Was ist Maltit?

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Maltit

Maltit ist ein Zuckeraustauschstoff und gehört zur Gruppe der Polyole, die auch als Zuckeralkohole oder Polyalkohole bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich um ein kristallenes geruchsfreies Pulver mit süssem Geschmack, das ein molekulares Gewicht von 344,31 aufweist. Maltit ist auch unter dem Namen Maltitol (4-O-α-glucopyranosyl-D-sorbitol) bekannt. Seine chemische Formel lautet C12H24O11. In der Zutatenliste ist Maltit als E-965 aufgeführt. Mit E-Nummern werden Lebensmittel- oder Futtermittelzusatzstoffe bezeichnet, die von der Europäischen Union (EU) als solche zugelassen worden sind. Maltit zählt wie Sorbit, Xylit oder Fruchtzucker zu den sogenannten Zuckeraustauschstoffen.

Maltit

Was sind Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe?

Es gibt viele Stoffe, die süßend wirken. Häufig verwendet werden Glukosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup, Invertzuckersirup, Traubenzucker, Maltodextrin, Fruchtsaft, Fruchtsaft, Süßmolkenpulver, Milchpulver und Molkenerzeugnisse. Diese Zuckerarten gelten nicht als Lebensmittelzusatzstoffe und sind daher nicht zulassungspflichtig. Charakter und Einsatz in Lebensmitteln aller Süßungsmittel sind in der Zusatzstoffzulassungsverordnung (ZZulV) in Verbindung mit VO (EG) 1333/2008 festgelegt.

Anders verhält es sich bei den zwei weiteren Arten von Süßungsmitteln: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe. Süßungsmittel wie Acesulfam K (E950), Advantam (E969), Aspartam (E 951), Aspartam-Acesulfam-Salz (E 952), Cyclamat (E 952), Neohesperidin DC (E 959), Neotam (E961), Saccharin (E 954), Stevia (Steviolglykosid) (E 960), Sucralose (E 955) und Thaumatin (E 957) sind zulassungspflichtig und finden in der Lebensmittelherstellung besonders oft Anwendung. Sie weisen eine 30- bis 37.000-fach höhere Süßkraft als Zucker auf.[1]

Im Gegensatz zu den Süßstoffen sind die ebenfalls zulassungspflichtigen Zuckeraustauschstoffe dem normalen Haushaltszucker (Saccharose, Sucrose) in seiner Beschaffenheit und Süßstärke sehr ähnlich. Zu den Zuckeraustauschstoffen gehören Erythrit (E 968), Isomalt (E 965), Lactit (E 966), Mannit (E421), Polyglycitolsirup (E 964), Sorbit (E420), Xylit (E 967) und Maltit (E965).

 «Zuckerfrei» bedeutet laut der Verbraucherzentrale nicht gleichzeitig, dass ein Produkt gänzlich zuckerfrei ist. Gesetzlich möglich ist ein Restgehalt von maximal 0,5 g Zucker je 100 g / 100 ml. Ein Liter «zuckerfreies» Getränk kann somit bis zu 5 g Zucker enthalten.[2]

Gemäß der Verordnung (EG) 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln (HCV) bedeutet «ohne Zuckerzusatz» ebenfalls keineswegs, dass im Produkt kein Zucker enthalten ist. Vielmehr wurden ihm keine Süßmacher zugesetzt. Dennoch kann das Produkt Zutaten aufweisen, die von Natur aus Zucker enthalten. Diese müssen nicht aufgelistet werden.[2]

Wie unterscheidet sich Maltit von anderen Süßungsmitteln?

Süßstoffe sind chemisch anders aufgebaut als normaler Haushaltszucker. Zuckeraustauschstoffe wie Maltit hingegen ähneln in ihrer chemischen Struktur der des handelsüblichen Haushaltszuckers und binden sich relativ ähnlich wie dieser an die Süßrezeptoren der Zunge. Deshalb schmecken Zuckeraustauschstoffe nicht nur ähnlich wie Zucker, sie verleihen Lebensmitteln auch vergleichbare Eigenschaften wie Mundgefühl, Struktur und Volumen.

Wie wird Maltit hergestellt?

Maltit kommt in verschiedenen Früchten und Gemüsesorten auf natürliche Weise vor. Ebenso enthalten geröstetes Malz und Chicoréeblätter geringe Mengen Maltit.[3]

Bei der industriellen Produktion wird Maltit durch partielle Hydrolyse von Mais-, Kartoffel- oder Weizenstärke gewonnen.[2,4] Hierfür wir eine Stärkeaufschlämmung durch Erhitzen auf 70 bis 180 °C verflüssigt und danach auf 45 bis 60 °C abgekühlt. Durch das Einrühren und Einwirken verschiedener Enzyme wie beispielsweise Amylase oder Glukose-Isomerase wird die Stärkelösung in Maltose umgewandelt, welche im Anschluss mit Hilfe eines Katalysators bei einer Temperatur zwischen 80 und 150 °C sowie einem Druck von 20 bis 100 kg/cm² zu Maltit hydriert wird.[5]

Die bei der Maltitherstellung verwendeten Enzyme werden heute überwiegend biotechnisch mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewonnen.[6] Die verwendeten Stärkequellen können ebenfalls aus gentechnisch verändertem Material stammen.

Was ist Maltitsirup?

Maltit kommt im Handel auch als Maltitsirup zum Einsatz. Maltitsirup ist eine klare geruchslose Flüssigkeit oder eine weiße kristalline Masse mit süßem Geschmack. Hierbei handelt es sich um Hydrierte Stärkehydrolysate (HSHs, Gemische mehrerer Zuckeralkohole). Hydrierte Stärkehydrolysate werden nach der partiellen Hydrolyse von Stärke noch einem weiteren Schritt unterzogen. Die durch die partielle Hydrolyse entstandenen Dextrine (Glukose und kurze Glukoseketten) werden durch Hydrierung in Zuckeralkohole umgewandelt. Die Stärke wird jedoch nicht komplett hydrolysiert, sondern es entsteht eine Mischung aus Sorbit, Maltit und langkettigen hydrierten Sacchariden. Besteht die Mischung zu mindestens 50 % aus Maltit, wird sie als «Maltitsirup» bezeichnet.[4,7]

Maltitsirup ist ebenso wie Maltit ein beliebter Zuckeraustauschstoff. Eine bundesweite Markterhebung der Verbraucherzentrale Bayern e.V. konnte eine nennenswerte Reduktion im Zuckergehalt in einem von ihr untersuchten Getreideriegel durch die Verwendung von Maltitsirup nachweisen. Der mit Maltitsirup gesüßte Getreideriegel enthielt nur 2,5 g / 100 g Zucker. Das mit Haushaltszucker gesüßte Pendant hingegen 35,1 g / 100 g.[8]

Dennoch warnt die Verbraucherzentrale vor falschen Rückschlüssen: Obwohl der Getreideriegel als «free» und «ohne Zuckerzusatz» deklariert werden durfte, enthielt er aufgrund des Maltitsirups «von Natur aus Zucker».[8]

Wie süß ist Maltit?

Da sich Maltit in seiner Struktur nur leicht vom herkömmlichen Haushaltszucker unterscheidet, ist seine Bindung an die Geschmacksrezeptoren der Zunge ähnlich, jedoch nicht zu 100 % gleich. Dadurch büßt Maltit etwas an Süßkraft ein und hat nur die 90-prozentige Süßkraft von Haushaltszucker.[7] Um die Tasse Tee mit der gleichen Süße zu erhalten, bedarf es somit 11,1 Prozent mehr Maltit als Haushaltszucker.

Die Süßkraft von Maltitsirup ist noch geringer und weist nur eine Intensität von 60 bis 90 % der von Haushaltszucker auf. Im Gegensatz zu künstlichen Süßstoffen hinterlassen Maltit und Maltitsirup nach dem Verzehr keinen unangenehmen Nachgeschmack.[7]

Was sind die Eigenschaften von Maltit?

Maltit weist mit 149-152 °C einen niedrigeren Schmelzpunkt als herkömmlicher Haushaltszucker auf (186 °C).[9] Auch in anderen Aspekten ähnelt er dem Charakter von Haushaltszucker unter allen Zuckeraustauschstoffen am meisten: Während sich 220 g Haushaltszucker in 100 ml Wasser einer Temperatur von 37 °C auflöst, löst sich in derselben Menge Wasser von ebenfalls 37 °C 200 g Maltit auf. Nachdem sich Maltit im Wasser aufgelöst hat, entspricht das Wasser in seiner Konsistenz der von Zuckerwasser. Entsprechend ähnlich lösen sich Maltit und Zucker im Mund auf.[3]

In seiner kristallinen Form bindet Maltit aufgrund seiner hohen kristallinen Reinheit und chemischen Zusammensetzung weniger Wasser als herkömmlicher Haushaltszucker. Bei rund 40 °C nimmt Maltit bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 82 % mehr Umgebungsfeuchtigkeit auf als Haushaltszucker, der unter gleichen Voraussetzungen nur 80 % aufnimmt.

In der Lebensmittelbranche ist dies von Vorteil: Als Überzug auf Süßwaren oder Kaugummi hält Maltit mit seiner geringen Hygroskopizität (Aufnahme von Feuchtigkeit) das Lebensmittel länger knusprig. Zudem reagiert Maltit beim Erhitzen nicht mit Aminosäuren. So kommt keine Maillard-Reaktion zustande und die Gefahr des übermäßigen Bräunens beim Backen sinkt.[3]

All dies hat zur Folge, dass sich Maltit ähnlich wie Zucker verarbeiten lässt.

Kann man Maltit mit anderen Zutaten mischen?

Maltit wird heute in zahlreichen Produkten und auch in Kombination mit anderen Süßungsmitteln verwendet. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Maltit sich mit anderen Lebensmittelzutaten und -substanzen nicht verträgt.

In welchen Lebensmitteln kommt Maltit vor?

Maltit ist heute nicht nur als Lebensmittelzusatzstoff in zuckerreduzierten Desserts und Süßwaren zu finden. Es erfüllt als Zusatzstoff in Backwaren, Brot, Desserts, Eiscreme, Kaugummi, Kekse, Kuchen, Marmelade, Milchprodukten, Obstzubereitungen, Senf, Soßen und Süßigkeiten unterschiedliche Aufgaben und ist in unbegrenzter Menge zugelassen. Enthält das Produkte mehr als 10 Prozent Maltit, muss auf der Verpackung die Angabe «Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken« stehen.

Wofür kann man Maltit verwenden?

Polyole wie Maltit finden aufgrund ihrer emulgierenden, stabilisierenden, feuchtigkeits- und verdickungsschützenden Eigenschaften in der Lebensmittelindustrie eine breite Anwendung. Da Maltit, wie bereits erwähnt, keine Maillard-Reaktion aufweist, ist die farbliche Veränderung beim Erhitzen gering, weshalb Maltit besonders gut für Backwaren geeignet ist. Auch in der Schokoladenherstellung hat Maltit heute seinen festen Platz. Früher gestaltete sich die Herstellung von Schokolade ohne Haushaltszucker als äußerst schwierig. Maltit hingegen erfüllt auch hier die physikalischen und chemischen Anforderungen von Haushaltszucker. Aufgrund seiner wasserfreien kristallinen Form, seiner Stabilität und hohen Schmelzpunkts wird Maltit heute zudem bei der Herstellung von zahlreichen Süßwaren und Bonbons verwendet.

Konfekt und Eiscreme verleiht Maltit eine cremige Textur, sodass Maltit auch als Fettersatz Anwendung findet.

Seine hohe Wasserbindungsfähigkeit macht Maltit außerdem für die Konservierung von Lebensmitteln interessant. Durch den Zusatz von Maltit trocken Backwaren langsamer aus. Deshalb kommt Maltit immer öfter auch in Broten und Feinbackwaren zum Einsatz. Marzipanbrote schützt Maltit ebenfalls vor dem Austrocknen.

Auch in Tütensuppen, Soßenpulver und -bindern ist Maltit heute häufig zu finden, wo es als Emulgator die Bildung von Fetttröpfchen verhindert. Ferner wird Maltit auch als Träger für Aromen und Vitamine sowie als Füllstoff Lebensmitteln zugesetzt.

Kann man Maltit zum Backen verwenden?

Aufgrund seiner zuckerähnlichen Eigenschaften eignet sich Maltit hervorragend zum Backen. Selbst wenn Zucker vollständig durch Maltit ersetzt wird, hat dies nur geringe Veränderungen zur Folge. So fallen Kekse mit Maltit etwas kleiner im Durchmesser aus als Kekse, die mit Zucker gebacken werden. Auch sind sie in ihrer Dicke um etwa 9 % niedriger. Dafür sind Kekse mit Maltit weniger anfällig für Risse. Da Polyole keine Maillard- und Karamellisierungsreaktionen aufzeigen, bleiben Backwaren bei vorgeschriebener Backtemperatur und -zeit hell in der Farbe. Im Geschmack können sich Maltitkekse jedoch leicht von denen mit Haushaltszucker unterscheiden.[10]

Wie gesund ist Maltit?

Bei der Zulassung von Süßstoffen erfolgt eine gesundheitliche Bewertung von akzeptablen täglichen Aufnahmemengen (Acceptable Daily Intake, ADI). Dies geschieht auf Basis der Ergebnisse aus Tierexperimenten, in denen den Tieren den betreffenden Lebensmittelzusatzstoff über einen bestimmten Zeitraum in der Regel täglich in vergleichsweise hohen Konzentrationen verabreicht werden. Die Dosis, bis zu der keine unerwünschte Reaktion auftritt, wird als No-Observed-Adverse-Effect-Level (NOAEL) bezeichnet und durch einen Sicherheitsfaktor geteilt, um Unsicherheiten bei der Übertragung der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen gerecht zu werden. Dieser Wert wird in mg/kg Körpergewicht angegeben. Nimmt man diese Menge jeden Tag auf, sind keine unerwünschten Wirkungen zu erwarten.[11]

Für Zuckeraustauschstoffe hingegen werden solche numerischen ADI-Werte nicht abgeleitet. Sowohl der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Union (SCF, engl. Scientific Committee on Food) als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sehen keine gesundheitlichen Bedenken bei der Verwendung von Zuckeraustauschstoffen in grossen Mengen. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass ihr übermäßiger Verzehr zu osmotischem Durchfall führen kann. Aus diesem Grund müssen Tafelsüßen und Lebensmittel, die mehr als 10 % Zuckeraustauschstoff enthalten, mit dem Hinweis «kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken» gekennzeichnet werden (Richtlinie 94/54/EC der Kommission).[12]

Warum man keine großen Mengen Maltit verzehren sollte

Zwar wird Maltit als gesundheitlich unbedenklicher Lebensmittelzusatzstoff eingestuft. In der Tat weisen zahlreiche Studien Maltit auch eine gute Verträglichkeit nach.[7,13] Dennoch sollte man keine zu großen Mengen Maltit zu sich nehmen, denn im Dünndarm werden 44 ± 7 % des Maltits nicht absorbiert, sondern unverdaut ausgeschieden. Hierbei erhöht sich der osmotische Druck im Dünndarm und fördert die Ausscheidung von Wasser aus dem Körper, was in Durchfall resultieren kann.[7,13]

Ob Maltit zu Durchfall führt, hängt von mehreren Faktoren ab. So spielen das Alter der Person, die aufgenommenen Menge sowie die Regelmäßigkeit des Verzehrs eine Rolle. Vor allem aber ist es stark individuell abhängig. [7,13]

Eine tägliche Menge von bis zu 30 bis 50 Gramm gilt allgemein für Erwachsene als unproblematisch.

Wirkt Maltit präbiotisch?

Auf die Darmflora scheint Maltit keine dauerhafte Auswirkung zu haben, weshalb ihm eine präbiotische Wirkung zugeschrieben wird. Während sich der Darm bei regelmäßigem Verzehr von Süßungsmitteln daran gewöhnt, die nicht absorbierten Moleküle zu fermentieren, was zu einer veränderten Stoffwechselaktivität der Darmflora führt, scheint Maltit zumindest kurzfristig keine solche Veränderung nach sich zuziehen.[13]

In einer Studie konnte zudem wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Maltit die Anzahl der Bifidobakterium-Bakterien im gesunden menschlichen Darm erhöhen kann. Dennoch sind weitere Studien zum Effekt von Maltit auf das Mikrobiom des Darms notwendig.[14]

Ist Maltit kalorienarm?

Zuckeraustauschstoffe sind wie Zucker Kohlenhydrate und eine wichtige Energiequelle für den Körper, indem sie zur Kalorienaufnahme beitragen. Der Körper verwendet sie gleichermaßen: Während der Verdauung zerfallen herkömmlicher Haushaltszucker wie Saccharose und andere Kohlenhydrate wie beispielsweise Stärke in Einzelzucker, sogenannte Monosaccharide. Diese wandern durch den Blutkreislauf hin zu den Körperzellen, denen sie Energie liefern und zur Bildung von Proteinen beitragen.

Dennoch gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Süßmitteln. So weisen Zuckeraustauschstoffe wie Maltit einen niedrigeren Brennwert auf als Zucker. Der Energiewert von Maltit wird auf 3.1±0.1 kcal/g geschätzt und liegt damit um 30 bis 50 % niedriger als der von Haushaltszucker.[7] Andere Quellen geben den Kalorienwert Maltits mit rund 2,4 Kilokalorien pro Gramm an.[1]

Die Verbraucherzentrale Bayern e.V. warnt diesbezüglich jedoch vor Reformulierungen. In einer von ihr untersuchten Eiscreme wurde auf herkömmlichen Haushaltszucker verzichtet und stattdessen durch Maltit und Fruktose ersetzt. Während Fruktose die Süße schafft, gibt Maltit Fülle und spart im Produkte gleichzeitig etwa die Hälfte der Zuckerkalorien ein. Der Zuckeranteil in der Nährwertangabe dieses Produktes konnte dadurch von rund 28 % auf 16,4 % gesenkt werden. Die Kohlenhydratmenge blieb jedoch ebenso wie der Gesamtkaloriengehalt fast unverändert.[7]

Ist Maltit zahnfreundlich?

Zahlreiche Lebensmittel lassen den pH-Wert im Mund sinken, wodurch die kariesfördernden Bakterien Zahnbelag bilden. Dieser wiederum kann zu Karies und Parodontitis führen. Dabei greifen nicht die Bakterien den Zahnschmelz an. Vielmehr scheiden sie bei der Verdauung von Zucker und Kohlenhydraten Säure aus, die dem Zahnschmelz schadet und zur Demineralisierung des Zahns führt.

Maltit greift in diesen Bakterien-Stoffwechsel ein, indem es den pH-Wert nicht unter 5,5 sinken lässt. In diesem Milieu können zahnschädliche Bakterien fermentierbare Kohlenhydrate nicht zu Säure verstoffwechseln, sodass sich kein Zahnstein bildet. Zudem führt die Auflösung des Maltits zu verstärkter Speichelbildung, wodurch anderweitig entstandene Säuren verwässert werden und der Säuregehalt auf der Zahnoberfläche niedrig bleibt. Der kritische pH-Wert, ab dem es zu einer Demineralisierung kommt, liegt unter 5,5 bis 5,7 pH.[7] Speichel enthält außerdem Calciumphosphat, was die Bildung und Härtung des Zahnschmelzes unterstützt.

Zwar verfügen auch andere Polyole über diese Eigenschaft. Doch ist Maltit der einzige Zuckeraustauschstoff, bei dem sich die Mikroorganismen des Zahnbelags selbst nach langem Konsum wie beispielsweise zwei Wochen nicht entsprechend anpassen, um das Polyol verstoffwechseln zu können.[7]

Maltit gilt daher als zahnfreundlich – unter der Voraussetzung, dass gleichzeitig keine Kohlenhydrate oder Zucker aufgenommen werden, die den pH-Wert im Mund in einen Bereich fallen lassen, in dem es zur Demineralisierung des Zahnschmelzes kommt.[15]   

Wie viel Maltit am Tag?

Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft halten die wissenschaftliche Studienlage für eindeutig: Maximal zehn Prozent der gesamten täglichen Energiezufuhr kann in Form von frei verfügbarem Zucker zu sich genommen werden. Hierbei handelt es sich um Zucker, der natürlich in Lebensmitteln vorkommt oder ihnen zugesetzt ist. Ausgeschlossen hiervon sind Obst und Milch. Die Obergrenze liegt somit bei einem durchschnittlichen Energiebedarf von 2000 Kilokalorien (kcal) bei 50 g Zucker.[16] Diese zehn Prozent können mit Maltit ausgetauscht werden.

Dies gestaltet sich oft gar nicht so einfach. Die Verbraucherzentrale Bayern e.V. erachten viele Produkte aufgrund von Reformulierungen als undurchsichtig. So wird Maltit oftmals anstelle von Zucker in Joghurts eingesetzt. Die Spannbreite normaler Joghurts, die Süßungsmittel enthalten, beläuft sich laut dem Verbraucherschutz auf 6,5 bis 8 g pro 100 mg. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass alle Milchprodukte bereits natürlicherweise Laktose (Milchzucker) enthalten. Eine gewisse «Basis-Zuckermenge» von 4,5 g pro 100 ml Milch respektive 5,4 g pro 100 g Joghurt ist daher selbst ohne zugesetzte Süßungsmittel stets vorhanden.[8] Diese sollte bei der täglichen Aufnahme einberechnet werden.

Für Maltit gilt zudem eine tägliche Obergrenze von 30 bis 50 g bei Erwachsenen und 15 g bei Kindern. In zu hohen Dosen kann Maltit, wie bereits oben erwähnt, zu Darmproblemen wie Blähungen und durchfall führen. Zudem stehen hohe Mengen Maltit im Verdacht zu Komplikationen beim Fötus zu führen.[3]

Wie beeinflusst Maltit auf den Blutzuckerspiegel?

Der Zuckerstoffwechsel im menschlichen Körper erfolgt über den Blutkreislauf und führt zur einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Sobald der aufgenommene Zucker im Blut ist, öffnet das Hormon Insulin wie ein Schlüssel die Pforten der Zellen für den Zucker, indem es ihn für die Zellen verfügbar macht. Ohne Insulin kann die Glukose nicht in die Zelle gelangen und der Zuckerspiegel im Blut steigt.

Maltit hingegen wird weitgehend unabhängig von Insulin verstoffwechselt und gelangt ohne seine Hilfe in die Zellen. Deshalb wird Maltit gerne in Produkten für Diabetiker eingesetzt.

Wie ist der glykämische Index von Maltit?

Alle Polyole, einschließlich Maltit, verfügen über einen niedrigen glykämischen Index, da sie ohne die Hilfe von Insulin rasch in die Zellen gelangen und daher nur einen moderaten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach sich ziehen.[7] Der glykämische Index von Maltit wird auf 35 geschätzt.[3] Wenn man eine Glyx Diät macht, kann Maltit somit durchaus eine alternative zu normalem Zucker sein.

Hilft Maltit Menschen mit Diabetes?

Anhand der wissenschaftlichen Datenlage sieht es die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Produkten mit Maltit und einem geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels als erwiesen an, ohne dass es zu einem überproportionalen Anstieg der insulinämischen Reaktion kommt.[15]

Dennoch sieht die Fachschaft von Diabetes-Deutschland.de Zuckeraustauschstoffe wie Maltit kritisch. Ihrer Meinung nach kann die Wirkung von Polyolen auf den Blutzucker von Diabetikern nur schlecht eingeschätzt werden und sollten nicht in KH-Portionen (BE, KE, KHE) umgerechnet werden. Zudem sei die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel nur etwas geringer als die von herkömmlichen Haushaltszucker. Die Fachschaft rät Diabetikern von der Verwendung von Zuckeraustauschstoffen wie Maltit noch aus einem weiteren Grund ab. Gegenüber der Verwendung von Haushaltszucker bringt Maltit keinen erwiesenen Nutzen. Im Gegenteil: Es kann Blähungen und Diarrhoe verursachen.[17]

Wozu wird Maltit noch genutzt?

Maltit kommt nicht nur in Lebensmitteln zum Einsatz. Heute wird es auch in Kosmetika als Duft- und Feuchtigkeitsträger für pflegende Hautprodukte zugesetzt.[18] Zudem findet sich Maltit häufig in Zahnpasta, um sie vor dem Austrocknen zu schützen.

Fazit: Vor- und Nachteile

Vorteile von Maltit

Maltit (E965) wird durch Hydrolyse, Reduktion und Hydrierung von Stärke gewonnen, was zu einem Süßmittel mit 90-prozentiger Süßstärke von herkömmlichen Haushaltszucker führt. Unter den Zuckeraustauschstoffen ist Maltit Haushaltszucker vom Geschmack her am ähnlichsten.

Zudem ist Maltit im Volumen, in der Löslichkeit und Hygroskopizität vergleichbar mit Haushaltszucker. In seiner Anwendung verhält sich Maltit daher ähnlich wie dieser, weshalb Maltit ideal für die Verarbeitung in Lebensmitteln und beim Backen ist. Er ist der bevorzugte Zuckeraustauschstoff für die Herstellung von Schokolade.

Maltit hat im Gegensatz zu vielen anderen Süßungsmitteln keine negativen Auswirkungen auf die Zahngesundheit und ist somit nicht kariogen. Im Vergleich zu Haushaltszucker ist Maltit kalorienarm und wird nicht mit Hilfe von Insulin verstoffwechselt, was ihn interessant für Diätprodukte und Diabetiker macht.

Aufgrund seiner langsamen Verdauungsrate und anscheinend positiven Auswirkungen auf die Darmflora gilt Maltit zudem als präbiotisch.

Nachteile von Maltit

Vom Konsum in größeren Mengen wird abgeraten, da Maltit ab einer täglichen Menge von 30-50 g eine laxative Wirkung haben kann und daher häufig zu Blähungen und Durchfall führt. Je nach individueller Unverträglichkeit kann dies bereits ab einer Menge von 10 bis 20 g vorkommen. Produkte, die Maltit enthalten, müssen deshalb mit dem Hinweis «kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken» versehen sein. Obwohl Maltit keinen relevanten Blutzuckeranstieg zur Folge zu haben scheint, ist Maltit von Diabetikern nur schwer anzurechnen

Fragen und Antworten

Wirkt Maltit abführend?

Bei hohem Konsum wird Maltit eine abführende Wirkung zugeschrieben. Allgemein wird deshalb geraten, die tägliche Menge Maltits von 30-50 g nicht zu überschreiten. Für Menschen mit empfindlichem Darm gelten entsprechend niedrigere Werte von maximal 10 g.

Wieviel Maltit am Tag?

Unabhängig von seiner laxativen Wirkung, sind sich Fachschaften einig: Bei einem durchschnittlichen Energiebedarf von 2000 Kilokalorien (kcal) sollte die Obergrenze von 10 Prozent Süßungsmittel nicht überschritten werden.

Ist zuckerfrei auch low-carb?

Es ist umstritten, ob Maltit für die ketogene Ernährung geeignet ist oder nicht. Zuckeraustauschstoffe zählen zu den Kohlenhydraten. Im Falle von Maltit werden allgemeinen Informationen zufolge zwischen 8 und 70 Prozent seiner Kohlenhydrate im Darm verstoffwechselt. Die Paleo Foundation nahm Maltit im Jahre 2020 in ihre Liste der Keto-zertifizierten Standards auf. Für ihre Entscheidung hat die Stiftung jedoch weniger die wissenschaftliche Datenlage als im Internet frei verfügbare Artikel herangezogen. Die im Netz überwiegende Einschätzung attestiert laut der Stiftung Maltit einen eher anti-ketogenen Effekt. Die Stiftung macht hierfür eine fehlerhafte Interpretation der vorhandenen Daten verantwortlich.[20] Eine italienische Studie schreibt Maltit ebenfalls einen anti-ketogenen Effekt zu.[19]

Hat Maltit Kalorien?

Je nach Quelle wird der Energiewert von Maltit auf 2,4 bis 3.2 kcal/g geschätzt. Wie alle Zuckeralkohole muss Maltit in der Europäischen Union mit einem Brennwert von 2,4 kcal/g deklariert werden.

Wie hoch ist glykämische Index von Maltit?

Da Maltit langsamer aus dem Darm resorbiert wird, steigt der Blutzuckerspiegel nicht so schnell an wie bei Haushaltszucker. Der glykämische Index von Maltit wird auf 35 geschätzt.[3]

Ist Maltit zahnfreundlich?

Der Verzehr von Maltit hat keine Auswirkung auf den pH-Wert im Mund. Seine Kohlenhydrate können somit von zahnschädlichen Bakterien nicht verstoffwechselt werden, weshalb Maltit als zahnfreundlich und nicht kariogen gilt.  

Welche Alternativen gibt es zu Maltit?

Auf dem Markt sind zahlreiche Zuckeralternativen zu finden, wovon jede ihre Vor- und Nachteile hat. Unter den Zuckeralkoholen ist Erythrit eine gute Alternative zu Maltit. Es ist gut verträglich, kalorienfrei und wirkt daher nicht auf den Blutzuckerspiegel. Allerdings hat Erythrit eine geringere Süßkraft als Maltit.

Quellen:

[1] https://www.bzfe.de/lebensmittel/lebensmittelkunde/suessungsmittel/, abgerufen am 8. Januar 2023.

[2] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/ernaehrung-fuer-senioren/zucker-und-suessungsmittel-48824, abgerufen am 6. Januar 2023.     

[3] Saraiva A, Carrascosa C, Raheem D, et al. Maltitol: Analytical Determination Methods, Applications in the Food Industry, Metabolism and Health Impacts. International Journal of Environmental Research Public Health. 2020:17(14):5227. doi:10.3390/ijerph17145227.

[4] https://de.wikibrief.org/wiki/Hydrogenated_starch_hydrolysates, abgerufen am 6. Januar 2023.     

[5] https://patents.google.com/patent/DE1935330A1/de

[6] https://www.transgen.de/datenbank/zusatzstoffe/2052.maltit-e965.html, abgerufen am 8. Januar 2023.

[7] Dobreva V, Dobrev G, Slavov A, et al. Functional properties of maltitol. Agricultural Science and Technology. 2013:5.168-172.

[8] https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Versteckte-Suessmacher-Marktcheck-Lebensmittel-Verbraucherzentralen.pdf

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Maltit, abgerufen am 8. Januar 2023.

[10] Roze M, Crucean D, Diler G, et al. Impact of Maltitol and Sorbitol on Technological and Sensory Attributes of Biscuits. Foods. 2021;10(11):2545. doi:10.3390/foods10112545

[11] https://www.bfr.bund.de/cm/343/bewertung_von_suessstoffen.pdf, abgerufen am 6. Januar 2023.

[12] https://food.ec.europa.eu/system/files/2020-12/sci-com_scf_out48_en.pdf, abgerufen am 6. Januar 2023.     

[13] Ruskoné-Fourmestraux A, Attar A, Chassard D, et al. A digestive tolerance study of maltitol after occasional and regular consumption in healthy humans. European Journal of Clinical Nutrition. 2003:57. 26-30. Doi:10.1038/sj.ejcn.1601516.

[14] Ruiz-Ojeda FJ, Plaza-Díaz J, et al. Effects of Sweeteners on the Gut Microbiota: A Review of Experimental Studies and Clinical Trials, Advances in Nutrition. 2019:10(1), 31-48, doi:10.1093/advances/nmy037.

[15] EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA), Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to the sugar replacers xylitol, sorbitol, mannitol, maltitol, lactitol, isomalt, erythritol, D-tagatose, isomaltulose, sucralose and polydextrose and maintenance of tooth mineralisation by decreasing tooth demineralisation, and reduction of post-prandial glycaemic responses pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006, EFSA Journal 2011;9(4):2076, DOI:https://doi.org/10.2903/j.efsa.2011.2076

[16] https://www.aerztezeitung.de/Medizin/So-viel-Zucker-pro-Tag-darfs-sein-254183.html, abgerufen am 8. Januar 2023.

[17] https://www.diabetes-deutschland.de/archiv/1246.htm, abgerufen am 6. Januar 2023. 

[18] Eintrag zu MALTITOL in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 6. Januar 2023.

[19] Leone A, De Amicis R, et al. Food and Food Products on the Italian Market for Ketogenic Dietary Treatment of Neurological Diseases. Nutrients. 2019:11(5):1104. doi:10.3390/nu11051104. 

[20] https://paleofoundation.com/maltitol-to-keto-certified-standards, abgerufen am 10. Januar 2023.

Regina Röttgen studierte in München und Istanbul Orientalistik, Anglistik und Philosophie. Seitdem schreibt sie deutsche, englische und türkische Artikel zu Themen, die es ihr besonders angetan haben: Tiere, Natur, Medizin und Ernährung.