Ein Pflanzenstoff erobert die Kosmetikregale und wird als sanfte Alternative zu Retinol gefeiert. Doch was steckt wirklich dahinter? Wie wirkt Bakuchiol auf die Haut, und halten die Versprechen einer kritischen Prüfung stand? Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Fakten zu einem Inhaltsstoff, der sowohl für Begeisterung als auch für Skepsis sorgt.
Was ist Bakuchiol?
Bakuchiol ist ein sogenanntes Meroterpenphenol, also eine Substanz, die zur Hälfte aus einem Phenol und zur Hälfte aus einem Terpenoid besteht. Der Stoff wurde erstmals 1966 von indischen Wissenschaftlern aus den Samen der Pflanze Psoralea corylifolia isoliert [1]. Der Name leitet sich vom Sanskrit-Wort „Bakuchi" ab, unter dem die Pflanze in der traditionellen indischen Ayurveda-Medizin bekannt ist. Die chemische Bezeichnung lautet 4-[(1E,3S)-3-ethenyl-3,7-dimethyl-1,6-octadien-1-yl]-phenol.
Die Babchi-Pflanze, wie Psoralea corylifolia auch genannt wird, gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler und wächst vorwiegend in Indien und China. In der traditionellen Medizin beider Länder wird sie seit Jahrhunderten bei verschiedenen Hauterkrankungen eingesetzt. Neben Bakuchiol enthält die Pflanze weitere Wirkstoffe wie Psoralene und Flavonoide [2]. Bakuchiol macht etwa 6,24 Prozent des Gewichts der getrockneten Samen aus und ist damit der mengenmäßig wichtigste Einzelstoff dieser Pflanze [3].
Wichtig: Bakuchiol und die Babchi-Pflanze sind nicht dasselbe. Während rohe Pflanzenextrakte auch potenziell hautreizende Substanzen wie Psoralene enthalten können, wird bei der Herstellung von kosmetischem Bakuchiol gezielt nur diese eine Verbindung isoliert und gereinigt.
Chemische Struktur und Besonderheiten
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Beziehung zwischen Bakuchiol und Retinol. Obwohl beide Substanzen ähnliche Effekte auf die Haut haben können, unterscheiden sie sich chemisch grundlegend voneinander. Retinol ist ein Vitamin-A-Derivat mit einer charakteristischen Polyenkette, also einer Kette aus mehreren aufeinanderfolgenden Doppelbindungen. Diese Struktur macht Retinol anfällig für Licht und Sauerstoff [4]. Bakuchiol hingegen besitzt einen stabilen phenolischen Ring mit einer Isoprenyl-Seitenkette und hat keinerlei strukturelle Ähnlichkeit mit Retinoiden.
Diese strukturelle Verschiedenheit ist aus mehreren Gründen bedeutsam. Erstens erklärt sie, warum Bakuchiol photostabil ist, also nicht durch Sonnenlicht abgebaut wird. Studien zeigen, dass Retinol unter simulierter Tageslichtexposition innerhalb von 30 Minuten bis zu 40 Prozent seiner Wirksamkeit verlieren kann [5]. Bakuchiol hingegen behält unter gleichen Bedingungen über 98 Prozent seiner ursprünglichen Konzentration [6]. Zweitens bedeutet die fehlende strukturelle Verwandtschaft zu Vitamin A, dass Bakuchiol nicht an dieselben Rezeptoren bindet wie Retinoide, aber dennoch ähnliche Genexpressionen auslösen kann.
Biosynthese in der Pflanze
Die Entstehung von Bakuchiol in der Pflanze folgt einem gemischten Biosyntheseweg. Der aromatische Ring stammt aus dem Phenylpropanweg, während die Terpenseitenkette aus dem Mevalonatweg gebildet wird [7]. Diese Kombination ist in der Natur relativ selten und verleiht dem Molekül seine besonderen Eigenschaften. Die natürlich vorkommende Form ist das (S)-(+)-Bakuchiol, das sich von seinem Spiegelbild, dem (R)-(-)-Bakuchiol, unterscheidet. Diese Unterscheidung ist wichtig, da die Wirksamkeit von der räumlichen Anordnung des Moleküls abhängen kann.
Wirkung auf die Haut – was sagen die Studien?
Die wissenschaftliche Untersuchung von Bakuchiol in Bezug auf Hautpflege begann ernsthaft erst in den 2010er Jahren. Seither sind mehrere Studien erschienen, die seine Wirksamkeit bei der Behandlung von Hautalterung untersucht haben. Die Datenlage ist jedoch deutlich begrenzter als bei Retinol, das seit den 1980er Jahren intensiv erforscht wird.
Die Schlüsselstudie aus dem Jahr 2019
Die am häufigsten zitierte Untersuchung zu Bakuchiol ist eine randomisierte, doppelblinde Studie, die 2019 im British Journal of Dermatology veröffentlicht wurde [8]. In dieser Studie verglichen Forscher bei 44 Teilnehmern über 12 Wochen die Wirkung einer 0,5-prozentigen Bakuchiol-Creme mit einer 0,5-prozentigen Retinol-Creme. Ein wichtiger Unterschied: Die Bakuchiol-Creme wurde zweimal täglich aufgetragen, die Retinol-Creme nur einmal täglich. Dies entspricht der üblichen Anwendungsempfehlung für beide Stoffe.
Die Ergebnisse zeigten, dass beide Gruppen nach 12 Wochen eine deutliche Verbesserung bei Faltentiefe und Hyperpigmentierung aufwiesen. Der statistische Unterschied zwischen den Gruppen war nicht bedeutsam, was nahelegt, dass Bakuchiol und Retinol in dieser Studie vergleichbar wirksam waren. Allerdings berichteten die Teilnehmer der Retinol-Gruppe häufiger von Hautschuppung und Brennen [8].
Allerdings gibt es bei dieser Studie einige Einschränkungen zu beachten. Die Teilnehmerzahl war mit 44 Personen relativ klein, und sieben Teilnehmer brachen die Studie vorzeitig ab. Die unterschiedliche Anwendungshäufigkeit macht einen direkten Vergleich ebenfalls schwierig. Harvard Health hat diese Studie deshalb als methodisch begrenzt eingestuft [9].
| Kriterium | Bakuchiol (0,5%) | Retinol (0,5%) |
|---|---|---|
| Anwendungshäufigkeit | Zweimal täglich | Einmal täglich (abends) |
| Verbesserung Faltenfläche | Deutlich | Deutlich |
| Verbesserung Pigmentierung | Deutlich | Deutlich |
| Hautschuppung berichtet | Selten | Häufig |
| Brennen/Stechen berichtet | Selten | Häufig |
Genexpression und Kollagenstimulation
Eine frühere Studie aus dem Jahr 2014 untersuchte, wie Bakuchiol auf zellulärer Ebene wirkt [10]. Die Forscher verglichen die Genexpressionsprofile von Hautzellen, die entweder mit Bakuchiol oder mit Retinol behandelt wurden. Die Ergebnisse zeigten eine große Ähnlichkeit in den aktivierten Genen. Beide Substanzen regulierten Gene hoch, die für die Produktion verschiedener Kollagentypen verantwortlich sind, darunter Kollagen Typ I, III und IV. Kollagen ist das wichtigste Strukturprotein der Haut und für ihre Festigkeit und Elastizität verantwortlich.
Darüber hinaus erhöhten beide Substanzen die Expression von Aquaporin 3, einem Wasserkanalprotein, das für die Hautfeuchtigkeit wichtig ist. Die Forscher folgerten, dass Bakuchiol als funktioneller Analog zu Retinol wirkt, obwohl es keine strukturelle Ähnlichkeit mit Retinoiden aufweist [10].
Eine neuere Studie aus dem Jahr 2022 bestätigte diese Ergebnisse und erweiterte sie [11]. Die Forscher fanden heraus, dass Bakuchiol die Produktion von Kollagen Typ I und VII sowie von Fibronektin anregt. Fibronektin ist ein Protein, das für die Anheftung von Zellen an die umgebende Matrix wichtig ist. Interessant war zudem, dass Bakuchiol die epidermale Regeneration und Wundheilung förderte, was bei Retinol in dieser Studie nicht beobachtet wurde [11].
Antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften
Neben der Kollagenstimulation besitzt Bakuchiol weitere Eigenschaften, die für die Hautpflege relevant sein können. Laborstudien haben gezeigt, dass die Substanz freie Radikale neutralisieren kann, also als Antioxidans wirkt. In einem direkten Vergleich mit Retinol war Bakuchiol dabei deutlich überlegen, da Retinol selbst keine nennenswerte antioxidative Kapazität aufweist [11].
Diese antioxidative Wirkung ist deshalb bemerkenswert, weil oxidativer Stress als einer der Hauptfaktoren der Hautalterung gilt. UV-Strahlung, Umweltverschmutzung und andere Faktoren erzeugen reaktive Sauerstoffspezies in der Haut, die Zellstrukturen schädigen können. Ein Antioxidans kann diese schädlichen Moleküle abfangen, bevor sie Schaden anrichten.
Auch entzündungshemmende Eigenschaften wurden in Zellkulturexperimenten nachgewiesen. Bakuchiol konnte die Produktion von Prostaglandin E2 und dem Makrophagen-Migrations-Inhibitionsfaktor reduzieren, beides Botenstoffe, die bei Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen [11]. Eine Konzentration von 50 Mikromol Bakuchiol reduzierte die Stickoxid- und Prostaglandinproduktion in Makrophagen um mehr als 50 Prozent, ohne dabei zelltoxisch zu wirken [12].
Antibakterielle Wirkung
Verschiedene Studien haben eine antibakterielle Wirkung von Bakuchiol gegen Bakterien nachgewiesen, die bei Akne eine Rolle spielen. Dazu gehört insbesondere Cutibacterium acnes, früher als Propionibacterium acnes bekannt. In Laborversuchen zeigte Bakuchiol auch Aktivität gegen verschiedene gram-positive und gram-negative Bakterien, darunter Streptococcus mutans und Staphylococcus aureus [13].
Diese antibakterielle Eigenschaft macht Bakuchiol interessant für die Behandlung von Akne, zumal der Stoff gleichzeitig entzündungshemmend wirkt und keine starken Hautreizungen verursacht wie viele herkömmliche Aknemittel.
Vergleich mit Retinol – Vorteile und Einschränkungen
Die Frage, ob Bakuchiol tatsächlich eine gleichwertige Alternative zu Retinol darstellt, lässt sich nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten. Beide Substanzen haben ihre spezifischen Stärken und Schwächen.
| Eigenschaft | Bakuchiol | Retinol |
|---|---|---|
| Forschungsstand | Begrenzt (seit 2014) | Umfangreich (seit 1984) |
| Photostabilität | Stabil bei Licht | Instabil bei Licht |
| Anwendungszeit | Tag und Nacht möglich | Nur abends empfohlen |
| Hautverträglichkeit | In der Regel sehr gut | Oft Reizungen anfangs |
| Antioxidative Wirkung | Nachgewiesen | Nicht vorhanden |
| Rezeptorwirkung | Bindet nicht an Retinoidrezeptoren | Bindet an Retinoidrezeptoren |
| Herkunft | Pflanzlich | Meist synthetisch |
Vorteile von Bakuchiol
Der deutlichste Vorteil von Bakuchiol liegt in seiner besseren Verträglichkeit. In der bereits erwähnten Studie berichteten 23 Prozent der Retinol-Anwender von Unverträglichkeitsreaktionen wie Rötung, Schuppung, Trockenheit und Juckreiz, was bei fünf Teilnehmern zum Studienabbruch führte. Bei Bakuchiol wurde nur eine einzige Nebenwirkung dokumentiert, die zudem auch beim Placebo auftrat [11].
Die Photostabilität ist ein weiterer praktischer Vorteil. Während Retinol-Produkte typischerweise nur abends verwendet werden sollten, da sie im Sonnenlicht abgebaut werden und die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen können, ist Bakuchiol tagsüber und nachts einsetzbar [6]. Dies erleichtert die Integration in die tägliche Hautpflegeroutine erheblich.
Für Menschen mit empfindlicher Haut, Rosacea oder Ekzem ist Bakuchiol oft die einzige Möglichkeit, eine retinolartige Wirkung zu erzielen, ohne schwere Hautreizungen in Kauf nehmen zu müssen. Eine Studie mit 60 Frauen mit empfindlicher Haut zeigte, dass ein Bakuchiol-Reiniger und eine Feuchtigkeitscreme über vier Wochen gut vertragen wurden und zu einer Verbesserung der Hautglätte und Zeichen der Hautalterung führten [14].
Einschränkungen und kritische Betrachtung
Die Forschungslage zu Bakuchiol ist trotz der positiven Ergebnisse deutlich dünner als bei Retinol. Während Retinol seit den 1980er Jahren in Hunderten von Studien untersucht wurde, gibt es zu Bakuchiol nur eine Handvoll klinischer Untersuchungen [9]. Viele der berichteten Wirkungen stammen aus Laborversuchen mit Zellkulturen, deren Übertragbarkeit auf den menschlichen Organismus nicht immer gegeben ist.
Zudem ist nicht vollständig geklärt, ob Bakuchiol bei schweren Hautproblemen wie ausgeprägter Akne oder fortgeschrittener Hautalterung ebenso wirksam ist wie verschreibungspflichtige Retinoide. Die bisherigen Studien konzentrierten sich auf kosmetische Anwendungen bei leichten bis mittelschweren Zeichen der Hautalterung. Verschreibungspflichtige Retinoide wie Tretinoin sind nachweislich wirksamer als über den Ladentisch erhältliches Retinol und wahrscheinlich auch wirksamer als Bakuchiol.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Studienmethodik. Die meisten Bakuchiol-Studien wurden von oder in Zusammenarbeit mit Kosmetikunternehmen durchgeführt, was einen möglichen Interessenkonflikt darstellt. Unabhängige, groß angelegte klinische Studien fehlen weitgehend.
Sicherheit und Verträglichkeit
Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass Bakuchiol bei topischer Anwendung gut verträglich ist. In Toxizitätstests an Ratten wurde eine akute Toxizität erst bei einer oralen Dosis von 2.560 mg/kg festgestellt, was auf eine relativ geringe akute Giftigkeit hindeutet [6]. Bei Anwendung auf der Haut wurden keine Sensibilisierung oder Reizung beim Menschen festgestellt. In Zellkulturen war Bakuchiol selbst bei hohen Konzentrationen von bis zu 5.000 Mikrogramm pro Milliliter nicht zelltoxisch [12].
Dennoch können bei manchen Menschen allergische Reaktionen auftreten. In der wissenschaftlichen Literatur ist mindestens ein Fall einer Kontaktdermatitis durch Bakuchiol dokumentiert [15]. Wie bei jedem neuen Hautpflegewirkstoff empfiehlt sich daher ein Patch-Test vor der ersten großflächigen Anwendung.
Anwendung in der Schwangerschaft
Ein häufig diskutiertes Thema ist die Sicherheit von Bakuchiol während der Schwangerschaft. Retinoide sind wegen ihrer bekannten teratogenen Wirkung in der Schwangerschaft kontraindiziert. Da Bakuchiol ähnliche Genexpressionen wie Retinol auslöst, stellt sich die Frage, ob es ebenfalls gemieden werden sollte.
Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine klinischen Studien zur Sicherheit von Bakuchiol bei schwangeren Frauen [6]. Die strukturelle Verschiedenheit von Retinol und die Tatsache, dass Bakuchiol nicht an Retinoidrezeptoren bindet, werden von einigen Experten als Argument für ein geringeres Risiko angeführt. Andere Fachleute raten jedoch zur Vorsicht, da aussagekräftige Daten fehlen [16].
Verschiedene Sicherheitsdatenblätter für Bakuchiol zeigen keine Hinweise auf Teratogenität oder Karzinogenität, allerdings basieren diese Angaben nicht auf spezifischen Schwangerschaftsstudien [6]. Schwangere und stillende Frauen sollten vor der Anwendung von Bakuchiol-Produkten ärztlichen Rat einholen.
Praktische Anwendung
Die übliche Konzentration von Bakuchiol in kosmetischen Produkten liegt bei 0,5 bis 1 Prozent. In der Schlüsselstudie wurde eine 0,5-prozentige Formulierung verwendet und zweimal täglich aufgetragen [8]. Da Bakuchiol photostabil ist, kann es morgens und abends angewendet werden, was es von Retinol unterscheidet.
Die Substanz ist öllöslich und wird daher häufig in Seren oder Cremes mit öliger Grundlage formuliert. Sie lässt sich gut mit anderen Wirkstoffen kombinieren und ist chemisch stabiler als Retinol, was die Formulierung erleichtert [12]. Tatsächlich kann Bakuchiol sogar Retinol stabilisieren, wenn beide Substanzen in einem Produkt kombiniert werden [5].
- Beginne mit einer Anwendung pro Tag und steigere bei guter Verträglichkeit auf zweimal täglich
- Ein Patch-Test vor der ersten Anwendung ist empfehlenswert
- Sonnenschutz bleibt auch bei Bakuchiol-Anwendung wichtig, obwohl der Stoff selbst die Lichtempfindlichkeit nicht erhöht
- Bei sehr empfindlicher Haut kann eine Kombination mit beruhigenden Wirkstoffen sinnvoll sein
Wirkmechanismus – wie funktioniert Bakuchiol?
Eine zentrale Frage, die Wissenschaftler beschäftigt, betrifft den genauen Wirkmechanismus von Bakuchiol. Obwohl der Stoff ähnliche Genexpressionen wie Retinol auslöst, wirkt er offenbar über andere Signalwege. Retinol entfaltet seine Wirkung, indem es in der Haut zu Retinaldehyd und schließlich zu Retinsäure umgewandelt wird. Retinsäure bindet dann an spezifische Rezeptoren im Zellkern, die sogenannten Retinsäure-Rezeptoren (RAR) und Retinoid-X-Rezeptoren (RXR). Diese Bindung verändert die Genexpression und führt zu den bekannten Effekten auf die Haut [4].
Bakuchiol hingegen bindet nicht an diese Retinoidrezeptoren, löst aber dennoch ähnliche Genexpressionsmuster aus. Die genauen molekularen Mechanismen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine Hypothese besagt, dass Bakuchiol über andere Signalwege wirkt, etwa durch die Hemmung von Matrix-Metalloproteinasen (MMPs). Diese Enzyme bauen Kollagen und andere Strukturproteine in der Haut ab. Indem Bakuchiol die MMP-Aktivität reduziert, könnte es den Kollagenabbau verlangsamen [10].
Gleichzeitig erhöht Bakuchiol die Expression von Gewebeinhibitoren der Metalloproteinasen (TIMPs), also von Proteinen, die MMPs blockieren. Studien zeigen erhöhte Spiegel von TIMP-1 und TIMP-2 nach Bakuchiol-Behandlung [12]. Diese doppelte Wirkung – Hemmung der abbauenden Enzyme und Förderung ihrer Inhibitoren – könnte erklären, warum Bakuchiol effektiv gegen Hautalterung wirkt.
Wirkung auf die Hautbarriere
Die Hautbarriere ist die äußerste Schutzschicht der Haut und besteht aus Hautzellen und der sie umgebenden Lipidmatrix. Eine intakte Hautbarriere verhindert den Feuchtigkeitsverlust und schützt vor dem Eindringen schädlicher Substanzen. Mit zunehmendem Alter wird diese Barriere schwächer, was zu trockener Haut und erhöhter Empfindlichkeit führt.
Sowohl Retinol als auch Bakuchiol regulieren Gene hoch, die für die Integrität der Hautbarriere wichtig sind. Dazu gehören E-Cadherin, ein Protein, das die Verbindung zwischen Hautzellen stärkt, sowie verschiedene Laminine, die für die Verankerung der Epidermis an der Dermis wichtig sind [6]. Bakuchiol zeigte in Studien sogar eine stärkere Hochregulierung von Aquaporin 3 als Retinol [10]. Aquaporin 3 ist ein Wasserkanalprotein, das den Transport von Wasser und Glycerin durch die Zellmembran ermöglicht und somit für die Hautfeuchtigkeit entscheidend ist.
Anwendung bei speziellen Hautproblemen
Neben der allgemeinen Anti-Aging-Wirkung wird Bakuchiol auch bei spezifischen Hautproblemen untersucht und eingesetzt. Die Datenlage variiert je nach Anwendungsgebiet.
Akne und unreine Haut
Die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Bakuchiol machen es zu einem interessanten Wirkstoff für die Behandlung von Akne. In einer Studie wurde ein Bakuchiol-Serum als wirksam bei der Verringerung von Akneläsionen befunden [13]. Der Stoff wirkt dabei auf mehrere der vier Hauptfaktoren der Akneentstehung: Er hemmt das Wachstum von Cutibacterium acnes, reduziert die Talgproduktion und wirkt entzündungshemmend.
Ein Vorteil gegenüber klassischen Aknewirkstoffen wie Benzoylperoxid oder Salicylsäure ist die gute Verträglichkeit. Während diese Substanzen die Haut oft austrocknen und reizen, wirkt Bakuchiol sanfter. Allerdings ist die Wirkstärke bei schwerer Akne wahrscheinlich geringer als bei etablierten medizinischen Aknetherapien.
Hyperpigmentierung und Pigmentflecken
Studien deuten darauf hin, dass Bakuchiol die Melaninsynthese hemmen kann. Melanin ist der Farbstoff, der für die Bräunung der Haut verantwortlich ist, aber auch für unerwünschte Pigmentflecken. Die Hemmung erfolgt vermutlich über eine Blockade des Enzyms Tyrosinase, das für die Melaninproduktion entscheidend ist [15].
In der Vergleichsstudie mit Retinol verbesserten beide Substanzen die Hyperpigmentierung nach 12 Wochen [8]. Bakuchiol könnte daher eine Option für Menschen mit Pigmentstörungen sein, die empfindlich auf herkömmliche aufhellende Wirkstoffe reagieren.
Einfluss auf die Wundheilung
Eine interessante Entdeckung aus neueren Studien betrifft die Wirkung von Bakuchiol auf die Wundheilung. In einem In-vitro-Wundheilungsmodell zeigten mit Bakuchiol behandelte Wunden eine deutlich schnellere Regeneration der Epidermis als unbehandelte oder mit Retinol behandelte Wunden [11]. Dieser Effekt wurde bei Retinol nicht beobachtet und stellt somit eine einzigartige Eigenschaft von Bakuchiol dar.
Ob sich diese Laborergebnisse auf die klinische Anwendung übertragen lassen, müssen weitere Studien zeigen. Für Personen mit verzögerter Wundheilung oder empfindlicher Haut könnte Bakuchiol jedoch vorteilhaft sein.
Qualität und Reinheit von Bakuchiol-Produkten
Bei der Auswahl von Bakuchiol-Produkten spielen Qualität und Reinheit eine wichtige Rolle. Da Bakuchiol aus einer natürlichen Quelle stammt, kann die Qualität je nach Anbaugebiet, Erntezeitpunkt und Extraktionsmethode variieren.
Ein wichtiger Aspekt ist die Trennung von Bakuchiol von anderen Inhaltsstoffen der Babchi-Pflanze. Die rohe Pflanze enthält neben Bakuchiol auch Psoralene, das sind Verbindungen, die die Haut lichtempfindlich machen können. Bei der Herstellung von kosmetischem Bakuchiol werden diese Substanzen normalerweise entfernt. Verbraucher sollten auf Produkte von seriösen Herstellern achten, die entsprechende Reinheitsanalysen vorweisen können.
Die natürlich vorkommende Form ist das (S)-(+)-Bakuchiol. Bei der chemischen Synthese entsteht jedoch oft ein Gemisch aus beiden Spiegelbildformen. Da die biologische Aktivität von der räumlichen Struktur abhängen kann, ist natürlich gewonnenes Bakuchiol möglicherweise wirksamer als synthetisches [3]. Allerdings ist die Extraktion aus Pflanzen aufwendiger und die Pflanze Psoralea corylifolia gilt als gefährdet, weshalb alternative Quellen und nachhaltige Anbaumethoden erforscht werden.
Kombination mit anderen Wirkstoffen
Ein praktischer Vorteil von Bakuchiol ist seine gute Kombinierbarkeit mit anderen Hautpflegewirkstoffen. Anders als Retinol, das mit verschiedenen Inhaltsstoffen unverträglich sein kann, lässt sich Bakuchiol problemlos mit den meisten anderen Wirkstoffen kombinieren.
Besonders interessant ist die Kombination von Bakuchiol mit Retinol selbst. Studien zeigen, dass Bakuchiol Retinol unter photooxidativen Bedingungen stabilisieren kann [5]. Eine solche Kombination könnte die Wirksamkeit des Retinols verbessern und gleichzeitig seine Nebenwirkungen reduzieren. Produkte, die beide Wirkstoffe enthalten, sind bereits auf dem Markt erhältlich.
Auch die Kombination mit anderen Antioxidantien wie Vitamin C oder Vitamin E kann sinnvoll sein. Eine Studie zeigte, dass eine Formulierung aus Bakuchiol, Melatonin und einem Vitamin-C-Derivat synergistische Effekte hatte und die Zeichen der Hautalterung stärker verbesserte als die Einzelsubstanzen [12]. Die antioxidativen Eigenschaften verschiedener Wirkstoffe ergänzen sich dabei gegenseitig.
Kritische Bewertung der Marketingversprechen
Die Kosmetikindustrie bewirbt Bakuchiol oft als „natürliches Retinol" oder „pflanzliche Retinol-Alternative". Diese Bezeichnungen sind aus wissenschaftlicher Sicht etwas irreführend. Bakuchiol ist chemisch kein Retinoid und wirkt nicht über dieselben Rezeptoren. Die Bezeichnung „funktioneller Analog" wäre korrekter, da Bakuchiol ähnliche Endeffekte erzielt, aber auf anderem Weg.
Auch die Behauptung, Bakuchiol sei genauso wirksam wie Retinol, muss differenziert betrachtet werden. Die verfügbaren Vergleichsstudien verwendeten niedrig dosiertes kosmetisches Retinol (0,5 Prozent), nicht verschreibungspflichtige Retinoide wie Tretinoin. Bei stärkeren Hautproblemen oder fortgeschrittener Hautalterung könnte verschreibungspflichtiges Tretinoin deutlich wirksamer sein als sowohl Bakuchiol als auch frei verkäufliches Retinol.
Die Aussage, Bakuchiol sei während der Schwangerschaft sicher, ist ebenfalls kritisch zu sehen. Es fehlen entsprechende Studien, und die Tatsache, dass Bakuchiol ähnliche Genexpressionen wie Retinol auslöst, mahnt zur Vorsicht [16]. Seriöse Hersteller vermeiden absolute Sicherheitsaussagen für schwangere und stillende Frauen.
Fazit – eine differenzierte Einschätzung
Bakuchiol ist ein interessanter pflanzlicher Wirkstoff mit nachgewiesener Wirkung gegen Zeichen der Hautalterung. Die verfügbaren Studien zeigen, dass er ähnliche Effekte wie Retinol erzielen kann, dabei aber besser verträglich ist. Für Menschen mit empfindlicher Haut oder solche, die Retinol nicht vertragen, stellt Bakuchiol eine sinnvolle Alternative dar.
Allerdings ist die Forschungslage noch begrenzt, und es wäre übertrieben zu behaupten, Bakuchiol sei ein vollwertiger Ersatz für Retinol in allen Anwendungsbereichen. Bei schwerer Akne oder fortgeschrittener Hautalterung könnten verschreibungspflichtige Retinoide wirksamer sein. Die langfristigen Effekte von Bakuchiol sind noch nicht so gut dokumentiert wie die von Retinol.
Wer auf der Suche nach einer wissenschaftlich belegten, sanften Anti-Aging-Lösung ist, findet in Bakuchiol eine beachtenswerte Option. Die Erwartungen sollten jedoch realistisch bleiben: Es handelt sich um ein kosmetisches Produkt mit begrenzter Wirkstärke, nicht um ein Wundermittel. Die beste Hautpflege bleibt ein konsequenter Sonnenschutz in Kombination mit einer gesunden Lebensweise.
📚 Quellen (16 Quellen)
Quellen
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