Aminosäuren-Kapseln und Tabletten

Aminosäuren sind wichtige Bausteine des Lebens und werden im menschlichen Körper für die Produktion von Proteinen sowie für viele weitere Prozesse benötigt. Einige kann der Organismus selbst produzieren, andere Aminosäuren werden über die Nahrung aufgenommen. In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, den Bedarf durch Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten zu decken. In diesem Fall ist es jedoch wichtig, sich vorab mit den wesentlichen Funktionen dieser lebensnotwendigen Verbindungen und weiteren Fakten wie Einnahme und Dosierung, Wirkungsweisen, möglichen Nebenwirkungen und weiteren Fakten zu beschäftigen.

Was sind Aminosäuren?

Aminosäuren sind organische Verbindungen, die aus mindestens einer Carboxylgruppe (-COOH) sowie mindestens einer Aminogruppe (-NH2) bestehen. Umgangssprachlich wird diese Bezeichnung in erster Linie für die proteinogene Aminosäuren verwendet, die wesentliche Bausteine der Proteine von Lebewesen sind. Den 20 kanonischen Aminosäuren oder auch Standardaminosäuren kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie als unverzichtbare Bausteine für natürlich vorkommende Proteine aller bekannten Lebewesen fungieren:

  • Alanin
  • Arginin
  • Asparagin
  • Asparaginsäure
  • Cystein
  • Glutamin
  • Glutaminsäure
  • Glycin
  • Histidin
  • Isoleucin
  • Leucin
  • Lysin
  • Methionin
  • Phenylalanin
  • Prolin
  • Serin
  • Threonin
  • Tryptophan
  • Tyrosin
  • Valin

Aminosäuren und ihre Funktionen im menschlichen Körper

Der menschliche Organismus nutzt die 20 kanonischen Aminosäuren sowie Selenocystein. Diese 21 proteinogenen Aminosäuren sind die Basis der Proteine und übernehmen vielfältige Aufgaben, dazu gehören insbesondere:

  • Bausteine für körpereigene Proteine
  • Bausteine für Antikörper, Enzyme, Hormone
  • Beteiligung am Aufbau von Muskeln, Haaren, Organen, Knorpeln, Bindegewebe und Hautzellen
  • Schutz- und Stützfunktion, verleihen Zellen Struktur
  • Beteiligung an Erneuerung der Zellsubstanz
  • Beteiligung an Wasserbindung und Wassertransport
  • Beteiligung am Transport von Sauerstoff, Nährstoffen und Hämoglobin

Einen Teil der 21 proteinogenen Aminosäuren kann ein gesunder Körper selbst synthetisieren, sie sind daher als nicht-essenziell klassifiziert:

  • Alanin
  • Asparagin
  • Asparaginsäure
  • Glutaminsäure
  • Glycin
  • Prolin
  • Serin
  • Selenocystein

Essenzielle Aminosäuren sind Verbindungen, die der menschliche Organismus nicht selbst synthetisieren kann und daher auf die Zufuhr über die tägliche Nahrungsaufnahme angewiesen sind. Die essenziellen Aminosäuren sind:

  • Isoleucin
  • Leucin
  • Lysin
  • Methionin
  • Phenylalanin
  • Threonin
  • Tryptophan
  • Valin

Histidin ist für Säuglinge ebenfalls essenziell, bei Erwachsenen ist diese Einstufung jedoch aufgrund körpereigener Vorräte und weiterer Aspekte umstritten. Diese Aminosäure wird daher je nach Quelle als essenziell oder semi-essenziell angesehen. Die Verbindungen Arginin, Cystein, Glutamin und Tyrosin sind als semi-essenzielle Aminosäuren eingestuft. Sie sind in erster Linie in bestimmten Situationen oder Lebensabschnitten wichtig, beispielsweise bei Infekten, Stoffwechselerkrankungen, Verletzungen, Stress und hoher körperlicher bzw. geistiger Anstrengung.

Wie wirken Aminosäuren-Kapseln?

Mit der Nahrung aufgenommene Proteine pflanzlichen oder tierischen Ursprungs werden im Darm aufgeschlossen, die synthetisierten Aminosäuren gelangen anschließend über den Blutkreislauf in die Leber. Im weiteren Verlauf werden Sie zum Aufbau körpereigener Proteine verwendet.

Falls eine ausreichende Versorgung über die Nahrung nicht gegeben ist oder ein erhöhter Bedarf besteht, greifen viele Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten. Diese Präparate sollen meist einen erhöhten Bedarf oder einen Mangel ausgleichen und dem Körper essenzielle Aminosäuren in unterschiedlichen Zusammensetzungen zuführen. Welche Präparate geeignet sind, hängt maßgeblich vom vorgesehenen Einsatzzweck ab, beispielsweise einem bestimmten Mangel oder der Supplementierung bei sportlicher Aktivität.

Aminosäuren-Tabletten: Inhalts- und Zusatzstoffe auf einen Blick

Erhältlich sind Präparate als Kapseln oder Tabletten, die mit einzelnen Aminosäuren oder diversen Kombinationen explizit auf bestimmte Anforderungen abgestimmt wird. Die Inhalts- und Zusatzstoffe variieren, in der Regel liegt der Fokus auf den essenziellen und semi-essenziellen Aminosäuren, teilweise sind auch zusätzlich bestimmte Vitamine enthalten. Der nachfolgende Überblick zeigt die wichtigsten Aminosäuren und Kombinationen sowie die jeweils beabsichtigte Wirkung auf:

Idealerweise sind in den Kapseln und Tabletten ausschließlich die gewünschten Inhaltsstoffe enthalten. Neben den Inhaltsstoffen sind in der Beschreibung zusätzlich bestimmte Zusatzstoffe aufgeführt, die insbesondere bei Unverträglichkeiten oder für Veganer und Vegetarier relevant sein können:

Kapselhülle bei Kapseln

Die Kapselhülle besteht in der Regel aus Gelatine, Cellulose, Pullulan oder Carrageen. Die aus Rindergelatine hergestellten Kapselhüllen kommen aufgrund der vergleichsweise günstigen Herstellungskosten häufig bei Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz. Aufgrund der steigenden Nachfrage sind inzwischen vermehrt pflanzliche Kapselhüllen zu finden, die meist aus natürlicher Cellulose bestehen. Meist nutzen die Hersteller Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC). Dieser Grundstoff ist auch unter der Bezeichnung E 464 bekannt und steht im Labor aus Cellulose und der heterocyclischen organischen Verbindung Propylenoxid. Natürliche Zellulose (E 460) gewinnen die Hersteller aus gemahlenen Pflanzenfasern, die bei der Baumwollverarbeitung anfallen. Falls das Endprodukt aus gentechnisch veränderter Baumwolle gewonnen wurde, besteht eine Kennzeichnungspflicht. Pullulan (E 1204) ist ein wasserlösliches Polysaccharid und wird mittels eines Schimmelpilzes (Aureobasidium pullulans) aus hydrolysierter Stärke fermentiert. Das aus Rotalgen gewonnene Carrageen (E 407) wird in Verbindung mit Kartoffel- oder Maisstärke überwiegend für Weichkapseln verwendet.

Trennmittel und Füllstoffe

Pharmazeutische Hilfsstoffe binden die einzelnen Bestandteile, geben den Aminosäuren-Tabletten ihre Form und begünstigen bei der Herstellung von Tabletten eine gleichmäßige Verteilung der Wirkstoffe. Trennmittel sollen bei der Produktion von Tabletten dazu beitragen, dass sich Tabletten nach der Fertigung von der Form lösen. Laktose ist ein bekannter Füllstoff und kam in der Vergangenheit häufiger zum Einsatz. Dieser Milchzucker wird aus Molke gewonnen, ist somit nicht vegan und bereitet auch laktoseintoleranten Menschen möglicherweise Probleme. Inzwischen wird dieser Hilfsstoffe daher immer mehr von anderen Trägerstoffen verdrängt, dazu zählen beispielsweise Stärke, Maltodextrin und Glukose.

Wann ist die Einnahme von Aminosäuren-Kapseln sinnvoll?

In den westlichen Industrieländern ist bei ausgewogener Ernährung in der Regel eine ausreichende Versorgung gegeben, in bestimmten Fällen kann jedoch ein Mangel oder ein erhöhter Bedarf bestehen. Ein Kohlenhydrat- und Proteinmangel kann Störungen des Aminosäurenstoffwechsels zur Folge haben und langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen. Häufige Gründe sind einseitige Ernährung, Extremdiäten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Alkoholmissbrauch oder Erkrankungen. Ein erhöhter Bedarf kann beispielsweise vorliegen:

  • bei Profisportlern sowie Kraft- und Ausdauersportlern und anderen intensiv betriebenen Sportarten
  • nach einer Muskelverletzung erfordert der Heilungsprozesse eine höhere Aufnahme von Aminosäuren
  • in Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Senioren aufgrund veränderten Ernährungsgewohnheiten (Kalorienbedarf sinkt, Protein- und Aminosäurenbedarf bleibt gleich)

Für wen sind Aminosäuren-Tabletten besonders gut geeignet?

Liegt ein Mangel vor oder besteht aus bestimmten Gründen ein erhöhter Bedarf, der sich nicht in ausreichendem Maße über die Nahrung decken lässt, kann im Einzelfall die Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten empfehlenswert sein. Da Aminosäuren lebensnotwendig sind, ist die Supplementierung bei einem bestehenden Mangel grundsätzlich zu empfehlen. Bei mangelnder Aminosäurenversorgung nutzt der Organismus körpereigenes Protein, um Aminosäuren zu generieren. Es können zudem Mangelerscheinungen auftreten, dazu gehören beispielsweise:

  • Muskelschwäche und schwindende Muskelmasse
  • Antriebslosigkeit, deutlicher Leistungsabfall
  • Müdigkeit und Erschöpfungszustände
  • Haarausfall
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Gewichtszunahme
  • Infektanfälligkeit
  • Gelenkbeschwerden
  • Blutzuckerschwankungen
  • Schilddrüsenprobleme

Selbst wenn der Mangel nur eine Aminosäure betrifft, kann sich dies bereits negativ auf die Produktion der Proteine auswirken. Bestimmte Risikogruppen sind besonders häufig von einem Aminosäurenmangel betroffen, der in manchen Fällen selbst bei optimaler Nahrungsaufnahme auftreten kann. Dazu zählen insbesondere Schwangere und Stillende, unter hohem Stress stehende Personen, Veganer und Vegetarier, Senioren sowie chronisch Kranke. Die Einnahme von Aminosäuren-Kapseln kann einen bestehenden Mangel ausgleichen und bereits bestehende Symptome lindern, mit der Zeit können diese sogar ganz verschwinden.

Sportler

Profisportler, Bodybuilder und Kraftsportler nehmen häufig Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten ein, weil sie sich von der Supplementierung positive Effekte auf den Muskelaufbau, den Energiehaushalt sowie die Knochen- und Muskelgesundheit versprechen. Insbesondere folgende Aminosäuren sind bei diesen Sportlern beliebt:

  • BCAA für die Energiegewinnung, den Muskelaufbau und den Muskelerhalt
  • Arginin für bessere Durchblutung und gesunden Muskelaufbau
  • Carnitin für schnellere Muskelregeneration und erhöhte Fettverbrennung

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist für einen gesunden Erwachsenen die tägliche Zufuhr folgender essenzieller Aminosäuren empfehlenswert (Tagesration in Milligramm):

  • Histidin 10 mg
  • Isoleucin 20 mg
  • Leucin 39 mg
  • Lysin 30 mg
  • Methionin 15 mg
  • Phenylalanin 25 mg
  • Threonin 15 mg
  • Tryptophan 4 mg
  • Valin 26 mg

Tierisches Protein oder doch lieber Veganes?

Da tierisches Protein dem menschlichen Eiweiß grundsätzlich ähnelt, gilt es als besser verwertbar. Tierische Quellen mit hohem Proteingehalt sind beispielsweise Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Innereien, Hartkäse und Quark. Bei pflanzlicher Kost gelten insbesondere Hülsenfrüchte wie Soja, Linsen oder Kichererbsen sowie Vollkorngetreide, Nüsse und Saaten als Hauptlieferanten. Für die ausreichende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren aus pflanzlichen Quellen ist im Vergleich zu tierischen Proteinquellen in der Regel eine erhöhte Aufnahme proteinreicher Nahrung erforderlich. Veganer und Vegetarier verzichten auf Fleisch und tierische Produkte, im Vergleich zu Fleischessern nehmen Sie daher potenziell weniger Aminosäuren auf, wie in dieser Britischen Studie aus dem Jahr 2016 ersichtlich ist. Dabei zeigte sich, dass beispielsweise meist eine zu geringe Aufnahme von Methionin und Tryptophan erfolgte. Insbesondere die Lysinwerte von Veganern sind laut dieser Studie erstaunlich niedrig, im Schnitt sind sie 50 Prozent niedriger als bei Fleischessern.

Veganern, Vegetariern und zu einer der Risikogruppen zählenden Personen sowie bei einseitiger Ernährung ist grundsätzlich ein Arztbesuch zu empfehlen. Mittels Aminosäurendiagnostik (Aminogramm) wird bestimmt, ob ein Mangel vorliegt und somit die Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten anzuraten ist. Nach der Blutabnahme wird die Probe zur Untersuchung an ein spezielles Labor geschickt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Untersuchung keine Kassenleistung ist und somit selbst gezahlt werden muss. Diese Untersuchung ist die Basis für eine effektive Therapie bei einem vorliegenden Mangel, da die Gabe fehlender Aminosäuren den Gesundheitszustand im Einzelfall deutlich verbessern und auftretende Mangelerscheinungen mildern kann.

Wer sollte lieber keine Aminosäuren-Tabletten zu sich nehmen?

Bei gesunden Menschen ist die Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Tabletten in der Regel nicht erforderlich. Gesunde Ernährung und ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot bieten beste Voraussetzungen, damit es nicht zu mangelnder Versorgung kommt. Auch bei Freizeitsportlern ist in der Regel keine zusätzliche Einnahme erforderlich, da viele sportliche Personen einen erhöhten Bedarf in der Regel bereits durch die Einnahme von Proteindrinks und ähnlichen Produkten decken können. Selbst der erhöhte Bedarf von Ausdauersportlern kann durchaus mittels ausgewogener Ernährung gedeckt werden. Durch anstrengende Trainingseinheiten und Wettkämpfe kann der Aminosäurengehalt zwar sinken, ein Abbauprozess der Muskulatur ist in den meisten Fällen jedoch nicht zu befürchten. Einige Studien verweisen darauf, dass Sportler durch den Genuss proteinreicher Lebensmittel eine ausreichende Aminosäurenzufuhr erhalten. Auch die Stiftung Warentest kam im Jahr 2020 zu dem Schluss, dass eine zusätzliche Einnahme für Hobbysportler nicht erforderlich ist.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Bei normalem Stoffwechsel und unter Beachtung der Einnahmeempfehlungen von Herstellern und Ärzten treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf. In seltenen Einzelfällen können allerdings durchaus Beschwerden auftreten. Dies ist beispielsweise bei vorliegenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten der Fall, sofern die Kapseln oder Tabletten bestimmte Füllstoffe (z. B. Laktose) enthalten. Typisch sind in diesem Fall Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Erbrechen. Treten nach der Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Tabletten Beschwerden auf, sollte die weitere Einnahme unterbleiben und zusätzlich zur Sicherheit ein Arzt konsultiert werden. Laut einem Hinweis des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es Hinweise, dass eine erhöhte Aufnahme von BCAA (Leucin, Isoleucin und Valin) in isolierter Form möglicherweise gesundheitliche Risiken birgt, die in erster Linie nicht erwünschte Veränderungen von einzelnen Laborparametern betreffen (z. B. Ammoniakblutspiegel). Aufgrund der dünnen Datenlage ist eine abschließende wissenschaftliche Bewertung möglicher Nebenwirkungen nach derzeitigem Stand jedoch nicht möglich.

Welche Nebenwirkungen sind bei Aminosäuren Tabletten möglich?

Der in vielen Kapseln oder Tabletten enthaltene Zusatzstoff HPMC (E 464) gilt zwar als unbedenklich, bei Einnahme von größeren Mengen kann sich jedoch vereinzelt eine abführende Wirkung zeigen. Auch grundsätzlich ist eine Überdosierung von Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten keinesfalls empfehlenswert. In Einzelfällen kann eine zu hoch dosierte Einnahme über einen längeren Zeitraum möglicherweise zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Grundsätzlich hängen mögliche Nebenwirkungen aufgrund einer Überdosierung von der jeweiligen Aminosäure ab. Die folgende Aufstellung zeigt, mit welchen Beschwerden beispielsweise zu rechnen ist:

  • Leucin: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall etc.
  • Isoleucin: Umwandlung in Speicherfett (bei gesunden Menschen)
  • Lysin: schwankender Blutzucker, Nierenfunktionsstörungen etc.
  • Methionin: Schwindel, Übelkeit, Durchfall etc.
  • Phenylalanin 25 mg/kg Körpergewicht Nierenfunktionsstörung
  • Threonin: hohe Harnsäurewerte (begünstigen langfristig die Entstehung von Gicht)
  • Tryptophan: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen etc.
  • Valin: gestörter Neurotransmitterhaushalt

Es besteht der Verdacht, dass eine zu hohe Dosierung von BCAA bei langfristiger Einnahme die Tryptophan-Konzentration negativ beeinflussen kann. Tryptophan ist an der Regulierung des Neurotransmitters Serotonin beteiligt, der insbesondere das Wohlbefinden, den Appetit und den Schlafzyklus beeinflusst. Bei einer Überdosierung von BCAA kann es aufgrund verminderter Tryptophan-Konzentration zu einem nachteiligen Effekt auf den Serotoninspiegel kommen. Wissenschaftliche Studien zur langfristigen Einnahme liegen nach derzeitigem Stand allerdings noch nicht vor.

Sind Wechselwirkungen mit Medikamenten oder anderen Wirkstoffen möglich?

In bestimmten Fällen kann es zu Wechselwirkungen kommen, die sich beispielsweise als Abschwächung oder Verstärkung der Arzneimittelwirkung zeigen kann. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass manche Medikamente wirkungslos werden. Eine Wechselwirkung kann zum Beispiel bei gleichzeitiger Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Tabletten und serotonergen Arzneimitteln auftreten, die den Abbau von Serotonin im Gehirn verlangsamen sollen. Kommt es durch diese Kombination in der Folge zu einer erhöhten Serotonin-Produktion, kann es in der Folge zu einem lebensbedrohlichen Serotonin-Syndrom kommen. Die Nebenwirkungen reichen in diesem Fall von hohem Blutdruck über Muskelkrämpfe bis zum Kreislaufversagen. Die Einnahme von Präparaten mit Tryptophan sollte in diesem Fall daher unbedingt unterbleiben.

Die häufig bei Parkinson verschriebenen Mao-Hemmer führen in Verbindung mit Tyramin zu Wechselwirkungen. Letzteres ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Tyrosin. Es kann zu einer übermäßigen Freisetzung von Noradrenalin und in der Folge zu hohem Blutdruck und weiteren Nebenwirkungen kommen. Diese beiden Beispiele sind lediglich stellvertretend für mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen, es kann daher auch bei anderen Arzneimitteln zu ernsten Wechselwirkungen kommen. Vor der Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Aminosäuren-Tabletten ist daher eine Beratung durch den Hausarzt anzuraten. Neben der Bestimmung eines möglichen Mangels kann der Mediziner mögliche Wechselwirkungen bei regelmäßig eingenommenen Medikamenten einschätzen.

Anwendung und Dosierung von Aminosäuren-Kapseln und Tabletten

Empfehlungen zum täglichen Bedarf sind grundsätzlich als Richtwerte zu betrachten, im Einzelfall kann bei bestimmten Risikogruppen eine höhere Dosierung angezeigt sein. In diesem Fall entscheidet grundsätzlich der behandelnde Arzt über Anwendung und Dosierung. Die Präparate enthalten in der Regel unterschiedliche Aminosäuren, die genau aufeinander sowie auf den Bedarf eines gesunden Erwachsenen abgestimmt sind. Grundsätzlich bei der Einnahme von Aminosäuren-Kapseln oder Tabletten zudem die Herstellerangaben beachtet werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Wann ist mit einer Wirkung zu rechnen?

Studien zum Wirkungseintritt bei Einnahme von Aminosäuren-Tabletten oder Kapseln liegen nicht vor. Eine messbare Konzentration im Blut zeigt sich bereits rund 30 bis 90 Minuten nach der Einnahme, da die Aminosäurenkonzentration ansteigt. Sichtbare Erfolge zeigen sich in dieser kurzen Zeit allerdings noch nicht. Im Sportbereich ist häufig von einer Einnahmeempfehlung von etwa 30 bis 60 Minuten vor Beginn des Trainings zu hören. Viele Hersteller schätzen, dass bei kontinuierlicher Einnahme gemäß empfohlener Dosierung nach rund ein bis drei Wochen oder mehr eintreten.

Weshalb könnte eine Wirkung ausbleiben?

Stellt sich auch nach mehrwöchiger Einnahme keine Wirkung ein, kann dies unterschiedliche Ursachen haben. Möglich sind beispielsweise eine zu geringe Dosierung oder eine Wechselwirkung mit bestimmten Arzneimitteln. Weiterhin ist explizit darauf hinzuweisen, dass die Wirksamkeit von Aminosäuren-Präparaten bisher nicht durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen ist.

Wo sind Aminosäuren-Tabletten und Kapseln erhältlich?

Aminosäuren-Präparate sind in Apotheken, im Supermarkt, in Drogerien oder im Sportfachhandel erhältlich. Die größte Auswahl gibt es im Internet, neben Online-Apotheken gibt es hier auch ein breites Angebot an Onlineshops, die Tabletten oder Kapseln in unterschiedlichen Kombinationen und Mengen anbieten.

Wie teuer sind Aminosäuren-Kapseln in der Regel?

Durchschnittliche Preisangaben sind aufgrund der großen Bandbreite an unterschiedlichen Präparaten, Mengen und Kombinationen und der damit verbundenen Preisgestaltung unterschiedlicher Hersteller kaum möglich. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Angebote in Supermärkten, Drogerien und Onlineshops im direkten Vergleich zu den in Apotheken erhältlichen Präparaten deutlich günstiger sind.

Wichtige Kaufkriterien im Überblick

Der Kaufpreis sollte nur zweitrangig betrachtet werden, da bestimmte Kaufkriterien deutlich entscheidender sind. Kaufinteressenten sollten insbesondere auf folgende Aspekte achten:

Aminosäuren-Kombination

Nicht immer ist die Einnahme aller essenziellen und semi-essenziellen Aminosäuren empfehlenswert oder notwendig. Wichtig ist in erster Linie eine auf den individuellen Bedarf abgestimmte Zufuhr. Entscheidend sind diesbezüglich insbesondere das Alter, sportliche Aktivität und mögliche Erkrankungen.

Inhaltsstoffe

Ein Blick auf die Zusammensetzung bringt meist Klarheit und zeigt, ob im jeweiligen Präparat beispielsweise möglicherweise Allergene oder bestimmte Zusätze enthalten sind. Dies ist insbesondere bei Allergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit empfehlenswert. Veganer und Vegetarier erhalten Gewissheit, dass keine tierischen Rückstände enthalten sind.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ein günstiger Preis ist nicht das wichtigste Auswahlkriterium und ein teures Produkt ist nicht automatisch empfehlenswert. Grundsätzlich ist beim Kauf auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis zu achten, bei dem in erster Linie eine gute Produktqualität, die Reinheit der Inhaltsstoffe und der Gehalt im Vordergrund stehen.

Gibt es gute Alternativen zu Aminosäuren-Tabletten?

Bei gesunden Menschen reicht in der Regel eine bewusste und abwechslungsreiche Ernährungsweise aus, um den täglichen Bedarf zu decken. Insbesondere proteinreiche Lebensmittel fördern die Zufuhr wichtiger Aminosäuren:

  • Lysin: z. B. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Tofu
  • Leucin: z. B. Vollkornprodukte, fetter Fisch (Lachs), Milchprodukte, Nüsse, Hähnchenbrust, Erbsen Protein Pulver
  • Methionin & Cystein: z. B. Thunfisch, Fleisch, Nüsse, Saaten, Hartkäse
  • Phenylalanin & Tyrosin: z. B. Fleisch, Fisch, Soja, Whey Protein Isolat
  • Tryptophan: z. B. Nüsse, Käse, Soja, Fleisch, Fisch, Whey Protein

Pflanzliche und tierische Proteine sind wesentliche Quellen für essenzielle und semi-essenzielle Aminosäuren.

Fazit

Gesunde Menschen können ihren Bedarf an Aminosäuren in der Regel problemlos durch eine abwechslungsreiche Ernährung decken. Für Risikogruppen wie chronisch Kranke, Schwangere und Stillende, Veganer und Vegetarier oder Senioren ist die Einnahme von Aminosäuren-Tabletten oder Aminosäuren-Kapseln durchaus sinnvoll. Die Präparate können einen bestehenden Mangel ausgleichen und die damit verbundenen Beschwerden reduzieren. Mögliche Nebenwirkungen sind in der Regel nicht zu erwarten, sofern die empfohlene Dosierung beachtet wird. Wenn jedoch regelmäßig Arzneimittel eingenommen werden, ist hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu empfehlen.