Etwa 30% der Erwachsenen in Deutschland nehmen zu wenig Magnesium auf – dabei steuert dieser Mineralstoff über 300 Enzyme im Körper [1]. Magnesiumglycinat gilt unter den verschiedenen Magnesiumformen als besonders gut verträglich und effektiv. Im Gegensatz zu anderen Verbindungen wie Magnesiumoxid oder -citrat verursacht es seltener Durchfall und wird vom Körper besser aufgenommen. Diese spezielle Form kombiniert Magnesium mit der Aminosäure Glycin, wodurch gleich zwei wichtige Stoffe für Entspannung und Regeneration bereitstehen.
Was ist Magnesiumglycinat?
Magnesiumglycinat besteht aus einem Magnesium-Ion, das mit zwei Glycin-Molekülen verbunden ist. Diese Verbindung nennt man auch Chelat – das kommt vom griechischen Wort für „Krebsschere“, weil die Aminosäuren das Magnesium wie Scheren umklammern [2]. Durch diese besondere Struktur schützt Glycin das Magnesium vor der Magensäure. So gelangt mehr davon in den Dünndarm, wo die eigentliche Aufnahme stattfindet. Ein weiterer Vorteil: Glycin selbst wirkt beruhigend auf das Nervensystem und verstärkt damit die entspannende Wirkung des Magnesiums.
Chelat-Aufbau: Mg + 2×Glycin
Die chemische Struktur von Magnesiumglycinat ist bemerkenswert stabil. Ein Magnesium-Ion (Mg²⁺) bindet sich an zwei Glycin-Moleküle über deren Carboxylgruppen. Diese Bindung hat eine Stabilitätskonstante von etwa 10⁴, was bedeutet, dass die Verbindung im sauren Milieu des Magens intakt bleibt [3]. Zum Vergleich: Bei einfachen Magnesiumsalzen wie Magnesiumchlorid trennen sich die Bestandteile sofort in der Magensäure. Das gebundene Magnesium im Glycinat passiert den Magen unbeschadet und wird erst im Dünndarm freigesetzt, wo spezielle Transporter es aufnehmen können.
Warum „bis-glycinat“? (Namensklärung)
In der Fachliteratur und auf Produktverpackungen findet man oft die Bezeichnung „Magnesium-bis-glycinat“. Das „bis“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zweimal“ – es weist darauf hin, dass zwei Glycin-Moleküle gebunden sind [4]. Manche Hersteller verwenden nur „Magnesiumglycinat“, meinen aber dasselbe Produkt. Die korrekte chemische Bezeichnung lautet eigentlich Magnesium-diglycin, aber im Handel hat sich Glycinat durchgesetzt. Wichtig für Verbraucher: Alle diese Namen beschreiben die gleiche, gut verträgliche Magnesiumform.
Vorteile & Wirkmechanismen
Die biologischen Effekte von Magnesiumglycinat beruhen auf verschiedenen molekularen Mechanismen im Körper. Magnesium reguliert die Funktion von über 300 Enzymen und beeinflusst damit nahezu jeden Stoffwechselvorgang [5]. Besonders wichtig ist seine Rolle als natürlicher Calcium-Antagonist: Es verhindert, dass zu viel Calcium in die Zellen strömt und diese übererregt. Glycin verstärkt diese beruhigende Wirkung, indem es an spezielle Rezeptoren im Gehirn bindet. Die Kombination beider Stoffe macht Magnesiumglycinat zu einem effektiven Mittel für besseren Schlaf, entspannte Muskeln und ausgeglichene Nerven.
Entspannung & Schlaf (GABA, Melatonin)
Magnesium aktiviert das Enzym Glutamat-Decarboxylase, das den erregenden Botenstoff Glutamat in den beruhigenden Neurotransmitter GABA umwandelt [6]. GABA wirkt wie eine natürliche Bremse im Gehirn und sorgt für Entspannung. Gleichzeitig reguliert Magnesium die Produktion von Melatonin, dem Schlafhormon. Eine Studie mit 46 älteren Erwachsenen zeigte: Nach 8 Wochen täglicher Einnahme von 500 mg Magnesium schliefen die Teilnehmer durchschnittlich 17 Minuten schneller ein und wachten nachts seltener auf [7]. Das enthaltene Glycin verstärkt diesen Effekt – es senkt die Körperkerntemperatur um etwa 0,5°C, was dem Körper signalisiert, dass Schlafenszeit ist.
Muskel- & Nervenfunktion
In den Muskeln wirkt Magnesium als natürlicher Gegenspieler zu Calcium. Während Calcium die Muskelkontraktion auslöst, sorgt Magnesium für die Entspannung. Bei Magnesiummangel können die Muskeln nicht richtig entspannen – Krämpfe sind die Folge [8]. Auf molekularer Ebene stabilisiert Magnesium die Zellmembranen von Nerven- und Muskelzellen. Es reguliert den Einstrom von Natrium und Kalium, wodurch die elektrische Erregbarkeit kontrolliert wird. Sportler profitieren besonders: Eine Untersuchung an 26 Volleyballspielern ergab, dass 350 mg Magnesium täglich die Sprunghöhe um durchschnittlich 3 cm verbesserte [9].
Blutzucker / Blutdruck / PMS
Magnesium spielt eine Schlüsselrolle im Zuckerstoffwechsel. Es aktiviert die Tyrosinkinase am Insulinrezeptor, wodurch Zellen besser auf Insulin reagieren [10]. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben oft niedrige Magnesiumspiegel – eine Supplementierung von 250-500 mg täglich kann die Blutzuckerkontrolle verbessern. Beim Blutdruck wirkt Magnesium gefäßerweiternd: Es hemmt die Freisetzung von Noradrenalin und blockiert Calcium-Kanäle in den Gefäßwänden. Meta-Analysen zeigen eine durchschnittliche Senkung von 3-4 mmHg systolisch bei täglicher Einnahme von 300-400 mg [11]. Bei PMS-Beschwerden lindert Magnesium besonders Krämpfe und Stimmungsschwankungen – vermutlich durch seine Wirkung auf Prostaglandine und Serotonin [12].
Bioverfügbarkeit & Verträglichkeit
Die Aufnahme von Magnesium im Körper hängt stark von der chemischen Form ab. Magnesiumglycinat zeigt in Studien eine deutlich bessere Bioverfügbarkeit als viele andere Magnesiumverbindungen. Der Grund liegt in der Chelat-Struktur: Das an Glycin gebundene Magnesium nutzt spezielle Aminosäure-Transporter im Darm, die effizienter arbeiten als die normalen Magnesium-Kanäle [13]. Während bei Magnesiumoxid nur etwa 4% der eingenommenen Menge ins Blut gelangen, sind es bei Glycinat bis zu 23%. Gleichzeitig verursacht es seltener die typischen Verdauungsbeschwerden, die viele Menschen von Magnesiumpräparaten kennen.
Vergleich zu Citrat, Oxid, Threonat
Die verschiedenen Magnesiumformen unterscheiden sich erheblich in ihrer Wirkung und Verträglichkeit. Hier ein detaillierter Vergleich der wichtigsten Formen:
Magnesiumform | Bioverfügbarkeit | Elementares Mg | Besonderheiten | Typische Dosis |
---|---|---|---|---|
Glycinat | 20-25% | 14% | Sehr gut verträglich, schlaffördernd | 200-400 mg |
Citrat | 25-30% | 16% | Leicht abführend, günstig | 300-600 mg |
Oxid | 4% | 60% | Stark abführend, sehr günstig | 400-800 mg |
Threonat | 15-20% | 8% | Überwindet Blut-Hirn-Schranke | 1000-2000 mg |
Magnesiumoxid enthält zwar den höchsten Anteil an reinem Magnesium, aber der Körper kann davon nur wenig aufnehmen. Citrat bietet einen guten Kompromiss zwischen Preis und Wirkung, führt aber bei empfindlichen Menschen oft zu weichem Stuhl. Threonat ist eine neue Form, die besonders gut ins Gehirn gelangt – ideal für kognitive Funktionen, aber teuer [14]. Magnesiumglycinat vereint hohe Bioverfügbarkeit mit ausgezeichneter Verträglichkeit.
Magen-Darm-Toleranz laut Studien
Die überlegene Verträglichkeit von Magnesiumglycinat wurde in mehreren klinischen Studien bestätigt. Eine Untersuchung mit 120 Teilnehmern verglich verschiedene Magnesiumformen bei einer Dosis von 400 mg täglich. Nach 30 Tagen berichteten nur 7% der Glycinat-Gruppe über Durchfall, verglichen mit 36% bei Magnesiumcitrat und 53% bei Magnesiumoxid [15]. Der Grund: Glycinat wird hauptsächlich im oberen Dünndarm aufgenommen und zieht kaum Wasser in den Darm. Die osmotische Wirkung, die bei anderen Formen zu Durchfall führt, bleibt aus. Selbst bei höheren Dosen von 600-800 mg täglich treten selten Beschwerden auf.
Tagesbedarf & Dosierung
Der Magnesiumbedarf variiert je nach Alter, Geschlecht und Lebenssituation erheblich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für erwachsene Männer 350-400 mg und für Frauen 300-350 mg Magnesium täglich [16]. Diese Werte beziehen sich auf elementares Magnesium – also die reine Menge des Minerals ohne die gebundenen Stoffe. Schwangere, Stillende und Sportler haben einen erhöhten Bedarf von bis zu 450 mg täglich. Stress, Alkoholkonsum und bestimmte Medikamente wie Protonenpumpenhemmer können den Bedarf zusätzlich steigern. Wichtig zu wissen: Bei Nahrungsergänzungsmitteln steht auf der Packung oft das Gesamtgewicht der Verbindung, nicht nur der Magnesiumanteil.
Referenzen (mg Mg)
Die offiziellen Empfehlungen für die tägliche Magnesiumzufuhr unterscheiden sich international leicht, bewegen sich aber in ähnlichen Bereichen:
Personengruppe | DGE (Deutschland) | RDA (USA) | Erhöhter Bedarf bei |
---|---|---|---|
Männer 19-30 Jahre | 400 mg | 400 mg | Intensivsport, Stress |
Männer über 30 | 350 mg | 420 mg | Diabetes, Alkohol |
Frauen 19-30 Jahre | 300 mg | 310 mg | Pille, PMS |
Frauen über 30 | 300 mg | 320 mg | Wechseljahre |
Schwangere | 310 mg | 350-360 mg | Mehrlingsschwangerschaft |
Stillende | 390 mg | 310-320 mg | Zwillinge stillen |
Diese Werte gelten für die Gesamtzufuhr aus Nahrung und Supplementen. Da die durchschnittliche Ernährung etwa 200-250 mg Magnesium liefert, kann eine Ergänzung von 100-200 mg sinnvoll sein [17].
Elementar-Mg vs. Gesamtgewicht
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Angaben auf Supplement-Verpackungen. Wenn dort „400 mg Magnesiumglycinat“ steht, bedeutet das nicht 400 mg reines Magnesium. Die Verbindung enthält nur etwa 14% elementares Magnesium – der Rest ist Glycin. Das bedeutet konkret: 400 mg Magnesiumglycinat liefern nur etwa 56 mg elementares Magnesium. Für die empfohlene Tagesdosis von 300-400 mg Magnesium bräuchte man also 2000-3000 mg der Gesamtverbindung. Seriöse Hersteller geben beide Werte an: das Gesamtgewicht der Verbindung und den Anteil an elementarem Magnesium. Achten Sie beim Kauf darauf, welcher Wert angegeben ist.
Obergrenzen & BfR-Empfehlung
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tagesdosis [18]. Diese Empfehlung gilt zusätzlich zur normalen Ernährung und soll das Risiko von Durchfall minimieren. Die tolerierbare Gesamtzufuhr (UL) liegt laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit bei 250 mg supplementiertem Magnesium täglich – Magnesium aus der Nahrung ist davon ausgenommen. In der Praxis vertragen viele Menschen auch höhere Dosen, besonders bei gut verträglichen Formen wie Glycinat. Bei therapeutischen Anwendungen unter ärztlicher Aufsicht werden teilweise bis zu 600 mg täglich eingesetzt.
Einnahmetipps & Wechselwirkungen
Die richtige Einnahme von Magnesiumglycinat kann seine Wirkung deutlich verbessern. Grundsätzlich wird Magnesium besser aufgenommen, wenn man es auf mehrere kleine Dosen über den Tag verteilt. Der Darm kann pro Mahlzeit nur etwa 100-150 mg effizient aufnehmen [19]. Die Tageszeit spielt ebenfalls eine Rolle: Für besseren Schlaf nimmt man es abends ein, für mehr Energie und Leistung morgens. Wichtig sind auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Nährstoffen und Medikamenten – sie können die Aufnahme beeinflussen oder zu unerwünschten Effekten führen.
Beste Tageszeit (Schlaf vs. Sport)
Die optimale Einnahmezeit hängt vom gewünschten Effekt ab. Für besseren Schlaf empfiehlt sich die Einnahme 1-2 Stunden vor dem Zubettgehen. Das Glycin in der Verbindung senkt die Körperkerntemperatur und fördert die Schläfrigkeit [20]. Eine Dosis von 200-400 mg Magnesiumglycinat (entspricht 28-56 mg elementarem Magnesium) reicht meist aus. Sportler nehmen Magnesium besser morgens oder vor dem Training ein. Es unterstützt die Energieproduktion in den Mitochondrien und beugt Muskelkrämpfen vor. Bei intensivem Training kann eine zusätzliche Dosis nach dem Sport die Regeneration fördern. Manche Menschen teilen ihre Tagesdosis auf: morgens für Energie, abends für Entspannung.
Interaktionen (Antibiotika, Eisen, Schilddrüse)
Magnesium kann die Aufnahme verschiedener Medikamente beeinflussen. Besonders wichtig sind folgende Wechselwirkungen:
Medikament/Nährstoff | Art der Wechselwirkung | Empfohlener Abstand | Praktischer Tipp |
---|---|---|---|
Antibiotika (Tetracycline, Fluorchinolone) | Magnesium bildet unlösliche Komplexe | 2-3 Stunden | Antibiotika morgens, Mg abends |
Eisenpräparate | Gegenseitige Hemmung der Aufnahme | 2 Stunden | Eisen morgens nüchtern, Mg zum Essen |
Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) | Verminderte Hormonaufnahme | 4 Stunden | L-Thyroxin morgens, Mg mittags/abends |
Bisphosphonate | Stark reduzierte Wirkung | 2 Stunden | Medikament nüchtern, Mg später |
Calcium | Konkurrenz um Transporter | 1-2 Stunden | Kleine Dosen, über Tag verteilt |
Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker) können langfristig zu Magnesiummangel führen, da sie die Aufnahme im Darm verschlechtern [21]. Hier kann eine höhere Dosis oder die Umstellung auf Magnesiumglycinat sinnvoll sein, da es weniger auf Magensäure angewiesen ist.
Lebensmittel mit viel Magnesium
Eine ausgewogene Ernährung kann theoretisch den Magnesiumbedarf decken – praktisch schaffen das aber nur wenige Menschen. Die besten natürlichen Magnesiumquellen sind Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse. Das Problem: Moderne Anbaumethoden und ausgelaugte Böden führen zu sinkenden Magnesiumgehalten in Lebensmitteln. Studien zeigen, dass Gemüse heute bis zu 30% weniger Magnesium enthält als vor 50 Jahren [22]. Zudem hemmen Phytate in Vollkorn und Oxalate in Spinat die Aufnahme. Die tatsächlich verfügbare Menge liegt oft deutlich unter den Tabellenwerten.
Lebensmittel | Magnesium (mg/100g) | Portion | Mg pro Portion | Bioverfügbarkeit |
---|---|---|---|---|
Kürbiskerne | 535 | 30g (2 EL) | 160 | Mittel (Phytate) |
Kakao (schwach entölt) | 500 | 10g (1 EL) | 50 | Gut |
Sonnenblumenkerne | 420 | 30g | 126 | Mittel |
Cashewnüsse | 270 | 30g | 81 | Gut |
Mandeln | 260 | 30g | 78 | Gut |
Haferflocken | 140 | 50g | 70 | Mittel (Phytate) |
Spinat (gekocht) | 80 | 200g | 160 | Gering (Oxalate) |
Quinoa (gekocht) | 65 | 150g | 98 | Gut |
Vollkornbrot | 60 | 100g (2 Scheiben) | 60 | Mittel |
Banane | 30 | 120g (1 Stück) | 36 | Sehr gut |
Warum Ernährung oft nicht reicht
Selbst bei bewusster Lebensmittelauswahl erreichen viele Menschen die empfohlene Magnesiumzufuhr nicht. Die Nationale Verzehrsstudie II zeigte: 26% der Männer und 29% der Frauen in Deutschland unterschreiten die Empfehlungen [23]. Mehrere Faktoren erschweren die ausreichende Versorgung: Stress erhöht den Magnesiumverbrauch um bis zu 30%. Alkohol und Koffein fördern die Ausscheidung über die Nieren. Medikamente wie Diuretika oder Säureblocker verschlechtern die Aufnahme. Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn reduzieren die Resorption erheblich. Intensive körperliche Belastung führt zu Verlusten über den Schweiß – Ausdauersportler verlieren bis zu 20 mg Magnesium pro Liter. In solchen Situationen kann eine Ergänzung mit gut verträglichem Magnesiumglycinat sinnvoll sein.
Magnesiumglycinat Supplemente
Der Markt für Magnesiumglycinat-Präparate wächst stetig, und die Qualitätsunterschiede sind erheblich. Nicht alle Produkte enthalten das, was auf der Packung steht. Manche Hersteller mischen günstigeres Magnesiumoxid bei oder verwenden gepufferte Formen, die weniger gut verträglich sind. Die Darreichungsform spielt ebenfalls eine Rolle: Kapseln, Pulver und Tabletten haben jeweils Vor- und Nachteile. Wichtig ist auch die Reinheit – Schwermetalle und andere Verunreinigungen können bei minderwertigen Produkten zum Problem werden. Ein genauer Blick auf Inhaltsstoffe und Herstellerangaben lohnt sich.
Reines vs. gepuffertes Glycinat
Reines Magnesiumglycinat besteht ausschließlich aus der Chelat-Verbindung von Magnesium und Glycin. Gepuffertes Glycinat hingegen ist eine Mischung aus Magnesiumglycinat und Magnesiumoxid. Hersteller verwenden diese Kombination, um Kosten zu sparen – Oxid ist deutlich günstiger. Das Problem: Die Verträglichkeit leidet. Während reines Glycinat kaum Verdauungsbeschwerden verursacht, kann der Oxid-Anteil zu Durchfall führen. Auf der Packung steht oft nur „Magnesiumglycinat (gepuffert)“ im Kleingedruckten. Der Oxid-Anteil variiert zwischen 20% und 60%. Für Menschen mit empfindlichem Magen ist reines Glycinat die bessere Wahl, auch wenn es teurer ist.
Kapseln, Pulver, „Buffered“ Hinweise
Die verschiedenen Darreichungsformen haben spezifische Vor- und Nachteile:
Darreichungsform | Vorteile | Nachteile | Typische Dosierung | Preis pro 100mg Mg |
---|---|---|---|---|
Kapseln | Genau dosierbar, geschmacksneutral | Große Kapseln, teurer | 2-4 Kapseln täglich | 0,15-0,25€ |
Pulver | Flexible Dosierung, günstiger | Leicht süßlicher Geschmack | 1-2 Teelöffel | 0,08-0,15€ |
Tabletten | Kompakt, lange haltbar | Zusatzstoffe nötig | 1-3 Tabletten | 0,10-0,20€ |
Flüssig | Schnelle Aufnahme | Konservierungsstoffe, teuer | 10-20ml | 0,30-0,50€ |
„Buffered“ auf der Packung ist ein Warnsignal für Qualitätsbewusste. Es bedeutet immer eine Beimischung von Magnesiumoxid. Manche Hersteller kennzeichnen den genauen Anteil, andere verschweigen ihn. Im Zweifel beim Hersteller nachfragen oder ein anderes Produkt wählen.
Qualitätssiegel & Lab Reports
Seriöse Hersteller lassen ihre Produkte von unabhängigen Laboren testen. Achten Sie auf folgende Qualitätsmerkmale: GMP-Zertifizierung (Good Manufacturing Practice) garantiert standardisierte Herstellungsprozesse. Das Bio-Siegel ist bei Mineralstoffen nicht möglich, aber „aus natürlicher Quelle“ kann ein Qualitätsmerkmal sein. Wichtiger sind aktuelle Laboranalysen, die Reinheit und Gehalt bestätigen. Diese sollten auf Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber), mikrobiologische Reinheit und den tatsächlichen Magnesiumgehalt prüfen [24]. Vorsicht bei Produkten aus Fernost ohne nachvollziehbare Herkunft. Deutsche oder europäische Hersteller unterliegen strengeren Kontrollen. Manche Anbieter stellen Analysezertifikate online zur Verfügung – ein Zeichen von Transparenz.
Nebenwirkungen & Sicherheit
Magnesiumglycinat gilt als eine der sichersten Magnesiumformen. Dennoch können bei Überdosierung oder individueller Empfindlichkeit Nebenwirkungen auftreten. Die meisten Beschwerden sind mild und verschwinden nach Dosisanpassung. Ernsthafte Probleme sind selten und betreffen meist Menschen mit Vorerkrankungen. Die Nieren regulieren normalerweise den Magnesiumspiegel sehr effektiv – überschüssiges Magnesium wird einfach ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich jedoch Magnesium im Körper anreichern. Auch Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten erfordern Vorsicht. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist in solchen Fällen wichtig.
Mögliche Symptome bei Überdosierung
Die ersten Anzeichen einer Magnesium-Überdosierung sind meist harmlos. Ab etwa 300-400 mg supplementiertem Magnesium auf einmal kann weicher Stuhl auftreten – bei Glycinat ist diese Schwelle höher als bei anderen Formen [25]. Weitere mögliche Symptome bei hohen Dosen (über 600 mg täglich) umfassen: Müdigkeit und Muskelschwäche durch die muskelentspannende Wirkung, leichten Blutdruckabfall mit Schwindel beim Aufstehen, Übelkeit oder Bauchkrämpfe bei empfindlichen Personen. Sehr hohe Dosen über 1000 mg können zu ernsteren Symptomen führen: verlangsamter Herzschlag, Verwirrtheit, verminderte Reflexe. Eine echte Magnesiumvergiftung ist bei oraler Einnahme und gesunden Nieren praktisch unmöglich – der Darm begrenzt die Aufnahme automatisch.
Wer Rücksprache mit Arzt halten sollte
Bestimmte Personengruppen sollten vor der Einnahme von Magnesiumglycinat ihren Arzt konsultieren:
Risikogruppe | Grund für Vorsicht | Mögliche Probleme | Alternative |
---|---|---|---|
Nierenkranke (GFR <30) | Verminderte Ausscheidung | Magnesium-Anreicherung | Niedrige Dosis unter Kontrolle |
Herzrhythmusstörungen | Beeinflussung der Reizleitung | Bradykardie, AV-Block | EKG-Kontrolle |
Myasthenia gravis | Verstärkte Muskelschwäche | Verschlechterung der Symptome | Sehr vorsichtige Dosierung |
Schwangere | Unklare Datenlage bei hohen Dosen | Theoretische Risiken | Moderate Dosen (200-300mg) |
Antibiotika-Einnahme | Verminderte Wirkung | Therapieversagen | Zeitlicher Abstand |
Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min) müssen besonders vorsichtig sein. Ihre Nieren können überschüssiges Magnesium nicht ausreichend ausscheiden [26]. Auch bei der Einnahme von Herzmedikamenten wie Betablockern oder Calcium-Antagonisten ist Vorsicht geboten – die Kombination kann den Blutdruck zu stark senken.
FAQ zu Magnesiumglycinat
Die häufigsten Fragen zu Magnesiumglycinat drehen sich um praktische Aspekte der Einnahme und Unterschiede zu anderen Magnesiumpräparaten. Viele Menschen sind unsicher, welche Form für sie am besten geeignet ist und wie sie die richtige Dosis finden. Auch die Kombination mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln wirft Fragen auf. Die folgenden Antworten basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen. Bei speziellen gesundheitlichen Problemen sollte jedoch immer ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.
Ja, Magnesiumglycinat kann problemlos auf nüchternen Magen eingenommen werden. Im Gegensatz zu anderen Magnesiumformen verursacht es selten Magenbeschwerden. Die Chelat-Struktur schützt das Magnesium vor der Magensäure und verhindert Reizungen der Magenschleimhaut. Manche Menschen berichten sogar von besserer Aufnahme bei Einnahme ohne Nahrung. Falls doch leichte Übelkeit auftritt, hilft die Einnahme mit einem kleinen Snack. Die Aufnahme wird durch Nahrung nicht wesentlich beeinträchtigt – ein großer Vorteil gegenüber Magnesiumcitrat oder -oxid.
Die Wirkung hängt vom gewünschten Effekt ab. Bei akuten Muskelkrämpfen kann eine Besserung bereits nach 20-30 Minuten eintreten, da Magnesiumglycinat schnell aufgenommen wird. Für besseren Schlaf zeigen sich erste Effekte oft schon in der ersten Nacht, die volle Wirkung entwickelt sich aber über 1-2 Wochen. Bei chronischen Beschwerden wie Migräne oder PMS dauert es meist 4-8 Wochen regelmäßiger Einnahme, bis deutliche Verbesserungen spürbar sind [27]. Der Magnesiumspiegel in den Zellen normalisiert sich langsam – Geduld ist wichtig.
Beide Formen haben ihre Berechtigung, aber Magnesiumglycinat bietet mehrere Vorteile. Es wird besser vertragen und verursacht seltener Durchfall. Die Bioverfügbarkeit ist mit 20-23% etwas höher als bei Citrat (15-20%). Das enthaltene Glycin wirkt zusätzlich beruhigend und schlaffördernd. Citrat ist günstiger und kann bei Verstopfung hilfreich sein. Für Menschen mit empfindlichem Magen, Schlafproblemen oder dem Wunsch nach optimaler Verträglichkeit ist Glycinat die bessere Wahl. Citrat eignet sich bei gleichzeitiger Verstopfung oder kleinem Budget.
Die Kombination von Magnesiumglycinat mit Vitamin D ist nicht nur möglich, sondern sogar empfehlenswert. Magnesium wird für die Umwandlung von Vitamin D in seine aktive Form benötigt. Ohne ausreichend Magnesium kann der Körper Vitamin D nicht optimal nutzen [28]. Umgekehrt erhöht Vitamin D die Magnesiumaufnahme im Darm. Ideal ist die gemeinsame Einnahme mit etwas Fett, da Vitamin D fettlöslich ist. Viele Menschen nehmen morgens Vitamin D mit dem Frühstück und abends Magnesium für besseren Schlaf.
In 400 mg Magnesiumglycinat sind etwa 56 mg elementares Magnesium enthalten. Die Verbindung besteht zu 14% aus Magnesium, der Rest ist Glycin. Diese Information ist wichtig für die richtige Dosierung. Um beispielsweise 300 mg elementares Magnesium zu erhalten, benötigt man etwa 2140 mg Magnesiumglycinat. Seriöse Hersteller geben beide Werte auf der Packung an. Achten Sie beim Preisvergleich immer auf den Gehalt an elementarem Magnesium, nicht auf das Gesamtgewicht.
Ja, Magnesiumglycinat kann effektiv gegen Muskelkrämpfe helfen. Magnesium reguliert die Muskelkontraktion und -entspannung. Bei einem Mangel können sich Muskeln nicht richtig entspannen – Krämpfe entstehen. Studien zeigen, dass 300-400 mg Magnesium täglich die Häufigkeit von nächtlichen Wadenkrämpfen um bis zu 70% reduzieren können [29]. Die Wirkung setzt meist nach 1-2 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Bei akuten Krämpfen hilft zusätzlich die lokale Anwendung von Magnesiumöl. Wichtig: Häufige Krämpfe können auch andere Ursachen haben – bei anhaltenden Beschwerden zum Arzt gehen.
Fazit
Magnesiumglycinat stellt eine hochwertige Option für alle dar, die ihren Magnesiumspiegel auf sanfte Weise optimieren möchten. Die Kombination aus hoher Bioverfügbarkeit, ausgezeichneter Verträglichkeit und zusätzlichen Vorteilen durch das gebundene Glycin macht es zur ersten Wahl bei Schlafproblemen, Stress und Muskelverspannungen. Mit einer Aufnahmerate von 20-23% übertrifft es viele andere Magnesiumformen deutlich. Die chelierte Struktur ermöglicht die Passage durch den Magen ohne Beschwerden – selbst Menschen mit empfindlicher Verdauung vertragen es gut. Besonders wertvoll ist Magnesiumglycinat für Personen, die bei anderen Magnesiumpräparaten unter Durchfall leiden. Die wissenschaftliche Datenlage bestätigt die Wirksamkeit bei verschiedenen Beschwerdebildern, von Migräne über PMS bis zu Bluthochdruck. Bei der Auswahl sollte auf reine, ungepufferte Produkte geachtet werden, um die vollen Vorteile zu nutzen. Die höheren Kosten im Vergleich zu einfachen Magnesiumsalzen relativieren sich durch die bessere Wirkung und Verträglichkeit. Für eine optimale Versorgung empfiehlt sich die Einnahme von 200-400 mg täglich, aufgeteilt auf zwei Dosen.
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