AFA-Alge

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AFA-Alge Pulver

Die blaugrüne Süßwasseralge wird als grünes Manna, Wunderwaffe der Natur und Urnahrung angepriesen. Die AFA-Alge ist als Tablette und als Pulver erhältlich und soll gegen zahlreiche Krankheiten und sogar beim Abnehmen helfen können. Im Internet kursieren zwar viele Informationen über die AFA-Alge, doch nicht alle Aussagen sind auch wissenschaftlich belegt. So gibt es auch einige Experten, die an den positiven Effekten zweifeln und den Nährstoffgehalt der AFA-Alge als stark überbewertet bezeichnen. Was ist aber die Wahrheit? Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen rund um die berühmte Süßwasseralge geklärt.  

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Zuletzt aktualisiert am 18. April 2024 um 9:36 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
AFA-Alge Pulver

Was ist die AFA-Alge überhaupt und was macht sie so besonders?

Die sogenannte „Aphanizomenon flos-aquae“ (kurz AFA) wird auf Deutsch als „Grüne Spanalge“ bezeichnet und zählt zu den Cyanobakterien. Volkstümlich werden sie auch blaugrüne oder blaue Uralgen genannt. AFA stammt ebenso wie die grünen Chlorella-Mikroalgen und die bekannten Spirulina (ebenfalls Cyanobakterien) aus dem Süßwasser.

Anders als diese wird die AFA-Alga jedoch wild aus Bergseen geerntet und nicht gezüchtet. So kommt es oft vor, dass die Bezeichnung Bio-AFA-Alge genutzt wird, obwohl sie weder nach EU-Bioverordnung erlaubt noch gerechtfertigt ist. 

Zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln wird die AFA-Alge zunächst gesammelt, gewaschen und gefiltert. Anschließend wird sie luft-, gefrier- oder sprühgetrocknet. Die fertigen Produkte aus AFA-Algen werden anschließend als Tabletten oder Pulver auf dem Markt angeboten. Diese Produkte kosten bei einer Tagesdosis von 1,5 g zwischen 1,10 und 1,50 €.

Ähnlich wie bei anderen Mikroalgen und Cyanobakterien sind auch in der AFA-Alge folgende Inhaltsstoffe enthalten:

Der Rest verteilt sich auf sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, wobei die Angaben je nach Hersteller erheblich schwanken können. Der Jodgehalt ist sehr gering (ca. 1 µg pro g), da AFA aus einemBinnenseeund Süßwasser stammt.

Der Energiegehalt beträgt ca. 260 kcal / 100 g. Oft wird ein besonders hoher Gehalt an Vitamin-B12 herausgestellt, jedoch liegt dieses überwiegend in einer Form vor, die vom menschlichenOrganismus nicht verwertet werden kann.

Daneben wird der Gehalt der Omega-3-Fettsäuren alpha-Linolensäure und Docosahexaensäure (DHA) hervorgehoben. Die letztere ist eine seltene Omega-3-Fettsäure, die für die Nervensystem-, Augen- und Gehirnentwicklung von Babys essentiell ist. DHA ist ansonsten vor allem in fettem Meeresfisch enthalten.

Leider gibt kein Anbieter genau an, wie viel von der DHA-Säure in den AFA-Produkten enthalten ist. Solche Aussage zu DHA sind aber ohne eine Angabe der Menge nicht zulässig. Der angeblich hohe DHA-Gehalt ist daher kein Grund für den Verzehr durch Stillende oder Schwangere. Ein hoher DHA-Gehalt kommt vermutlich weniger in AFA-Algen und vielmehr in Meeres-Mikroalgen wie Ulkenia und Schichozytrium vor.

Hinweis: Reichlich Omega-3-Fettsäuren gibt es in Fischen wie Makrele, Hering oder Lachs sowie in Leinsamen, Walnüssen und deren Ölen. DHA-reiche Mikroalgenöle oder Perilla-Öl sind weitere Quellen.

Das gilt bei AFA-Nahrungsergänzungsmitteln zu beachten

  • Hinweise auf der Verpackung sollten klar aussagen, dass das jeweilige AFA-Produkt frei von Verunreinigungen (wie schädlichen Bakterien-Kontaminationen, Schwermetallen oder Microcystinen) ist bzw. regelmäßig darauf kontrolliert wird. Bei fehlenden Hinweisen sollte beim Hersteller nachgefragt und um Untersuchungsergebnisse gebeten werden. Erst wenn dies gewährleistet ist, dürfen die jeweiligen AFA-Produkte bedenkenlos verzehrt werden.
  • Cyanobakterien kommen in vielen Oberflächengewässern vor – auch in Deutschland. Viele vonihnen produzieren Cyanotoxine (Mikrocystine). Es handelt sich dabei um Giftstoffe, die bei der Freizeitnutzung von Gewässern eine Gefährdung für die Gesundheit darstellen können, aber auch bei der Trinkwasseraufbereitung manchmal besondere Aufmerksamkeit erfordern. Das gilt insbesondere für AFA aus Oregon (USA) und dem Klamath-See.
  • Menschen, die an Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lupus oder Multiple Sklerose leiden, sollten auf den Verzehr von AFA verzichten, da die Erkrankung dadurch verschlimmert werden kann. Das hängt möglicherweise mit den einzunehmenden Medikamenten und möglichen Wechselwirkungen zusammen. Schon sehr kleine Mengen von Mikrocystinen können Einfluss auf den Stoffwechsel der entzündungsfördernden Arachidonsäure haben.
  • Grundsätzlich sollten Kinder keine AFA-Produkte zu sich nehmen. Schwangere und Stillende sollten sicherheitshalber ebenfalls darauf verzichten.
  • Es sind Wechselwirkungen mit Medikamenten wie bestimmten Schmerzmitteln, Blutgerinnungshemmers und Immunsuppressiva möglich. Daher sollte vor dem Verzehr von AFAder zuständige Arzt oder Apotheker um Rat gefragt werden.
  • Es sollte die genaue Dosierangabe beachtet werden, wobei die angegebene Tagesmenge bei 1,5 bis 2 g liegt. Pauschale Angaben wie 6-8 Tabletten sind deshalb nicht akzeptabel.
  • Im Vertrauen auf die „Heilkraft der AFA-Algen“ sollten keinesfalls ärztlich verordnete medikamentöse Therapien oder notwendige ärztliche Behandlungen zugunsten der Einnahme von AFA-Produkten abgebrochen werden.

Was versprechen Werbungen zu AFA-Produkten?

Die AFA-Alge, auch bekannt als blaugrüne Alge oder BlueGreen Alge aus dem Klamath-SeeinOregon (USA), wird insbesondere im Internet als besonders gesundheitsförderlich beschrieben. Den AFA-Produkten werden auch heilende Wirkungen nachgesagt. Sie werden als BrainFood und Nahrungsmittel der Superlative mit zahlreichen Nährstoffen und als das vitalstoffreichste natürliche Lebensmittel bezeichnet.

Laut Werbung sollen AFA-Produkte bei folgenden Problemen und Beschwerden helfen:

  • Zahnfleischbluten
  • Verstopfung
  • Muskelabbau
  • Krebs
  • Immunschwäche
  • Hautprobleme
  • Haarausfall
  • Gewichtsprobleme
  • Faltenbildung
  • Candida-Befall
  • Allergien
  • Vorzeitige Alterung
  • Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche
  • Suchtprobleme
  • PMS

Die zu den Cyanobakterien zählenden AFA sollen als kraftvolle Antioxidantien das Immunsystem stärken, vor Umweltgiften schützen und davon befreien. Schwermetalle wie Blei aus Trinkwasser oder Quecksilber aus Amalgamplomben sollen durch bestimmte AFA-Aminosäuren gebunden und ausgeschieden werden. Doch solche Behauptung sind juristisch gesehen irreführend, da die wissenschaftlichen Belege dafür fehlen.

AFA-Algen sind kein geeignete Vitamin B12 Quelle

Insbesondere das Vitamin B12 ist in allen tierischen Lebensmitteln enthalten und somit kein seltenes Vitamin. Nur vegan Essende haben ein Problem mit einer geringen Zufuhr von Vitamin B12. AFA-Algen können zwar das Vitamin B12 selbst produzieren, jedoch handelt es sich hierbei weitestgehend um eine für den Menschen nicht nutzbare Form des Vitamins, so das Max-Rubner-Institut. Also sind AFA-Nahrungsergänzungsmittel keine geeignete B12-Quelle für menschlichen Organismus.

AFA-Algen sind kein Ersatz für Methylphenidat

AFA-Produkte werden auch immer wieder als natürliche Alternativen zu einer ärztlich verordneten Behandlung mit Medikamenten mit dem Wirkstoff Methylphenidat angepriesen, die bei neurologischen Störungen, Demenzerkrankungen und Depressionen zum Einsatz kommen. Doch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin warnen, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege für derartige medizinische Wirkungen der AFA-Nahrungsergänzungsmittel gibt.             

Abgesehen davon, dass es an wissenschaftlich belegten Wirknachweisen für diese Behauptungen fehlt, sind Nahrungsergänzungsmittel auch nicht dazu bestimmt, Erkrankungen zu therapieren oder zu heilen. Dafür wird ausschließlich der Einsatz von verschriebenen und pharmakologisch getesteten Arzneimitteln empfohlen. Kein Cyanobakterien-haltiges Präparat ist in Deutschland als Arzneimittel zur Therapie von Krankheiten zugelassen.

Gesundheitsbezogene Aussagen sind für Nahrungsmittel und damit in Verbindung auch für Nahrungsergänzungsmittel nur dann erlaubt, wenn sie ausdrücklich von der EU zugelassen sind. Laut EU-Register sind gesundheitsbezogene Aussagen für AFA weder beantragt noch zugelassen.

Sind AFA-Algen nun (k)ein Wundermittel?

Von Zeit zu Zeit kommt regelmäßig ein angebliches Wundermittel auf den umstrittenen Markt – ob neuartige Algen, Wunderpilze oder allheilende Pflanzen. Es können jedoch nicht alle neuartigen Produkte ein Wundermittel sein. Solche „revolutionären“ Produkte gehen meistens ein paar Monate durch die Presse und geraten bald wieder in Vergessenheit.

Deshalb sollte sich jeder genau darüber informieren, sich eine Meinung bilden und erst dann entscheiden, ob das jeweilige Produkt tatsächlich für die beworbenen Vorteile geeignet ist. Bei AFA-Algen handelt es sich nämlich um kein Wundermittel, wie es so gerne beworben wird, aber dennoch sind zahlreiche Bestandteile darin enthalten, die sich positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken können. Allerdings ist das noch weit von einem Zaubermittel entfernt. Nehmen wir aber die Inhaltsstoffe der vielversprechenden Alge nun genauer unter die Lupe.

Welche Inhaltsstoffe sind in der AFA-Alge enthalten?

Die AFA-Alge wächst im Klamath-See, welches sein Wasser von den umliegenden Vulkanbergen bekommt. AFA wird in den Medien gerne als besonders vitalstoffreich bezeichnet und da ist nichts Falsches daran. AFA-Produkte enthalten tatsächlich biologisch hochwertiges Protein und verfügen über essentielle Aminosäuren, darunter:

  • Glutaminsäure
  • Glycin
  • Methionin
  • Lysin
  • Cystein
  • Phenylalanin
  • Tryptophan
  • Tyrosin

Eines der stärksten bekannten Antioxidantien wird aus Cystein, Glutaminsäure und Glycin gebildet – das Glutathion. Es schützt vor schädlichen Substanzen und wenn der menschliche Organismus zu wenig davon produziert, könnten chronische Erkrankungen als Folge auftreten. Dieser Wirkstoff lässt sich zwar über die AFA-Alge zuführen, aber nicht in ausreichenden Mengen.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z. B. Gamma Linolensäure) sind weitere Inhaltsstoffe, die in AFA-Algen enthalten sind. Dabei handelt es sich um eine der wertvollsten und wichtigsten Fettsäuren, die in der Muttermilch vorkommt.

Auch die Omega-3-Fettsäuren sind für die Eiweißsynthese, zur Vorbeugung von Entzündungen, zur Hormonproduktion, für den Zellstoffwechsel und vieles mehr essentiell. Darüber hinaus sind in AFA-Algen ca. 40 Mineralstoffe enthalten, die an Enzyme gebunden sind, wodurch sie vom menschlichen Körper besser aufgenommen werden.

In AFA-Algen sind auch wertvolle Pflanzenstoffe wie Chlorophyll und Phycocyanin sowie eine große Anzahl an Vitaminen vorhanden, darunter:

  • Biotin
  • Folsäure
  • Vitamin K1
  • Vitamin C
  • Vitamin-B-Komplex
  • Betacarotin

Die Liste von Spurenelementen und Mineralstoffen umfasst:

  • Natrium
  • Selen
  • Magnesium
  • Eisen
  • Fluor
  • Kupfer
  • Chrom
  • Calcium
  • Bor

Was sind mögliche Nebenwirkungen der AFA-Alge?

Die AFA-Alge wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder wissenschaftlich untersucht. Schon Mitte der 1990er Jahre wurde festgestellt, dass zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die auf AFA-Algen basieren, die zulässige Aufnahmemenge der giftigen Microcystine überschreiten. So warnte im Jahr 2002 das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer offiziellen Stellungnahme davor, AFA-Algen-Produkte zu sich zu nehmen und eventuelle Behandlungen mit der Grünen Spanalge abzubrechen.

Das größte Problem stellen die in den in AFA-Algen enthaltenen gefährlichen Stoffe dar, die zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen können:

  • Bei einigen Stämmen der AFA-Alge werden Gifte gebildet, die die Eigenschaft besitzen, das menschliche Nervensystem anzugreifen und zu schädigen. Außerdem können Verunreinigungen durch andere Cyanobakterien hervorgerufen werden, was zur Microcystine-Bildung führen kann. Diese schädigen das Nervensystem und die Leber und können krebserregend wirken.
  • AFA-Algen werden nach der Ernte getrocknet. Die Algen enthalten je nach Zeitpunkt der Ernte eine nicht außer Acht zu lassende Menge von Microcystinen. Wenn zum Beispiel Kinder AFA-Produkte täglich einnehmen, kann die von der WHO festgelegte tägliche Aufnahmemenge überschritten werden. Dieser Umstand ist den Eltern nicht bewusst, da in der Packungsbeilage oft keine entsprechenden Einnahmehinweise enthalten sind.
  • AFA-Algen werden als Naturprodukt abgefischt, wobei auch anderes Kleingetier und Verunreinigungen wie z. B. abgelagerter Vogelkot mitgeerntet werden. Und der Kot kann coliforme bzw. Entero-Bakterienenthalten, welche zusammen mit den AFA-Algen verarbeitet werden und selbst nach dem Trocknungsverfahren weiterhin eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen.
  • Hersteller und Händler der AFA-Algen-Präparate mögen zwar versichern, dass sie alle Erntechargen auf vorhandene Microcystine kontrolliert und gefiltert haben. Dabei ist aber nicht belegbar, ob Microcystine durch das Filtern vollumfänglich entfernt wurden. Vereinzelte Laboranalysen stellen keineswegs sicher, dass gewisse Produkte auch tatsächlich frei von Schadstoffen sind und sollten daher stets kritisch betrachtet werden.

Die in der AFA-Alge enthaltenen Giftstoffe wurden durch die Weltgesundheitsorganisation als potenziell krebserregend eingestuft. Die giftigen Microcystine können folgende gesundheitliche Probleme und Beschwerden auslösen:

  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Apathie
  • Nerven- und Leberschäden (bei hohen Aufnahmen)

Microcystin-LR – was ist das und welche Grenzwerte gelten?

Bei Microcystin-LR handelt es sich um eine stark lebertoxische Substanz, die die Wirkungkrebserregender Stoffe in der Leber bei Tierversuchen verstärken kann. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass Microcystin-LR sowohl im Körper (in vivo) als auch im Reagenzglas (in vitro) DNA-Schäden auszulösen vermag.

Allerdings fehlen adäquate Studien mit klaren Aussagen zur Kanzerogenität und Langzeittoxizität von Microcystin-LR beim Menschen.

Ein Grenzwert von 1 µg/l Mikrocystine gilt für Trinkwasser, was auch dem Grenzwert der WHO entspricht. Am CyanoCenter des Umweltbundesamtes gibt es mehr Informationen dazu. Angesichts der Kontaminationsdaten kann die von Herstellern empfohlene Aufnahmemenge an AFA-Produkten auf Tagesbasis zu einer Überschreitung der provisorisch tolerierbaren Tages-Aufnahmemengen für Microcystin-LR führen. Die toxische Wirkung anderer Microcystine aus der AFA-Alge ist noch kaum erforscht.

Überaktive Kinder und AFA-Algen – es ist Vorsicht geboten!

Unabhängige wissenschaftliche Studien über die positiven Wirkungen auf die menschliche Gesundheit durch den Verzehr von AFA-Algen-Produkten gibt es kaum. Die meisten Behauptungen der Algen-Befürworter werden vielmehr mit persönlichen Erfahrungsberichten untermauert. Dazu gehören Aussagen wie:

  • „Ich gewann mehr Lebensfreude und unglaubliche Energie.“
  • „Nach vier Wochen Algeneinnahme verschwanden meine allergischen Symptome komplett.“

Der Einsatz bei hyperaktiven Kindern erregt hierzulande ein besonderes Aufsehen. Innerhalb weniger Wochen sollen die Kinder ausgeglichener und ruhiger werden und sich damit in Verbindung auch die Konzentrationsfähigkeit und schulische Leistungen deutlich verbessern. Daher wird die AFA-Alge sogar als Ersatz für Ritalin, ein umstrittenes Medikament, beworben und gehandelt.

Eine Studie aus Nicaragua im Auftrag eines kanadischen Algenvertreibers ist der Hintergrund dieser Behauptung. Sechs Monate lang bekamen rund 2000 Grundschüler ein Gramm AFA-Algen täglich. Die schulischen Leistungen verbesserten sich während dieser Zeit erheblich. Die Befürworter führen die in den Algen enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren und Aminosäuren als den Hauptgrund dafür auf. Diese Inhaltsstoffe sollen die Botenstoffe im Gehirn regulieren und damit auch die Gehirnfunktion.

Bei der Gehirnentwicklung und Nervenübertragung spielen die genannten Nährstoffe tatsächlich eine wichtige Rolle, jedoch sind Algen keine so überragenden Quellen dieser Stoffe, wie es die Algenhersteller behaupten. So kann z. B. mit einem Esslöffel Walnussöl mehr Alpha-Linolensäure aufgenommen werden, als mit der täglichen Dosis der AFA-Alge. Anders als vielfach behauptet wird, kommen weitere Omega-3-Fettsäuren in AFA-Algen kaum vor.

Die Einnahme der in den AFA-Produkten enthaltenen Nährstoffe, die an der Nervenübertragung beteiligt sind, nützt auch nur dann etwas, wenn der Betroffene unter einem Mangel leidet. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz warnt vor der Einnahme der AFA-Alge bei ADHS, da es keinerlei wissenschaftliche Belege für eine therapeutische Wirkunggibt.

Die von den Algenherstellern finanzierten Studien zählen nicht als wissenschaftliche Belege, da sie nicht unabhängig sind. Vielmehr besteht eine große Gefahr, dass mit den Daten und Angaben so manipuliert wurde, damit eine positive Wirkung der getesteten Produkte dargestellt wird.

Fazit: AFA-Algen sind ein Nahrungsergänzungsmittel

Als Nahrungsergänzungsmittel werden solche Produkte beschrieben, die aufgrund ihres erhöhten Gehalts an Nähr- bzw. Wirkstoffen die normale Ernährung ergänzen. Solche Produkte sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht als Arzneimittel, sondern als Nahrungsmittel zu verstehen. Denn diese unterliegen im Gegensatz zu Arzneimitteln keinen strengen Kontrollen, bei denen Unbedenklichkeit, pharmazeutische Qualität und Wirksamkeit gegeben sein muss. Dass die Hersteller ihre AFA-Produkte als Wundermittel beschreiben, ist somit irreführend.

Ja, in Nahrungsergänzungsmitteln wie der AFA-Alge befinden sich tatsächlich einige wertvolle Wirkstoffe. Diese können jedoch in den Mengen, in denen sie vorkommen, keine Krankheiten heilen und keine bestehende medikamentöse Therapie ersetzen.

Quellen

https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/afa-algen/

https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/afa-algen/

https://www.bfr.bund.de/cm/343/afa_algen_und_afa_algenpropdukte.pdf

https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/afaalgen-kein-blaues-wunder-21051

https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2002/08/bgvv_und_bfarm_warnen__nahrungsergaenzungsmittel_aus_afa_algen_koennen_keine_medizinische_therapie_ersetzen-987.html

https://www.raps.org/news-and-articles/news-articles/2022/9/nutrition-and-health-claims-in-the-european-union

https://food.ec.europa.eu/safety/labelling-and-nutrition/nutrition-and-health-claims/eu-register-health-claims_en

https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2002/08/bgvv_und_bfarm_warnen__nahrungsergaenzungsmittel_aus_afa_algen_koennen_keine_medizinische_therapie_ersetzen-987.html

https://www.test.de/Algenpraeparate-Die-gruene-Gefahr-4196341-0/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasserforschung-im-uba/cyanocenter

Vahidin ist als freiberuflicher Texter tätig und schreibt besonders gerne über Gesundheitsthemen, Wellness und Ernährung. Seine Beiträge sind mit aktuellen Forschungsergebnissen untermauert und der Schwerpunkt liegt stets auf dem Mehrwert für die LeserInnen. Damit gewährleistet er tiefere Einblicke in die ausgewählten Themen und hilft dabei, die Trends im Auge zu behalten.