Es leuchtet in kräftigem Orange, steckt voller Fettsäuren und wird von manchen als „Wundermittel" gepriesen: Sanddornöl. Doch was kann dieses Öl wirklich? Die Beeren des dornigen Strauchs werden seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin Asiens verwendet. Inzwischen hat auch die moderne Forschung das Öl genauer untersucht – mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Dieser Artikel trennt Fakten von Werbeversprechungen und zeigt, wo Sanddornöl tatsächlich helfen könnte und wo die Studienlage noch dünn ist.
Die Pflanze und ihre Geschichte
Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) gehört zur Familie der Ölweidengewächse. Ursprünglich stammt er aus dem zentralasiatischen Hochland und dem Himalaya-Gebiet. Heute wächst er auch in Europa, etwa an der Nord- und Ostseeküste sowie in den Alpen. Der wissenschaftliche Name setzt sich aus den griechischen Wörtern „hippos" (Pferd) und „phaes" (leuchtend) zusammen. Im antiken Griechenland fütterten Pferdehalter ihre Tiere angeblich mit Sanddornblättern für glänzendes Fell [1].
In der tibetischen und chinesischen Medizin hat Sanddorn eine lange Tradition. Dort wurde das Öl über 1000 Jahre zur Behandlung von Wunden, Geschwüren und Hautproblemen eingesetzt [2]. Auch der mongolische Herrscher Dschingis Khan soll seinen Kriegern Sanddornbeeren zur Stärkung gegeben haben – wobei diese Überlieferung historisch nicht gesichert ist.
Zwei verschiedene Öle aus einer Pflanze
Eine Besonderheit des Sanddorns: Sowohl die Kerne als auch das Fruchtfleisch der Beeren enthalten Öl. Diese beiden Sanddornöle unterscheiden sich deutlich in ihrer Zusammensetzung und Farbe. Das ist wichtig zu wissen, denn je nach Anwendungsbereich kann das eine oder andere Öl besser geeignet sein.
Sanddornfruchtfleischöl
Das Öl aus dem Fruchtfleisch ist dünnflüssig und leuchtend orange bis rot. Diese Farbe verdankt es seinem hohen Gehalt an Carotinoiden, den Vorstufen von Vitamin A. Es riecht und schmeckt charakteristisch fruchtig-säuerlich nach Sanddorn. Die dominierenden Fettsäuren sind Palmitoleinsäure (32 bis 42 Prozent) und Palmitinsäure (33 bis 41 Prozent) [3]. Der hohe Anteil an Palmitoleinsäure ist ungewöhnlich für Pflanzenöle und macht das Fruchtfleischöl besonders interessant für die Forschung.
Sanddornkernöl
Das Kernöl ist hingegen gelblich bis hellrot und hat kaum Eigengeschmack oder -geruch. Es enthält deutlich weniger Carotinoide als das Fruchtfleischöl. Dafür dominieren hier die mehrfach ungesättigten Fettsäuren: Linolsäure (33 bis 36 Prozent) und Alpha-Linolensäure (30 bis 36 Prozent) [3]. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren liegt bei etwa 1:1. Ein solches ausgewogenes Verhältnis ist selten bei Pflanzenölen und gilt als ernährungsphysiologisch günstig.
| Eigenschaft | Fruchtfleischöl | Kernöl |
|---|---|---|
| Farbe | Orange bis dunkelrot | Gelblich bis hellrot |
| Hauptfettsäure | Palmitoleinsäure (32–42%) | Linolsäure (33–36%) |
| Carotinoide (mg/10ml) | etwa 30 | etwa 2 |
| Vitamin E (mg/10ml) | etwa 20 | etwa 20 |
| Omega-6:Omega-3 | Hoch (Omega-7 dominant) | etwa 1:1 |
Im Handel findet sich zudem sogenanntes Tresteröl. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Fruchtfleisch- und Kernöl, die nach der Saftpressung aus den Rückständen gewonnen wird. Es vereint die Eigenschaften beider Öle, ist aber weniger hochwertig als reine Öle aus Kaltpressung.
Inhaltsstoffe und ihre Besonderheiten
Sanddornöl enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen. Neben den bereits genannten Fettsäuren finden sich darin Vitamine, Carotinoide, Phytosterole und sekundäre Pflanzenstoffe. Die genaue Zusammensetzung schwankt jedoch je nach Herkunft, Unterart und Erntezeitpunkt der Beeren [4].
Palmitoleinsäure – die Omega-7-Fettsäure
Das Fruchtfleischöl des Sanddorns ist eine der besten pflanzlichen Quellen für Palmitoleinsäure, auch bekannt als Omega-7-Fettsäure. Diese einfach ungesättigte Fettsäure kommt im Pflanzenreich selten vor – außer im Sanddorn findet sie sich in nennenswerten Mengen nur noch in Macadamianüssen [4]. Palmitoleinsäure ist auch ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Hautfetts und der Schleimhäute. Dieser Umstand hat Forscher dazu veranlasst, mögliche Wirkungen auf Haut und Schleimhäute zu untersuchen.
Vitamine und Antioxidantien
Beide Sanddornöle enthalten reichlich Vitamin E (Tocopherole). Etwa 10 Milliliter Öl decken bereits einen großen Teil des Tagesbedarfs [5]. Im Fruchtfleischöl kommen zudem Beta-Carotin und andere Carotinoide vor, die als Vorstufe von Vitamin A dienen. Diese fettlöslichen Stoffe wirken als Antioxidantien – sie können also reaktive Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) abfangen, bevor diese Zellstrukturen schädigen [6]. Ob diese Wirkung beim Menschen in der Praxis relevant ist, hängt jedoch von Menge und Aufnahme ab.
Wichtig: Die Sanddornbeere selbst ist berühmt für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt. Im Öl findet sich allerdings kaum Vitamin C, da dieses wasserlöslich ist und bei der Ölgewinnung größtenteils im Saft verbleibt.
Phytosterole und Flavonoide
Sanddornöl enthält zudem Phytosterole, insbesondere Beta-Sitosterol. Diese pflanzlichen Stoffe ähneln strukturell dem Cholesterin und können im Darm dessen Aufnahme hemmen [7]. Auch Flavonoide – eine Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe – sind im Sanddorn nachgewiesen. Sie werden mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht, wobei die klinische Relevanz der im Öl enthaltenen Mengen nicht abschließend geklärt ist.
Forschung zu Hautwirkungen
Die meisten Studien zu Sanddornöl befassen sich mit seiner Anwendung auf der Haut. Die Forschungslage ist hier am umfangreichsten, auch wenn viele Untersuchungen an Tieren oder mit kleinen Teilnehmerzahlen durchgeführt wurden.
Wundheilung und Verbrennungen
Mehrere Tierstudien deuten darauf hin, dass Sanddornöl die Wundheilung beschleunigen kann. In einer Untersuchung an Schafen mit Verbrennungen dritten Grades verkürzte die Behandlung mit Sanddornkernöl die Zeit bis zur vollständigen Hauterneuerung deutlich: 14,2 Tage gegenüber 19,6 Tagen in der unbehandelten Gruppe [8]. Auch die Rate der Hautneubildung war höher (95 Prozent gegenüber 83 Prozent).
Eine iranische Studie an 55 Patienten mit Verbrennungen zweiten Grades verglich Sanddorncreme mit dem Standard-Wundmittel Silbersulfadiazin. Die Wundheilung verlief in der Sanddorngruppe schneller [9]. Diese Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da die Studien relativ klein waren und weitere Bestätigung benötigen.
Neurodermitis und Hauterkrankungen
Bei Neurodermitis (atopische Dermatitis) liefern die vorhandenen Studien gemischte Ergebnisse. Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 1999 untersuchte 49 Patienten über vier Monate [10]. Das Fruchtfleischöl zeigte dabei eine gewisse Verbesserung der Symptome, das Kernöl jedoch nicht. Der Unterschied war nicht sehr ausgeprägt. Wichtig: Auch die Placebogruppe verbesserte sich, was bei Hauterkrankungen häufig vorkommt.
Tierstudien mit Mäusen zeigen, dass Sanddornöl bestimmte Entzündungswege hemmen kann [11]. Ob sich diese Laborergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist jedoch unklar. Die Autoren einer aktuellen Übersichtsarbeit betonen, dass größere, methodisch hochwertige Humanstudien fehlen [12].
Wirkungen auf Schleimhäute
Die Omega-7-Fettsäure Palmitoleinsäure ist Bestandteil gesunder Schleimhäute. Das hat Forscher dazu veranlasst, Sanddornöl bei verschiedenen Formen von Trockenheit zu untersuchen.
Trockene Augen
Eine finnische Studie mit 100 Teilnehmern testete die Wirkung von 2 Gramm Sanddornöl täglich über drei Monate bei Menschen mit trockenen Augen [13]. Das Ergebnis: In der Sanddorngruppe stieg die Salzkonzentration des Tränenfilms weniger stark an als in der Placebogruppe. Die Teilnehmer berichteten zudem über eine Linderung von Symptomen wie Rötung und Brennen. Die Studie lief während der Wintermonate, wenn trockene Augen typischerweise zunehmen. Ob Sanddornöl bei schweren Formen des trockenen Auges hilft, bleibt offen.
Vaginale Trockenheit
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie untersuchte 116 postmenopausale Frauen mit vaginaler Trockenheit [14]. Sie nahmen drei Monate lang täglich 3 Gramm Sanddornöl oder ein Placebo ein. In der Sanddorngruppe verbesserte sich die Integrität der Vaginalschleimhaut deutlich häufiger als in der Placebogruppe (Odds Ratio 3,1). Die Studie zeigt einen möglichen Nutzen, allerdings war die Wirkung auf andere Parameter wie pH-Wert und Symptomtagebücher weniger eindeutig.
Diese Ergebnisse sind für Frauen interessant, die keine Hormonpräparate nehmen möchten oder können. Für eine allgemeine Empfehlung sind jedoch weitere Studien nötig.
Herz-Kreislauf-Forschung
Ob Sanddornöl das Herz-Kreislauf-System beeinflusst, wurde in mehreren Studien untersucht. Die Ergebnisse sind dabei nicht einheitlich.
Cholesterin und Blutfette
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2017 fasste 11 randomisierte kontrollierte Studien zusammen [15]. Bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko senkte die Einnahme von Sanddornprodukten das Gesamt-Cholesterin um durchschnittlich 0,63 mmol/L, das LDL-Cholesterin um 0,62 mmol/L und erhöhte das HDL-Cholesterin um 0,27 mmol/L. Bei gesunden Menschen zeigten sich diese Effekte jedoch nicht.
Eine indische Studie an 74 Teilnehmern mit Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin fand nach 30-tägiger Einnahme von Sanddornkernöl ebenfalls Verbesserungen bei Blutfetten und Blutdruck [16]. Die Autoren führen dies auf die Kombination aus Omega-Fettsäuren und natürlichen Antioxidantien zurück.
Allerdings: Andere Studien konnten keine eindeutigen Effekte nachweisen [17]. Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten an verschiedenen Dosierungen, Öl-Arten (Kern- oder Fruchtfleischöl) und Studienpopulationen liegen. Wer ernsthafte Cholesterinprobleme hat, sollte sich auf bewährte Therapien verlassen und Sanddornöl allenfalls als Ergänzung betrachten.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Sanddornöl gilt als gut verträglich. In den vorhandenen Studien wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet [18]. Bei oraler Einnahme über Zeiträume von bis zu sechs Monaten traten keine nennenswerten Probleme auf.
- In seltenen Fällen können allergische Reaktionen vorkommen, die sich durch Hautausschlag oder Verdauungsbeschwerden äußern.
- Bei äußerlicher Anwendung kann das stark gefärbte Fruchtfleischöl Haut und Kleidung orange färben. Es sollte daher verdünnt oder sparsam verwendet werden.
- Schwangere und stillende Frauen sollten vorsichtshalber auf Sanddornöl-Präparate verzichten, da hierzu keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen [18].
Wichtig für Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen: Sanddorn enthält Vitamin K, das die Blutgerinnung beeinflussen kann. Eine Wechselwirkung mit Medikamenten wie Warfarin ist theoretisch möglich [19]. Wer solche Medikamente nimmt, sollte vor der regelmäßigen Einnahme von Sanddornöl ärztlichen Rat einholen.
Anwendung und Dosierung
Allgemeingültige Dosierungsempfehlungen für Sanddornöl gibt es nicht. In den klinischen Studien wurden meist zwischen 2 und 5 Gramm täglich verwendet, verteilt über mehrere Kapseln oder Teelöffel [10, 13, 14]. Die Effekte zeigten sich in der Regel nach einigen Wochen bis Monaten regelmäßiger Einnahme.
Äußerliche Anwendung
Für die Hautpflege wird Sanddornöl in der Regel verdünnt eingesetzt. Ein übliches Mischungsverhältnis ist etwa 1:10 mit einem neutralen Trägeröl wie Jojobaöl oder Mandelöl. In dieser Verdünnung kann es zur Pflege trockener, strapazierter oder reifer Haut aufgetragen werden. Aufgrund der intensiven Färbung sollte das reine Fruchtfleischöl nicht unverdünnt auf die Haut gegeben werden.
Innerliche Einnahme
Sanddornöl kann pur eingenommen oder in Joghurt, Müsli oder Smoothies eingerührt werden. Es ist auch als Kapsel erhältlich. Bei der Einnahme als Nahrungsergänzung sollte man sich an die Herstellerangaben halten und bei Unsicherheiten ärztlich beraten lassen.
In der Küche
Zum Erhitzen eignet sich Sanddornöl nicht – die wertvollen ungesättigten Fettsäuren würden dabei geschädigt. In der kalten Küche kann es als aromatische Zutat für Salatdressings oder zum Verfeinern von Speisen dienen. Dabei reichen schon wenige Tropfen für einen charakteristischen Geschmack.
Qualität und Lagerung
Die Qualität von Sanddornöl schwankt stark. Hochwertige Produkte sind kaltgepresst und enthalten keine Zusätze. Einige Hersteller strecken ihre Öle mit günstigeren Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl – erkennbar an einem ungewöhnlich hohen Ölsäuregehalt (über 30 Prozent) [20]. Achten Sie auf Produkte aus kontrolliertem Anbau und transparente Herkunftsangaben.
Sanddornkernöl enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ist daher oxidationsanfällig. Es sollte kühl, dunkel und nach dem Öffnen innerhalb weniger Wochen verbraucht werden. Das Fruchtfleischöl ist durch seinen höheren Anteil an gesättigten Fettsäuren und Antioxidantien etwas stabiler, sollte aber ebenfalls kühl gelagert werden.
Gewinnung und Herstellung
Die Ernte von Sanddornbeeren ist aufwendig. Die kleinen Früchte sitzen fest am Ast und werden von spitzen Dornen geschützt. Traditionell werden die Beeren von Hand oder mit speziellen Abstreifharken geerntet. In manchen Regionen werden auch ganze Äste abgeschnitten und tiefgefroren – die gefrorenen Beeren lassen sich dann leichter lösen.
Für die Ölgewinnung kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Die schonendste Methode ist die Kaltpressung, bei der die Beeren oder Kerne mechanisch ausgepresst werden. Dabei bleiben Vitamine und empfindliche Fettsäuren weitgehend erhalten. Das Fruchtfleischöl wird oft durch Zentrifugierung aus dem frisch gepressten Saft gewonnen – ähnlich wie bei der Herstellung von nativem Olivenöl [3].
Ein moderneres Verfahren ist die überkritische CO2-Extraktion. Dabei wird Kohlendioxid unter hohem Druck verflüssigt und als Lösungsmittel verwendet. Vorteil: Das CO2 verdampft rückstandsfrei und hinterlässt ein sehr reines Öl. Viele der in diesem Artikel zitierten Studien verwendeten Sanddornöl aus CO2-Extraktion [13, 14]. Der Nachteil: Das Verfahren ist technisch aufwendig und macht das Öl entsprechend teurer.
Vergleich mit anderen Pflanzenölen
Sanddornöl ist kein alltägliches Speiseöl, sondern wird aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung gezielt eingesetzt. Im Vergleich zu gängigen Pflanzenölen zeigen sich deutliche Unterschiede. Während Olivenöl oder Rapsöl vor allem Ölsäure (eine Omega-9-Fettsäure) enthalten, dominiert im Sanddornfruchtfleischöl die seltenere Palmitoleinsäure. Das Kernöl wiederum ähnelt in seinem Fettsäuremuster eher dem Leinöl, enthält aber zusätzlich Carotinoide und Tocopherole.
| Öl | Hauptfettsäuren | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sanddorn-Fruchtfleischöl | Palmitoleinsäure (32–42%) | Hoher Omega-7-Gehalt |
| Sanddorn-Kernöl | Linol-/Alpha-Linolensäure (je 30–36%) | Omega-6:Omega-3 = 1:1 |
| Leinöl | Alpha-Linolensäure (über 50%) | Höchster Omega-3-Gehalt |
| Olivenöl | Ölsäure (55–83%) | Reich an Omega-9 |
| Macadamiaöl | Ölsäure, Palmitoleinsäure (bis 22%) | Ebenfalls Omega-7-Quelle |
Die einzige vergleichbare pflanzliche Omega-7-Quelle ist Macadamiaöl mit bis zu 22 Prozent Palmitoleinsäure – deutlich weniger als im Sanddornfruchtfleischöl [4]. Wer gezielt Omega-7-Fettsäuren aufnehmen möchte, findet im Sanddornöl daher die reichhaltigste pflanzliche Option.
Kritische Einordnung
Die Forschung zu Sanddornöl zeigt durchaus interessante Ansätze. Jedoch muss festgehalten werden: Viele der positiven Ergebnisse stammen aus Tierstudien oder kleinen Humanstudien. Große, methodisch hochwertige klinische Studien fehlen für die meisten Anwendungsbereiche. Die vorhandenen Untersuchungen zeigen zudem oft nur moderate Effekte.
Werbeaussagen zu Sanddornöl gehen häufig über das hinaus, was wissenschaftlich belegt ist. Behauptungen wie „schützt vor Sonnenbrand" oder „heilt Krebs" sind nicht durch solide Studien gestützt und daher kritisch zu sehen. Das Öl bietet keinen zuverlässigen Sonnenschutz – der UV-Schutzfaktor liegt bei etwa 1 [21]. Es kann allenfalls als Teil einer umfassenden Hautpflege dienen, nicht aber Sonnenschutzmittel ersetzen.
Wer Sanddornöl ausprobieren möchte, kann dies bei guter Verträglichkeit tun. Ernsthafte Erkrankungen sollten jedoch immer ärztlich behandelt werden. Das Öl kann eine sinnvolle Ergänzung sein, aber keine medizinische Therapie ersetzen.
Zusammenfassung
Sanddornöl ist ein Pflanzenöl mit einer ungewöhnlichen Zusammensetzung. Das Fruchtfleischöl enthält viel Palmitoleinsäure (Omega-7), das Kernöl ist reich an Linolsäure und Alpha-Linolensäure in einem ausgewogenen Verhältnis. Erste Studien deuten auf mögliche positive Wirkungen bei trockenen Schleimhäuten, Hautproblemen und erhöhten Blutfetten hin. Die Evidenz ist jedoch begrenzt und größere Studien sind nötig. Das Öl gilt als gut verträglich, sollte aber bei Medikamenteneinnahme oder in Schwangerschaft mit Vorsicht verwendet werden.
📚 Quellen (21 Quellen)
Quellen
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