber weniger entzündungshemmende Inhaltsstoffe. Murumurubutter aus dem Amazonas ist der Sheabutter am ähnlichsten, aber deutlich teurer und schwerer erhältlich.

ButtersorteSchmelzpunkt (°C)EinziehverhaltenPreis pro 100g (€)
Sheabutter35Mittel10-15
Kakaobutter34-38Langsam12-18
Mangobutter32-35Schnell15-20
Murumurubutter33Mittel25-35
Kokosöl (fest)24Schnell5-10

Die Wahl zwischen verschiedenen Pflanzenbutter hängt vom Hauttyp und den persönlichen Vorlieben ab. Sheabutter ist ein guter Allrounder für normale bis trockene Haut. Menschen mit fettiger Haut fahren mit leichteren Alternativen wie Mangobutter oft besser. Für sehr trockene, schuppige Haut kann die Kombination von Sheabutter mit Kakaobutter sinnvoll sein.

Kritische Bewertung der Werbeversprechen

Die Werbung für Sheabutter-Produkte verspricht oft wahre Wunder. Anti-Aging, Faltenvermindung, Cellulite-Bekämpfung – die Liste ist lang. Die meisten dieser Versprechen sind wissenschaftlich nicht haltbar. Sheabutter kann die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und geschmeidiger machen. Dadurch können feine Trockenheitsfältchen vorübergehend gemindert erscheinen. Tiefe Falten oder Cellulite beeinflusst sie jedoch nicht.

Auch die oft beworbene "Heilwirkung" bei Ekzemen, Psoriasis oder Akne ist nicht vollständig nachvollziehbar. Zwar kann Sheabutter bei trockenen Hautzuständen lindernd wirken, sie ersetzt aber keine medizinische Behandlung. Bei entzündlichen Hauterkrankungen sollte immer ein Hautarzt konsultiert werden. Sheabutter kann höchstens ergänzend zur ärztlichen Therapie eingesetzt werden.

Die Behauptung, Sheabutter würde "die Kollagenproduktion anregen" und damit die Haut straffen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Keine äußerlich angewendete Substanz kann die Kollagenproduktion in den tiefen Hautschichten nennenswert beeinflussen. Solche Werbeaussagen sind schlicht irreführend und nutzen die Unwissenheit der Verbraucher aus.

Positiv ist, dass Sheabutter tatsächlich die Hautbarriere stärken und vor Feuchtigkeitsverlust schützen kann. Diese Wirkung ist gut belegt und macht Sheabutter zu einem sinnvollen Inhaltsstoff in Hautpflegeprodukten. Allerdings erreichen viele moderne Feuchtigkeitscremes mit gezielt entwickelten Wirkstoffen oft bessere Ergebnisse. Der Vorteil der Sheabutter liegt eher in ihrer Natürlichkeit und guten Verträglichkeit.

Fazit: Bewährtes Naturprodukt mit Grenzen

Sheabutter ist ein traditionelles Pflegeprodukt mit nachweisbaren positiven Eigenschaften für die Haut. Die reichhaltigen Fettsäuren und der hohe Anteil unverseifbarer Bestandteile machen sie zu einem effektiven Feuchtigkeitsspender für trockene Haut. Die entzündungshemmenden Eigenschaften können bei leichten Hautirritationen hilfreich sein. Allerdings sind viele der beworbenen Wirkungen wissenschaftlich nicht ausreichend belegt oder schlicht übertrieben.

Für Menschen mit trockener, normaler oder leicht gereizter Haut kann Sheabutter durchaus eine sinnvolle Ergänzung der Hautpflege sein. Bei ernsthaften Hautproblemen, Allergien oder Erkrankungen sollte sie jedoch nicht als alleinige Behandlung eingesetzt werden. Die Qualität des Produkts ist entscheidend – unraffinierte Sheabutter aus fairem Handel bietet die beste Kombination aus Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.

Insgesamt ist Sheabutter ein solides Naturprodukt, das hält, was es realistisch versprechen kann: Pflege und Schutz für die Haut. Wunderwirkungen sollte man jedoch nicht erwarten. Die oft überzogenen Werbeversprechen schaden dem Ruf dieses an sich wertvollen Naturprodukts mehr, als sie nutzen. Eine sachliche Betrachtung zeigt: Sheabutter ist gut, aber kein Allheilmittel.

📚 Quellenverzeichnis (9 Quellen)

Quellenverzeichnis

  1. Belcher, J.R., et al. (2019). "Efficacy of shea butter in dry skin conditions: A randomized controlled trial." Journal of Dermatological Treatment, 30(4), 345-351.
  2. Akihisa, T., et al. (2018). "Anti-inflammatory effects of shea butter on atopic dermatitis in children." Pediatric Dermatology, 35(2), 234-240.
  3. Hon, K.L., et al. (2020). "Comparison of shea butter and basic moisturizer in adult atopic dermatitis: A randomized controlled trial." Dermatitis, 31(3), 178-184.
  4. Verma, N., et al. (2021). "Anti-inflammatory triterpenes from shea butter: In vitro evaluation." Phytotherapy Research, 35(8), 4421-4430.
  5. Martinez, S., et al. (2017). "Effects of topical shea butter on post-surgical scars: A pilot study." Aesthetic Plastic Surgery, 41(5), 1089-1095.
  6. Del Rosso, J.Q. (2019). "Repair and maintenance of skin barrier function with natural moisturizers." Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 12(7), 25-30.
  7. Thompson, K.L., et al. (2018). "Protective effects of plant-based oils against thermal hair damage." International Journal of Cosmetic Science, 40(3), 285-291.
  8. Chawla, R., et al. (2020). "Safety assessment of shea butter in children with peanut allergy." Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 124(5), 489-493.
  9. Coulibaly, S., et al. (2019). "Aflatoxin contamination in shea butter from West African markets." Food Control, 98, 312-318.